Björn Renz, Sprecher der Neuapostolischen Kirche, im Gespräch

„Es gibt keinerlei Druck“

Mit Björn Renz, dem Sprecher der Neuapostolischen Kirche in Norddeutschland, sprach Christina Denker über die Vorwürfe von Aussteigern.
26.03.2013, 05:00
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„Es gibt keinerlei Druck“

Kirchen-Sprecher Björn Renz .

Fr

Mit Björn Renz, dem Sprecher der Neuapostolischen Kirche in Norddeutschland, sprach Christina Denker über die Vorwürfe von Aussteigern.

Herr Renz, die Neuapostolische Kirche wird immer wieder als autoritäre Glaubensgemeinschaft mit strengen Regeln dargestellt. Wird es nach wie vor nicht gern gesehen, wenn Jugendliche Kinos, Diskotheken oder öffentliche Tanzveranstaltungen besuchen? Björn Renz:

Diese Zeiten sind lange vorbei. Seit 1984 herrscht in der Neuapostolischen Kirche weltweit offiziell das Prinzip der Eigenverantwortung vor. Auch in unserem kürzlich veröffentlichten Katechismus kann jeder nachlesen, dass die private Lebensführung weder kontrolliert noch sanktioniert wird.

Können Sie nachvollziehen, dass es Mitglieder gibt, die wegen großen Drucks aussteigen möchten?

Wir bringen allen Mitgliedern hohe Wertschätzung entgegen und wünschen jedem Mitglied, in unseren Gemeinden Geborgenheit und Heimat zu finden. Dafür ist die Neuapostolische Kirche nach repräsentativen Untersuchungen übrigens bekannt. Von offizieller Seite gibt es keinerlei Druck auf Mitglieder. In den einzelnen Gemeinden gibt es wie überall Sympathien und Antipathien. Gewollt ist das nicht.

Wie geht die Neuapostolische Kirche mit Aussteigern um?

Verständnisvoll und tolerant. Stammapostel Wilhelm Leber (geistliches Oberhaupt und internationaler Kirchenpräsident) und andere kirchenleitende Amtsträger betonen häufig, dass sich bei uns jeder wohlfühlen möge und dass eine gewisse Bandbreite unabhängigen, emanzipierten Handelns möglich ist. Wer sich dennoch dazu entschließt, aus der Kirche auszutreten – die Zahlen sind übrigens gering – kann dies ganz unkompliziert tun.

Warum glaubt die Neuapostolische Kirche an einen Gott, der Bedingungen stellt und den Menschen nicht so annimmt, wie er ist?

Wir glauben an einen liebenden Gott, Vater-Sohn-Heiliger Geist. Gott ist kein strafender Gott, er ist Liebe. So verkündigen wir ihn.

Ist die neuapostolische Kirche eine Sekte?

Nein, es gibt vielfältige Belege dafür, dass die Neuapostolische Kirche keine Sekte ist. Nach unserem Selbstbild wollen wir eine Kirche sein, in der sich Menschen wohl fühlen und – vom Heiligen Geist und der Liebe zu Gott erfüllt – ihr Leben nach dem Evangelium Jesu Christi ausrichten und sich so auf sein Wiederkommen und das ewige Leben vorbereiten.

Sind Gotteskinder im Vergleich zu Weltkindern privilegiert? Wenn ja, inwiefern?

Nein, wir kennen keine Privilegien. Endgültiges Heil können alle Menschen erreichen. Gotteskinder ist übrigens ein theologischer Begriff, kein soziologischer. Sein Pendant ist nicht Weltkinder.

Wie steht die Neuapostolische Kirche dem Vorwurf von vielen Aussteigern gegenüber, ihnen Kindheit, Jugend und Reife genommen zu haben?

Wir haben etliche Gespräche mit ehemaligen Mitgliedern geführt und unsere Erfahrung ist, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Motive für ihren Austritt haben. Wir wollen ihnen deshalb auch individuell begegnen – was geschieht.

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