Verkehrsentwicklungsplan 2025 geht in dritte Beteiligungsrunde / Bürger von Planern schon jetzt enttäuscht Experten empfehlen Bahn bis Oslebshausen

Den Autoverkehr optimieren, den öffentlichen Nahverkehr fördern, den Fuß- und Radverkehr stärken oder den Umweltverbund – also Fuß-, Rad- und öffentlichen Nahverkehr zusammen – verbessern: Welches ist der richtige Weg für Bremen? Aus mehr als 300 von Bürgern und Beiräten vorgeschlagenen Maßnahmen haben nun Experten 160 ausgewählt, deren Realisierung sie empfehlen. Im Nachbarschaftshaus Helene Kaisen wurden die Ergebnisse vorgestellt – und manch Bürger sieht die Sache ganz anders als die Planer.
27.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Den Autoverkehr optimieren, den öffentlichen Nahverkehr fördern, den Fuß- und Radverkehr stärken oder den Umweltverbund – also Fuß-, Rad- und öffentlichen Nahverkehr zusammen – verbessern: Welches ist der richtige Weg für Bremen? Aus mehr als 300 von Bürgern und Beiräten vorgeschlagenen Maßnahmen haben nun Experten 160 ausgewählt, deren Realisierung sie empfehlen. Im Nachbarschaftshaus Helene Kaisen wurden die Ergebnisse vorgestellt – und manch Bürger sieht die Sache ganz anders als die Planer.

Die dritte Runde in Sachen Bürgerbeteiligung zum Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2025 hat begonnen. Zur Erinnerung: Dieses Papier, an dem bereits seit dem Sommer 2012 gefeilt wird, soll die Richtung dafür vorgeben, wie sich der Verkehr in Bremen in den kommenden Jahren entwickelt.

Nachdem bereits die anzustrebenden Ziele festgelegt, der tatsächliche Ist-Zustand auf den Straßen betrachtet und fünf Testszenarien entwickelt wurden, geht es jetzt um die konkreten Einzelmaßnahmen, die in das so genannte Zielszenario aufgenommen und damit tatsächlich realisiert werden sollen – so am Ende die dafür notwendigen Mittel beschafft werden können, unter anderem vom Bund.

Doch das soll vorerst nicht das Thema sein – zunächst gehe es darum zu entscheiden, was überhaupt gemacht werden solle, betonte Jan Bembennek aus der Verkehrsbehörde.

Enttäuschung ist groß

Auf der „VEP-Wunschliste“ der Menschen im Bremer Westen – dieser Bereich umfasst das Blockland, Findorff, Gröpelingen und Walle – standen zum Beispiel eine Straßenbahn für Findorff, S-Bahn-Haltepunkte in Gröpelingen und Findorff, die Verlängerung der Straßenbahnlinie von Gröpelingen bis nach Oslebshausen oder auch der A281-Lückenschluss.

Als nun im Nachbarschaftshaus Helene Kaisen die Planer diejenigen 160 von bremenweit mehr als 300 vorgeschlagenen Maßnahmen präsentierten, die sie für die Aufnahme ins Zielszenario empfehlen, war die Enttäuschung im Publikum groß. Denn weder die Einrichtung eines DB-Haltepunktes in Gröpelingen noch der Bau einer Straßenbahnlinie in Findorff – beides wird in den jeweiligen Stadtteilen seit Jahren herbeigesehnt – erscheinen den Planern sinnvoll beziehungsweise machbar. In beiden Fällen nämlich sei keine günstige Kombination aus Kosten und Nutzen zu erzielen, erklärte Theo Janßen von der Ingenieurgruppe IVV. Da etwa das Gleis für einen Gröpelinger Bahn-Stopp aktuell auf der „falschen“ – nämlich der von der Wohnbebauung abgewandten – Seite liege, rechne man hier nur mit einer geringen Nutzung.

Würde hingegen das Gleis für Güterverkehre – das aktuell den Häusern am nächsten ist – umgelegt, sei dies mit immensen Kosten verbunden. Den Bürgern, etwa dem Gröpelinger „Ur-Grünen“ Helmut Kasten, der schon seit Jahren für einen Bahn-Stopp kämpft, leuchtet diese Betrachtungsweise aber nicht ein.

„Wir als Gröpelinger sind davon überzeugt, dass, wenn wir da einen Haltepunkt hätten, das auch die Struktur vor Ort positiv beeinflussen würde“, meint die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Petra Krümpfer, und SPD-Beiratsmitglied Petra Wontorra ergänzte, Gröpelingen müsse sich dem Integrierten Handlungskonzept (IHK) entsprechend sogar dringend verändern.

Eine gute Nachricht immerhin gab es für die Gröpelinger: Die Planer empfehlen, die Straßenbahnlinie vom Depot bis zum Oslebshauser Bahnhof zu verlängern, um Straßenbahn, Bus und Zug zukünftig besser zu vernetzen.

Sämtliche empfohlenen – und nicht empfohlenen – Maßnahmen sowie Informationen zu den Auswahlkriterien und eine Übersicht über die Testszenarien können unter www.bauumwelt.bremen.de/vep eingesehen werden. Noch bis zum 6. März sind nun die Bürger in allen Stadtteilen dazu eingeladen, sich in regionalen Foren an der Diskussion zum VEP zu beteiligen – und auch online können sich alle Interessierten nun nochmals einbringen: Unter www.bremenbewegen.de können sie von morgen (3. März) an bis zum 28. April aktiv an „Phase 3“ teilnehmen und verschiedene Szenarien zusammenbauen.

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