Bürgermeister Jens Böhrnsen eröffnet den Tag des offenen Denkmals im Bunker Valentin / Großes Interesse „Es geht nicht um Steine, es geht um Leid“

Im U-Boot-Bunker Valentin eröffneten Bürgermeister Jens Böhrnsen und Kulturstaatsminister Bernd Neumann gestern den 21. Tag des offenen Denkmals. Auch in allen anderen Nordbremer Stadtteilen sowie in Schwanewede standen die Denkmale gestern offen. Im U-Boot-Bunker Valentin eröffneten Bürgermeister Jens Böhrnsen und Kulturstaatsminister Bernd Neumann gestern den 21. Tag des offenen Denkmals. Auch in allen anderen Nordbremer Stadtteilen sowie in Schwanewede standen die Denkmale gestern offen.
09.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christina Denker

Im U-Boot-Bunker Valentin eröffneten Bürgermeister Jens Böhrnsen und Kulturstaatsminister Bernd Neumann gestern den 21. Tag des offenen Denkmals. Auch in allen anderen Nordbremer Stadtteilen sowie in Schwanewede standen die Denkmale gestern offen.

Bremen-Nord.

„Wir sind die Wahrheit, und die Toten sind die Beweise“ – Andre Migdal, Überlebender des Bunkerbaus in Farge, ist vor über fünf Jahren gestorben. Seine Gedichte aber sind nicht in Vergessenheit geraten. Gestern wurden sie am Ort des Schreckens vorgetragen, am Tag des offenen Denkmals. Der sollte die Besucher nicht an besonders prächtige, ästhetische oder ruhmreiche Plätze führen, nein: „Jenseits des Guten und Schönen – unbequeme Denkmale“ lautete das Motto dieses Jahres.

Denkmale erinnern an kluge Köpfe, vergangene Zeitalter, ehemalige Industriestandorte oder – wie in diesem Fall – an unermessliches Leid. Bürgermeister Jens Böhrnsen eröffnete gemeinsam mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann gestern das Bremer Angebot dieses Denkmaltages am U-Boot-Bunker Valentin. Rund 50 historische Gebäude, archäologische Stätten sowie Gärten und Parks waren geöffnet. Böhrnsen bezeichnete den Bunker weniger als ein unbequemes als vielmehr ein notwendiges Denkmal: „Es geht hier nicht um Steine, es geht um das Leid. Die Erinnerung ist das einzige, das wir den Opfern noch geben können“, appellierte Böhrnsen daran, die schrecklichen Geschehnisse zur NS-Zeit nicht zu verdrängen.

Dafür warb auch Neumann: „Der U-Boot-Bunker Valentin steht exemplarisch für den gigantischen Rüstungswahn und die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten. Der Staatsminister zeigte sich ebenso wie Böhrnsen davon überzeugt, dass der Bunker Denkmalwert besitze. Dass beide, sowohl Böhrnsen als auch Neumann, wie im vergangenen Jahr auch dieses Mal den Tag des offenen Denkmals eröffneten, freute den Bremer Landeskonservator Georg Skalecki sichtlich. Vielleicht liege es an der Verantwortlichkeit für diesen besonderen Ort, spekulierte er.

Über 800000 Euro fließen in diesem Jahr aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers nach Bremen. Das dürfte die Initiative um Egbert Heiß aus Vegesack interessieren: Deren Mitglieder haben sich der Erhaltung der Zivilschutzanlage aus der Zeit des Kalten Krieges am Sedanplatz verschrieben. Auch dort gab es gestern Führungen. Wie es heißt, sei das Landesamt für Denkmalpflege daran interessiert, die Anlage nun unter Schutz zu stellen.

Wer Gelegenheit dazu hatte, schaute noch auf dem Gelände der früheren Bremer Wollkämmerei (BWK) vorbei. Dort gab es Einblicke in die architektonischen Besonderheiten zweier Speicherhallen, der Kammzuglager, die Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden sind. Björn Hashagen, der Woche für Woche ein Stockwerk tiefer an alten Autos herumschraubt, ist, wie er sagte, dem Charme des alten Backsteinbaus mit seinen unzähligen Feuerschutztüren schon längst erlegen.

Einblick in die Hohehorst-Geschichte

Viele Besucher zog es gestern auch nach Löhnhorst. Hohehorst, der Ex-Landsitz der Bremer Fabrikanten-Familie Lahusen, hatte seine Pforten geöffnet. Hunderte nutzten die Gelegenheit, einen Blick ins Herrenhaus zu werfen. Zum Denkmaltag war das sonst für die Öffentlichkeit unzugängliche Gebäude teilweise geöffnet. In der großen Halle gewannen Besucher einen Eindruck von der einstigen Pracht des Hauses. Bei einer Führung über das Gelände erzählte Hohehorst-Hobbyforscher Hans-Werner Liebig von alten Glanzzeiten, als Sandstein-Skulpturen und kunstvoll angelegte Blumenbeete den Park schmückten.

Wer tiefer in die Geschichte von Hohehorst eintauchen wollte, der war im Archiv richtig aufgehoben. Besucher drängten sich vor Wänden und Stelltafeln mit historischen Fotos, Zeitungsartikeln und anderen Dokumenten. Filme ließen die Historie des Gutes Revue passieren. Zusätzliche Informationen erhielten Besucher von Hans-Werner Liebig, der die Sammlung in jahrelanger Recherchearbeit zusammentrug und das Archiv ehrenamtlich betreut.

Manch ein Besucher verband persönliche Erinnerungen mit Hohehorst. Erwin Jedamzik verbrachte Kindheit und Jugend auf dem Gut. Die Familie Jedamzik lebte seit 1958 im früheren Kutscherhaus, heute das Eltern-Kind-Haus des Therapiezentrums. „Der Park war für mich, meine drei Brüder und die Nachbarskinder ein großer Spielplatz“, erinnert sich der 63-Jährige. Sein Vater Ewald arbeitete von 1948 bis 1995 als Haus- und Maschinenmeister für wechselnde Arbeitgeber. Erst für das Rote Kreuz Wesermünde, das im Herrenhaus ab 1948 eine Tuberkulose-Heilstätte betrieb. 1958 zog die Bremer Heimstiftung mit einem Alterskrankenhaus in Hohehorst ein, 1962 richtete das Land Bremen ein Fachkrankenhaus ein. Ewald Jedamziks letzter Arbeitgeber war die Drogenhilfe Bremen, die seit 1981 ein Therapiezentrum in Hohehorst betreibt. Dessen Tage in Löhnhorst sind bekanntlich gezählt.

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