Wenn das Geld nicht reicht- Heute: Förderverein für das Freibad Blumenthal

"Es ist immer gekämpft worden"

Der Name ist sperrig: Verein zur Förderung des Sport- und Freizeitbad Blumenthal. Auf "es" als Bestandteil der korrekten Grammatik beim Wort Freizeitbad wurde verzichtet - gegen den Willen des Vorsitzenden Volker Schlätzer. Name hin, Name her. Nicht die Verpackung zählt, sondern der Inhalt. Die rund 200 Mitglieder des Fördervereins setzen sich dafür ein, dass die Blumenthaler ein Freibad haben. Das geschieht mit körperlichem und finanziellem Einsatz. Zahlreiche Sponsoren unterstützen den Förderverein.
30.12.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sylvia Wörmke

Der Name ist sperrig: Verein zur Förderung des Sport- und Freizeitbad Blumenthal. Auf "es" als Bestandteil der korrekten Grammatik beim Wort Freizeitbad wurde verzichtet - gegen den Willen des Vorsitzenden Volker Schlätzer. Name hin, Name her. Nicht die Verpackung zählt, sondern der Inhalt. Die rund 200 Mitglieder des Fördervereins setzen sich dafür ein, dass die Blumenthaler ein Freibad haben. Das geschieht mit körperlichem und finanziellem Einsatz. Zahlreiche Sponsoren unterstützen den Förderverein.

Blumenthal. Der Förderverein hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Als Kuratorium gab es ihn schon in den 1950-er Jahren. Volker Behringer, im Verein für Werbung und Veranstaltungen zuständig, fasst zusammen: "Es wurde immer gekämpft." Zuerst ging es darum, dass überhaupt ein Bad in Blumenthal gebaut wird. Dafür setzten sich Blumenthaler vehement ein. Am 1. August 1969 war es soweit. "Über 10 000 Menschen waren an dem Wochenende bei der Einweihung", erzählt Behringer. Die Mitglieder des Kuratoriums unterstützten die Einrichtung weiter mit Verschönerungsmaßnahmen oder anderen Zuwendungen.

Anfang der 1990-er Jahre wollte die Stadt Bremen das Freibad aus Kostengründen schließen. Dagegen gab es massiven Widerstand. Bevölkerung und Kuratorium, zu den Mitgliedern gehörten Claus Peters und Karl Lüneburg, "kämpften für den Erhalt". Politisch wurde dann laut Behringer bestimmt, dass die Einrichtung weiter betrieben wird, unter der Regie eines Vereins. Die Stadt war raus aus dem Thema, zahlte aber für den Betrieb. "Das war aber immer knapp bemessen."

Der Verein war nun also zuständig für das Freibad, musste sich um alles kümmern. Wenn das Geld nicht ausreichte, erzählt Volker Schlätzer, seit 2007 Vorsitzender des Fördervereins, sprangen immer die Mitglieder ein und Firmeninhaber schickten auch ihre Mitarbeiter zum Einsatz ins Bad. Bei aller Hege und Pflege, auch Maschinen werden älter und irgendwann muss es Neuanschaffungen geben. Die kosten Geld. 2006 dann Insolvenz. Das Aus des Freibades schien gewiss.

Im Frühjahr 2007 kam es aber im Bürgerhaus Vegesack zu einer Zusammenkunft von Vereinsmitgliedern, die in dem Satz gipfelte: "Wir machen das!" Das war laut Schlätzer die Geburtsstunde des neuen Fördervereins: Der sperrige Name sei gewählt worden, um sich vom Vorgängerverein abzugrenzen. Einziger Zweck: "Erhaltung des Freibades Blumenthal."

Bürger gehen auf die Barrikaden

Es wurde in die Hände gespuckt und losgelegt. 12 bis 14 Stunden am Stück wurde teilweise an Leitungen gewerkelt. Die Mitglieder arbeiteten hart, hatten Ärger mit Gläubigern, denen der Vorgängerverein Geld schuldete. "Ich weiß nicht mehr, wie es uns gelungen ist, das marode Bad wieder zu eröffnen", staunt Schlätzer rückblickend immer noch. Es klappte, alles lief auch gut. Dann aber kam wieder eine Hiobsbotschaft. Ende 2008 wollte die Stadt das Bad endgültig schließen und dort eine Freizeitlandschaft anlegen.Wieder gingen die Blumenthaler auf die Barrikaden - erfolgreich. Das Bad wurde nicht geschlossen, die Stadt gab sogar zwei Millionen Euro für Umbau und Modernisierung. Mit einer neuen Konzeption ging es weiter.

Die Gesellschaft Bremer Bäder betreibt nun das Blumenthaler Bad und wird vom Förderverein kräftig mit Geld und Arbeitsstunden unterstützt. Die Vereinsmitgliedern sind unter anderem fürs Mähen der Grünflächen zuständig, ein weibliches Vereinsmitglied betreut liebevoll die Rosen, und der Kiosk wird auch vom Förderverein betrieben. Er finanziert Verschönerungen, bezahlt Liegestühle oder Bänke und demnächst muss richtig viel Geld aufgetrieben werden. Ein Trakt muss saniert werden, in dem die Maschinen zur Grünpflege stehen. Schlätzer schätzt, dass 50 000 Euro benötigt werden.

Der Förderverein hat keinen Einfluss auf die Eintrittspreise, hat aber zum Beispiel 2011 mit Hilfe des Lions-Clubs Bremer Schweiz dafür gesorgt, dass 500 Freikarten an bedürftige Familien verteilt wurden. "Wir wollen das Bad behalten und dass es angenommen wird. Ohne Besucher laufen wir wieder an die Kante", sagt Schlätzer. Er wünscht sich auch, dass noch mehr Schulen und Kitas das Bad nutzen.

Das Kooperationsmodell Gesellschaft Bremer Bäder und Förderverein ist einzigartig in Bremen, und die Zusammenarbeit läuft nach Auskunft der beiden Vorstandsmitglieder sehr gut. Man ist froh und glücklich, nicht mehr allein die Verantwortung für das Bad zu haben. "Der Sommer war eine Katastrophe. Das wäre finanziell ein Riesenloch für uns gewesen", sagt der Vereinsvorsitzende.

Verein zur Förderung des Sport- und Freizeitbad Blumenthal. Kontakt: Volker Schlätzer, Telefon 0421 / 682221, Spendenkonto 80698053 bei der Sparkasse Bremen, Bankleitzahl: 29050101.

Fördervereine mit ehrenamtlichen Mitgliedern, die für einen gemeinnützigen Zweck Zeit investieren, nehmen einen wichtigen Platz in unserer Gesellschaft ein. Sie unterstützen, wenn die öffentliche Förderung für eine Institution oder Einrichtung zu knapp ausfällt. Fördervereine sammeln privates Geld für Spielgeräte, Projekte oder Klassenfahrten. Sie sorgen dafür, dass Parks verschönert, Schwimmbäder erhalten oder Museen gegründet werden. Der Hauptzweck ist, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen, Verbindungen zu Sponsoren zu knüpfen und Spenden aufzutreiben. In loser Folge stellen wir in unserer neuen Reihe "Wenn das Geld nicht reicht" Fördervereine, ihre Aufgaben und die Menschen vor, die dahinter stehen.

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