Bremer Boulevard wird als „Speziallage“ bezeichnet

Experten: Wall im Aufwind

Bremen. Mit verbesserten Wegebeziehungen zwischen Wall und Innenstadt könne beiden Lagen geholfen werden, meinen Experten. Trotz Leerständen sind sie davon überzeugt, dass der Wall „eine Adresse im Aufwind“ ist.
09.05.2014, 00:00
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Experten: Wall im Aufwind
Von Frauke Fischer
Experten: Wall im Aufwind

Thomas Stefes erläutert Karin Take von der Wirtschaftsförderung, wie er sich die Zukunft an der Bischofsnadel vorstellt.

Frank Thomas Koch

Auf der einen Seite exquisite Geschäfte mit ansprechenden Schaufenstern, auf der anderen Seite der Blick ins Grüne – das ist der Wall. Aus Sicht von Immobilienexperten eine „Speziallage“, aus Sicht der Wirtschaftsförderung Bremen und der Wall-Anwohner eine Adresse im Aufwind.

Wenn Thomas Stefes an der Ecke Bischofsnadel steht und auf das Gebäude mit der Adresse Domshof 17 guckt, das er vor einer Weile mit einem Partner gekauft hat, sieht er schon vor sich, wie es sich weiterentwickelt. Ins Erdgeschoss könnte ein großes Café mit allerlei kulinarischen Angeboten und größeren Fenstern zum Domshof hin einziehen, darüber sind Kanzleien zum Teil bereits eingezogen. Bis nach vorn zum Wall reicht die Immobilie. Sie spielt eine wichtige Rolle bei dem, was Wall-Werbegemeinschaft, Wirtschaftsförderung Bremen, Wirtschaftsbehörde und Hauseigentümer im Bereich des Boulevards bewegt: „Aufbruch Wall“ haben sie es genannt.

Die Wiederbelebung von leer stehenden Traditionsgeschäften wie „Pelz Köppe“Am Wall , in dem ab Sommer hochwertige Markenkleidung für Frauen und Männer verkauft werden soll, ist wichtig. Doch auch die Weiterführung des Wall-Daches vor dem swb-Gebäude und – hier kommt Domshof 17 ins Spiel – die Verbesserung der Wegebeziehungen, wie es so schön heißt. Das meint: Wer aus der Sögestraße, vom Schüsselkorb oder Domshof kommt, soll mit attraktiven Geschäften und Lokalen weitergelockt werden, durch die Museumstraße oder eben die Bischofsnadel bummeln, um Wall und Wallanlagen zu entdecken.

3000 bis 4000 Menschen spazieren täglich durch die Bischofsnadel, sagt Marianne Grewe-Wacker, die beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen für die Innenstadt zuständig ist. „Die Bischofsnadel hat eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Innenstadt und Wall“, betont sie. Karin Take, Projektleiterin bei der Wirtschaftsförderung Bremen, sieht es ähnlich: „Sie ist ein wichtiger Baustein im Bereich Wall.“

Bei allen Aufwertungsmaßnahmen geht es um das große Ganze: die Innenstadt. Rückenwind zu ihrer Stärkung und mithin auch zu der des Walls spürt Karin Take durch das neue Innenstadtkonzept „Bremen Innenstadt 2025“, das Senat und Handelskammer im vergangenen September gemeinsam vorstellten. Doch schon in den frühen 1990er-Jahren wurden die Weichen gestellt. „Der Wall soll keine Sackgasse, sondern eine Flaniermeile in einem Erlebnisquadrat werden.“ Das betonte 1995 schon der damalige Bausenator Bernt Schulte, indem er an die auf den Weg gebrachten Projekte zur Aufwertung der Innenstadt – etwa das Domshof-Café, die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und die Katharinenpassage – erinnerte. Bauarbeiten waren zu der Zeit überdies in der Langenstraße, an der Schlachte und am Kennedy-Platz im Gange. Die Domshofpassage entstand einige Jahre später, auch das Kontorhaus City an der Museumstraße, in der sich Läden ansiedelten.

„Die Stadt hat dort viel investiert“, erinnert Grewe-Wacker heute an diese Vorleistungen. Sie setzt jetzt vor allem auf privates Engagement – wie am Wall selbst. Dort hat sich die Wall-Werbegemeinschaft positioniert. In ihr sind nach Angaben ihres Sprechers Tim Heintzen (Bettenhaus Uwe Heintzen) derzeit 15 feste Mitglieder und einige weitere Interessierte von Eigentümer- und Mieterseite vertreten. Ende des Monats soll es einen gemeinsamen Internetauftritt der Geschäfte geben. Einheitliche Öffnungszeiten allerdings seien weiterhin schwierig, räumt Heintzen ein.

Nach Ansicht von Jan-Peter Halves von der City-Initiative sind es vier Schwerpunktthemen, die die Wall-Geschäfte abdecken: Einrichtung/Lifestyle, Mode, Gastronomie und Kultur. „Kunsthalle, Gerhard-Marcks-Haus und Wilhelm-Wagenfeld-Haus haben Adressen Am Wall“, sagt Halves. Von großen Ausstellungen dort profitierten Wall-Anlieger wegen der Überschneidung der Klientel.

Aus Sicht der Makler Hagen Sommer (Robert C. Spies) und Wilken Herzberg (Justus Wohltmann) ist der Wall „eine Speziallage“. Die hohe Lauffrequenz für eine sogenannte 1a-Lage fehle, doch das besondere Angebot mache einen großen Reiz aus. Mit Blick auf die aktuellen Leerstände sagt Sommer: „Es gibt Leerstände mangels Nachfrage und strukturelle“ – etwa wenn Gebäude wie im hinteren Bereich Richtung Polizeihaus aufwendig saniert würden. Doch auch dort tue sich etwas, ein griechisches Restaurant eröffne demnächst, so Take. Für mehrere Flächen seien bereits passende Mieter gefunden. Herzberg gibt sich zuversichtlich: „Es gibt viele Einzelhändler auch in den Stadtteilzentren, die noch gar nicht wissen, wie gut sie Am Wall funktionieren würden.“

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