Junge Bremerinnen sammeln Erfahrungen

Neue Kontakte in Europa für Bremer Schulabgänger

Nele Lottermoser, Marit Röpke und Amelie Pauly arbeiten ein Jahr im Ausland, knüpfen durch ihre Teilnahme am Europäischen Freiwilligendienst neue Kontakte und sammeln wertvolle Erfahrungen.
20.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Neue Kontakte in Europa für Bremer Schulabgänger
Von Frauke Fischer
Neue Kontakte in Europa für Bremer Schulabgänger

Amelie Pauly (links) ist zurzeit in Frankreich und arbeitet dort als Freiwillige mit vielen jungen Menschen zusammen.

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Kein „Work and Travel“ in Australien, keine Reise mit Stopps durch die USA oder Kanada - für junge Menschen ist es derzeit kaum möglich, internationale Verbindungen zu knüpfen. Aber die Pandemie führt auch dazu, dass sich vor allem auch junge Leute mehr auf ihre Nachbarländer besinnen und dort Kontakte knüpfen, wenn die Bestimmungen es zulassen.

So leben drei junge Frauen aus Bremen jetzt für ein Jahr lang in Frankreich, in den Niederlanden und in Luxemburg. Sie nehmen am Europäischen Sozialen Freiwilligendienst (EFD) teil. Die Plätze hat ihnen der Soziale Friedensdienst (SFD) Bremen vermittelt.

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Nele Lottermoser, Marit Röpke und Amelie Pauly wollten nach ihrer Schulzeit Menschen in anderen Ländern treffen, die Bräuche dort, vielleicht Ähnlichkeiten, aber auch kulturelle Abweichungen kennenlernen. Dafür suchten die jungen Frauen Programme und Projekte in Staaten aus, für die sie sich interessieren und die Möglichkeiten für längere Aufenthalte bieten.

Meistens wohnen die Projektteilnehmerinnen im Gastland in Wohngemeinschaften. Nele Lottermoser zum Beispiel arbeitet zurzeit in einer Schule im niederländischen Brabant. Das E-Bike, mit dem sie zu ihrem Arbeitsplatz fahren kann, ist Teil des Arbeitsvertrages, berichtet die 19-Jährige. „In die Niederlande wollte ich gerne, weil mein Vater Niederländer ist. Leider sind meine Schwester und ich aber nicht wirklich zweisprachig aufgewachsen. Das fand ich immer sehr ärgerlich und dachte, dass der Austausch eine sehr gute Möglichkeit wäre, dieses Versäumnis nachzuholen.“

Marit Röpke ist ebenfalls 19 Jahre alt und Bremerin. „Zum ersten Mal habe ich mit 15 auf einem Frankreich-Austausch vom EFD/ESC gehört, als eine Teamerin davon erzählte“, sagt sie. Sie wollte nach dem Abi nicht sofort studieren oder eine Ausbildung beginnen. Auf das Projekt, in dem sie nun arbeitet, ist sie zufällig gestoßen.

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„Seit September arbeite ich bei einer Menschenrechtsorganisation in Luxemburg, die sich für Menschen in Armut einsetzt“, schildert sie. Wegen der Pandemie sei es lange unsicher gewesen, ob sie am Programm würde teilnehmen können, „aber zum Glück war die Lage im Sommer stabil genug“. Nun plant Marit Röpke mit Kollegen die Aktivitäten der Jugendgruppe. „Auch arbeite ich an einem Film, den die Jugendgruppe zum 40. Jahrestag meiner Organisation in Luxemburg dreht.“ Sie gehe an Schulen, gebe Workshops, um für Armut zu sensibilisieren, und mache Öffentlichkeitsarbeit, berichtet die Bremerin.

„Bevor ich nach Luxemburg kam, wusste ich nicht genau, was mich eigentlich erwartet“, gesteht Marit Röpke, „tatsächlich habe ich hier viele Freiräume.“ Sie könne viele eigene Ideen einbringen und an eigenen Projekten arbeiten. „Das habe ich nicht erwartet“, erzählt sie.

Mit den anderen im Team, das aus fünf Personen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen besteht, und den Menschen auf der Straße wechsele sie zwischen verschiedenen Sprachen. Im ihrem Umfeld wird Luxemburgisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch, Englisch und Deutsch gesprochen.

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EFD-Teilnehmerin Amelie Pauly kann eine solche Auslandserfahrung nur empfehlen. „Ich habe 2020 mein Abitur geschrieben“, teilt sie aus Frankreich mit. Und sie wollte danach erst einmal „auf viele neue Menschen“ treffen.

Diese Wünsche hätten sich mehr als erfüllt, berichtet Amelie Pauly. „Außer Französisch mit den Einheimischen sprechen wir unter den Freiwilligen auch viel Englisch, dazu kommen kleine Sprachfetzen aus dem internationalen Alltag, zum Beispiel Rumänisch“, sagt sie. Einige Klischees über ihr Gastland – wie den enormem Baguettekonsum – könne sie bestätigen. „Für mich hat sich mit dem Umzug, der gleichzeitig auch den Auszug von Zuhause bedeutete, vieles verändert. Von heute auf morgen war ich für meinen eigenen Alltag verantwortlich. Neben Dingenw ie den Einkaufsplänen, Geschirr abwaschen und den Tag strukturieren kommen im Ausland noch eine neue Sprache und kulturelle Unterschiede dazu. Das ist im Großen und Ganzen ein Sprung ins kalte Wasser, der sich aber schon nach kurzer Zeit auszahlt.“

Die Eltern der EFD-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer erhalten für die Auslandszeit ihrer Kinder weiter Kindergeld, informiert Regina Munzel. Sie gehört zu den Ansprechpartnerinnen beim Sozialen Friedensdienst, die den jungen Leuten zur Seite stehen. Der Dienst kümmert sich um die Vorbereitung des Aufenthalts, liefert Informationen, befasst sich mit Erwartungen und Befürchtungen der jungen Menschen.

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Der SFD hilft nach Munzels Auskunft den Schulabgängerinnen und anderen aus der Region mit vorbereitenden Seminaren und Treffen, die Aufenthalte gut zu strukturieren. Manche seien zuvor noch nie fern von der Familie gewesen, weiß die Fachkraft, es komme auch mal Heimweh auf. Aber so unterschiedlich die Ideen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Programme auch sein mögen, so sehr eint sie der Wunsch, das gewohnte Umfeld für ein Jahr zu verlassen.

Die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind nach Regina Munzels Erfahrung meistens die Jüngsten im Programm, weil sie sehr oft direkt nach der Schule ins Ausland gehen. Aus anderen europäischen Ländern seien vielfach ältere Freiwillige bis 30 Jahre dabei. Das ist das Höchstalter. Am Ende der Programme gibt es, wie Regina Munzel berichtet, Kompetenz-Nachweise.

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