Aktion der Bremer Suppenengel Essen für alle auf dem Bahnhofsvorplatz

Menschen mit unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründen zusammenbringen, das will die Aktion "Offenes Essen für alle", zu der die Bremer Suppenengel am Montag geladen hatten.
06.07.2015, 20:05
Lesedauer: 2 Min
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Essen für alle auf dem Bahnhofsvorplatz
Von Jan Oppel

Um Jan-Philipp Iwersen dampft und brutzelt es. Mit einem riesigen Rührlöffel rührt der Koch in einer noch größeren Pfanne. einem Berg aus angebratenenen Zwiebeln und Hühnerfleisch. Es duftet nach asiatischen Gewürzen. „Thai Curry“, erklärt der Koch knapp. Normalerweise steht er am Herd des Restaurants „Küche 13“ im Bremer Viertel. An diesem Tag steht Iwersen in einer Feldküche auf dem Bahnhofsvorplatz.

Unter dem Motto „Brücken bauen“ fand hier am Montag das „Offene Essen für alle“ statt. Bereits zum vierten Mal wurde auf Initiative des Vereins Bremer Suppenengel allen Besuchern eine kostenlose Mahlzeit angeboten.

Die Idee stammt aus der internationalen Bewegung „Community Dinners“ (Gemeinschafts-Essen“). Die Aktion soll Menschen mit unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründen zusammen an einen Tisch bringen.

„Beim Essen ist es für unsere Kunden einfacher, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen“, meint Peter Valtink, Geschäftsführer der Bremer Suppenengel. In ihrem Alltag seien viele von ihnen sozial isoliert. Kunden, so bezeichnet Valtink die Odachlosen und Bedürftigen, die sein Verein an vier Tagen in der Woche mit kostenlosen Mahlzeiten versorgt. Meistens gibt es Suppe und Salat. Heute gibt es Curry.

Rund 400 Essen gehen über den Tresen

„Für unsere Leute ein absolutes Highlight“, meint Valting. Die Zutaten dafür stammen aus Lebensmittel-Spenden. Schon zu Beginn der Aktion ist der Bahnhofsvorplatz gut gefüllt. Als Sozialsenatorin Anja Stahmann ihre Eröffnungsrede hält, sitzen bereits rund 150 Besucher in kleinen Gruppen an den Bierzeltgarnituren. Obdachlose, Rentner, Passanten, Touristen – das Publikum ist bunt gemischt.

Koch Iwersen ist von der Aktion überzeugt. „Als ich angefragt wurde hier zu kochen, habe ich sofort Ja gesagt“, erklärt er. Im Lager der Suppenengel habe er geschaut, was er aus den vorhandenen Lebensmitteln zubereiten könne. In diesem Jahr gehörte ein Importeur von asiatischen Lebensmitteln zu den Spendern. Daher fiel die Wahl auf das thailändische Gericht. Die größte Herausforderung sei es jetzt, alle Essen in der kleinen Feldküche auf den Punkt zuzubereiten, sagt er noch fährt mit dem Pfannenwender erneut durch das angebratene Fleisch.

Rund 400 Essen werden an diesem Tag über den Tresen gehen. Damit alles gelingt, steht Iwersen Feldkoch Carsten Sodke zur Seite. Wie die Gulaschkanone kommt kommt auch er vom Bremer Reservistenverband. Rund um die Feldküche schnibbelt ein Dutzend Ehrenamtliche Gemüse im Akkord: Blumenkohl, grüne Bohnen, Frühlingszwiebeln und Tomaten.

„Jeder kann in diese Lage kommen"

Manfred Ingenwerth sitzt auf einer Bierbank und beobachtet das Treiben. Der Pilger aus Bad Kreuzach ist auf der Heimreise. Früher habe er als Matrose die ganze Welt bereist, sagt er und klopft Tabak aus seiner Maiskolbenpfeife. Heute könne er kaum von seiner Rente leben. „Deshalb sind die Tafeln und Veranstaltungen wie diese enorm wichtig“, findet Ingenwerth. „Das hält das soziale Gefüge zusammen.“

Neben dem Pilger sitzt Magret Wiese. Sie selbst könne zwar gut von ihrem Einkommen leben, sagt die Rentnerin aus Huchting. In ihrem Viertel sehe sie aber täglich Menschen, bei denen das Geld kaum zum Überleben reiche. „Schlimm ist das“, sagt sie kopfschüttelnd. Da sei es wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich zu unterstützen: „Schließlich kann jeder von uns einmal in diese Lage kommen.“

In der Feldküche bruzelt neben dem Curry ein Mammutportion Gulasch in der Pfanne. Der Geruch lockt immer mehr Menschen auf den Bahnhofsvorplatz. Suppenengel-Chef Valting nickt zufrieden. Im Alltag würden die Passanten seine Kunden meiden, sagt er. „Heute erfahren sie eine Wertschätzung.“

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