Offizielle Saisoneröffnung verschoben

Der Spargel ziert sich noch

Eigentlich hätte die Spargelsaison am Donnerstag offiziell eröffnet werden sollen. Aber zurzeit sorgt das Wetter dafür, dass die Ernte nur sehr schleppend anläuft. Auch Corona beschäftigt die Branche weiterhin.
11.04.2021, 05:00
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Der Spargel ziert sich noch
Von Marc Hagedorn
Der Spargel ziert sich noch

Die ersten Spargelspitzen schauen inzwischen aus dem Erddamm. Mit Heizschleifen im Boden helfen manche Spargelbauern nach. Zwölf Grad ist die ideale Temperatur für die Stangen, um wachsen zu können.

Jörg Carstensen/dpa

Die offizielle Eröffnung der Spargelsaison ist immer eine große Sache. Zu diesem Anlass kommen Minister, Landräte und Branchenvertreter zusammen, es wird geredet, gegessen und auf die neue Saison angestoßen. Gern sticht bei dieser Gelegenheit Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast sogar den ersten Spargel selbst.

Im vergangenen Jahr verhinderte Corona die Zeremonie, und auch in diesem Jahr fällt der feierliche Auftakt aus. Schuld ist dieses Mal – neben Corona – das Wetter. „Es ist zu kalt“, sagt Fred Eickhorst, Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen. Die ursprünglich für vergangenen Donnerstag geplante Saisoneröffnung ist in die kommende Woche verschoben worden und findet ganz bescheiden statt. Per Pressemitteilung wird dann der Saisonstart für Niedersachsen verkündet.

Spargel mag keine Kälte

Der Spargel ist vielerorts noch nicht so weit wie gedacht, er versteckt sich noch in der Erde. Vor zwei Wochen hatten die Spargelbauern damit nicht unbedingt rechnen können. Da schien die Sonne, und die Temperaturen waren in manchen Gegenden auf über 20 Grad geklettert. Was folgte, war jedoch ein Temperatursturz runter bis null Grad und nachts manchmal noch tiefer. „Das mag der Spargel nicht so gern“, sagt Hajo Kaemena, Spargelbauer aus Oberneuland, „aber die ersten Spitzen schauen inzwischen aus dem Damm.“ Er geht davon aus, dass er Mitte nächster Woche mit dem Verkauf des ersten frischen Spargels beginnen kann.

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Längst begonnen mit der Ernte und Vermarktung hat dagegen Niedersachsens größter Spargelbauer, der Hof Thiermann aus Kirchdorf im Landkreis Diepholz. 200 Erntehelfer aus Polen und Rumänien sind schon im Einsatz, bis zu 500 Saisonarbeiter könnte das Unternehmen coronakonform in den werkseigenen Wohnungen unterbringen.

Thiermann gehört seit Jahren zu den Anbietern, die stets früher dran sind als die meisten Konkurrenten. Dafür sorgt ein ausgeklügeltes System. Heizschleifen im Boden, gespeist mit der Wärme aus dem firmeneigenen Blockheizkraftwerk, sorgen für eine Temperatur von zwölf Grad, die ideale Temperatur für den Spargel, um wachsen zu können. Bei Umweltschützern ist die Methode umstritten. Die Kundschaft scheint damit kein Problem zu haben. „Die Nachfrage ist gut“, sagt Firmensprecherin Anke Meyer. Die Bereitschaft, wie im Moment 15 Euro pro Kilo für die erste Sorte oder 13 Euro für die zweite Wahl zu zahlen, ist bei einem Teil der Kundschaft vorhanden.

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Zwar werden die Preise deutlich fallen, wenn in Kürze die Ernte auf vollen Touren läuft und der Spargel massenweise auf den Markt kommt. Aber ein bisschen teurer als sonst könnte das Kilo trotzdem werden. Das jedenfalls würden sich die Bauern wünschen, denn sie haben wegen Corona höhere Kosten zu stemmen. Pandemiepläne und Hygienekonzepte gibt es nicht zum Nulltarif. „Ich muss Ausweichquartiere vorhalten, sollte ein Arbeiter positiv getestet werden“, sagt Spargelbauer Kaemena. Außerdem hat er Schnelltests eingekauft. In Landkreisen wie Vechta oder Cloppenburg sind teure, wöchentliche PCR-Tests verpflichtend.

Mindestlohn für Arbeiter

Im internationalen Vergleich zahlen Deutschlands Produzenten ihren Arbeitern mit dem Mindestlohn überdies gutes Geld. „Und da der Spargelpreis sehr von den Personalkosten bestimmt wird, schlägt sich das nieder“, sagt Kaemena. Trotzdem bleibt Spargel beliebt. Niedersachsen ist nach wie vor das Spargelland Nummer eins in Deutschland. Daran hat auch Corona nichts geändert. Immer noch kommt jede fünfte Stange aus Niedersachsen, 26.000 Tonnen waren es laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr, nur fünf Prozent weniger als 2019.

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Für dieses Jahr rechnet die Branche erneut mit einer etwas geringeren Ernte als 2019. Grund hierfür ist aber nicht das Wetter, sondern wie 2020 der Lockdown. „Spargel, der sonst in die Gastronomie geht, wird nicht gestochen“, sagt Eickhorst. Die Gastronomie gehört zu den Großabnehmern, um die 20 Prozent macht ihr Anteil aus. Zwar ist der Verkauf direkt ab Hof gestiegen, weil offenbar viele Menschen mehr Zeit und Muße haben, um regionalen Spargel selbst zu kochen, „aber das kompensiert den Ausfall durch die Restaurants und Lokale nicht eins-zu-eins“, so Eickhorst.

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Etwas weniger nervenaufreibend als im Vorjahr gestaltet sich bisher das Anwerben der Saisonarbeiter. Wochenlang durften Erntehelfer aus Rumänien, Polen und der Ukraine im vergangenen Jahr wegen Corona nicht nach Deutschland einreisen. Wochenlang wussten die Betriebe nicht, wie viel Spargel sie würden ernten können. Einreiseverbote gibt es derzeit nicht. Aber ein bisschen besorgt schaut Bauer Kaemena gerade auf die steigenden Infektionszahlen in Polen. Zwischen 15 und 18 Helfer aus dem Nachbarland beschäftigt er in Spitzenzeiten im Mai, wenn auch die Erdbeeren geerntet werden. Sollten die Inzidenzwerte jetzt weiter steigen, müsste er die Arbeiter früher als geplant herholen.

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