Interview über die "Seute Deern"

„Es ist Gefahr im Verzug“

Die Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DMS), Sunhild Kleingärtner, erklärt, warum das Museum die Bergungskosten für die „Seute Deern“ nicht selbst bereitstellen kann.
11.09.2019, 19:59
Lesedauer: 2 Min
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„Es ist Gefahr im Verzug“
Von Marc Hagedorn
„Es ist Gefahr im Verzug“

Die Bergung des Bremerhavener Wahrzeichens kostet 1,1 Millionen Euro.

Carmen Jaspersen/dpa

Frau Kleingärtner, wie geht es Ihnen, wenn Sie die „Seute Deern“ im Moment sehen?

Sunhild Kleingärtner: Ich bedaure sehr, dass die „Seute Deern“ auf Grund liegt. Es war ein Schock, als sie zu Jahresbeginn gebrannt hat. Dann waren wir hoffnungsfroh, als 1,4 Millionen Euro für die Planung der Sanierung zur Verfügung gestellt wurden. Und nun kam der nächste Schock mit dem Wassereinbruch.

Die Politik hat 1,1 Millionen Euro für die Bergung in Aussicht gestellt. An diesem Donnerstag tagt der Wissenschaftsausschuss dazu. Wie wichtig ist es, dass das Geld jetzt auch tatsächlich freigegeben wird?

Es ist seit dem Sinken Gefahr im Verzug. Das Schiff ist instabil und muss unbedingt so schnell wie möglich in einen sicheren schwimmfähigen Zustand gebracht werden.

Erforschung von Hinterlassenschaften aus Kriegszeiten

"Das Schiff ist instabil und muss unbedingt so schnell wie möglich in einen sicheren schwimmfähigen Zustand gebracht werden", sagt Sunhild Kleingärtner.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Warum trägt das DSM die Kosten nicht selbst?

Weil wir das Geld nicht haben. Unsere Mittel sind zweckgebunden. Man muss wissen, dass wir als Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft einen ganz bestimmten Auftrag haben, um Geld vom Bund und den 16 Ländern zu bekommen. Das Museum wird vom Bundesforschungsministerium gefördert, und zwar dafür, dass wir exzellente Forschung betreiben. Indem wir das tun, sichern wir den Standort und die Arbeitsplätze am DSM. Das Geld für den Erhalt der Schiffe kommt aus einem anderen Topf, von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien.

Aber das ist nicht genug?

Der Museumshafen ist seit den 70er-Jahren dauerhaft unterfinanziert. So lange schon reichen die Mittel nicht aus. Das ist ein strukturelles Problem. Wir sind dankbar für jegliche Mittel, die eingeworben werden konnten.

2017 hat das DSM 42 Millionen Euro bekommen. Was ist mit dem Geld passiert?

Wir haben das Geld bekommen, um das Haus zu sanieren. Wir gestalten die Ausstellung neu, wir bauen das Forschungsdepot. Ich kann nicht einfach querfinanzieren und sagen: Jetzt nehmen wir eine Million für die Bergung. Wie gesagt, das Geld ist zweckgebunden.

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Was sagen Sie zum Vorwurf, nicht genug für den Museumshafen getan zu haben?

Ich bin erst seit 2013 an Bord. Wir tun im Rahmen unserer finanziellen und personellen Rahmenbedingungen, was möglich ist. Wir haben eine kleine Mannschaft, die im Museumshafen die notwendigen Instandhaltungsarbeiten macht. Aber diese Ausbesserungsmaßnahmen reichen einfach nicht.

Heißt: Sie brauchen eine große Lösung?

Wir brauchen eine dauerhafte Finanzierung für den Museumshafen, ja. Und dafür brauchen wir die Hilfe der Politik. Wir haben jetzt ein Gutachten ausgeschrieben. Wir wollen Zahlen darüber, was es kostet, die acht Schiffe zu sanieren und sie dauerhaft zu bewahren.

Das Gespräch führte Marc Hagedorn.

Info

Zur Person

Sunhild Kleingärtner

ist seit 2013 Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM). Sie hat in Kiel promoviert. Sie ist Professorin für Schifffahrtsgeschichte und Maritime Archäologie an der Universität Bremen.

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