Im Aktionsbündnis Menschenrecht auf Wohnen ist die Enttäuschung groß über den beschlossenen Abriss der Schlichtbauquartiere

„Es wird über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden“

Bremen. „ Zwei Drittel der geförderten Wohnungen, die gebaut werden sollten, sind nicht fertig“, hat Joachim Barloschky, der Sprecher des „Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen“, auf der öffentlichen Versammlung des Bündnisses im Konsul-Hackfeld-Haus an der Birkenstraße gesagt. Von 2012 bis Ende 2016 seien 2500 Wohnungen in Bremen gebaut worden, jedoch weniger als 400 Wohnungen davon als geförderte Sozialwohnungen.
10.04.2017, 00:00
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Von Matthias Holthaus

Bremen. „ Zwei Drittel der geförderten Wohnungen, die gebaut werden sollten, sind nicht fertig“, hat Joachim Barloschky, der Sprecher des „Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen“, auf der öffentlichen Versammlung des Bündnisses im Konsul-Hackfeld-Haus an der Birkenstraße gesagt. Von 2012 bis Ende 2016 seien 2500 Wohnungen in Bremen gebaut worden, jedoch weniger als 400 Wohnungen davon als geförderte Sozialwohnungen. Für Joachim Barloschky ist klar: „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Auch der am 7. März von der Bürgerschaft gefasste Beschluss zum Abriss der Schlichtbauquartiere Am Sacksdamm/Alte Landwehr in Sebaldsbrück, Reihersiedlung in Oslebshausen und Holsteiner Straße in Walle durch die Wohnungsbaugesellschaft „Vonovia“ war Thema auf der Versammlung. Viele der mehr als 20 Männer und Frauen im Saal waren an diesem Tag auch als Gasthörer im Parlament gewesen und äußerten sich enttäuscht: „Ich habe gedacht, dass die Redner der Bürgerschaft nur für die Vonovia gesprochen haben“, sagte ein Akteur des Bündnisses. „Sehr erschreckend, wie über die Köpfe von Menschen hinweg in der Politik entschieden wird“, war der Eindruck einer anderen Zuhörerin. „Diese Sitzung hat gezeigt, dass es in Bremen das Grundrecht auf Wohnen nicht gibt“, meinte eine weitere Frau.

Die parallel zur Bürgerschaftssitzung vom Aktionsbündnis geleitete Demonstration wurde jedoch als Erfolg gewertet. „Ich fand es gut, dass die Aktion stattgefunden hat. Das finden doch viele Menschen in der Stadt an uns gut: dass wir nicht alles so einfach hinnehmen“, sagte Joachim Barloschky. Für ihn ist der Beschluss eine Blamage für die Politik und für die Vonovia: „Es geht immer nur um Geld, Geld, Geld – das ist ein Skandal!“ Eine „oberpeinliche“ Nummer sei das, dass die Vonovia nie direkt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gesprochen habe. Wobei sich die Vonovia inzwischen gesprächsbereit zeigt – für den Sprecher des Bündnisses ein gutes Zeichen. Er betonte noch einmal: „Wir als Aktionsbündnis sind nicht direkt, dafür aber moralisch betroffen. Wir sind solidarisch an der Seite der Bewohnerinnen und Bewohner der Schlichtbauquartiere.“

Gesondert äußerten sich die Anwesenden des Aktionsbündnisses gegen den von ihnen empfundenen Versuch, Flüchtlinge, Obdachlose und Wohnungssuchende gegeneinander auszuspielen. Ein Mann, der sich beruflich unter anderem mit der Wohnsituation von Flüchtlingen befasst, sagte dazu: „Ich finde es gut, dass sich Geflüchtete und von Wohnungsnot Betroffene nicht auseinanderdividieren lassen.“ Anschließend schilderte er die Situation der Flüchtlinge: „Große Wohnungen sind Mangelware in Bremen, und jetzt ziehen die Familien nach. Sie müssen mitunter mit sieben, acht Personen in Zweizimmer-Wohnungen leben.“ Es sehe so aus, dass deshalb Familien auf Jahre hinaus in den Übergangswohnheimen bleiben müssten: „Doch das kann nicht auf Dauer so sein, aber wenn es keine Wohnungen gibt, wird das wohl erst einmal die Lösung sein.“

Das nächste öffentliche Treffen des Aktionsbündnisses Menschenrecht auf Wohnen ist am Montag, 8. Mai, um 17 Uhr im Konsul-Hackfeld-Haus, Birkenstraße 34. Dann gibt es unter anderem einen Bericht der Gewoba über Bauaktivitäten in Bremen.
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