Benotung auf Distanz

Experten zu Halbjahreszeugnissen: Noten sind nachvollziehbar

Die Bewertung von Bremer Schülern ist für Lehrer auch im zweiten Halbjahr unter Pandemiebedingungen nicht einfach. Experten halten die nun verteilten Noten aber für ausreichend nachvollziehbar.
29.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Experten zu Halbjahreszeugnissen: Noten sind nachvollziehbar
Von Nina Willborn

Distanzunterricht, Halbgruppen, Kinder, die in Quarantäne oder aus anderen Gründen schwierig zu erreichen sind: Die Bewertung ihrer Schülerinnen und Schüler war für die Bremer Lehrerinnen und Lehrer auch im zweiten Corona-Schulhalbjahr erschwert. Grundsätzlich gilt nach wie vor, dass kein Kind Nachteile dadurch haben soll, dass es nicht im Klassenraum sitzt. Bewertet werden sollen Leistungen im Präsenzunterricht, nicht die, die Schüler in Online-Formaten erbringen. Bei der Einschätzung könnten sich Lehrkräfte auch im Team absprechen, um sich ein besseres Gesamtbild zu verschaffen, rät das Bildungsressort in einem Hinweispapier für die Halbjahreszeugnisse insbesondere der vierten Klassen der Grundschulen.

Jan-Eric Ströh, Landesvorstandssprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und selbst Lehrer, hält die Notengebungspraxis unter Pandemiebedingungen zwar für nicht einfach, die Ergebnisse aber für dennoch ausreichend nachvollziehbar. „Soweit ich gehört habe, sind viele Zeugniskonferenzen unproblematisch verlaufen. Bis Weihnachten hat es außerdem viel Präsenzunterricht gegeben“, sagt er. „Die Herausforderung kommt erst noch, wenn wir bei ausgesetzter Präsenzpflicht in die Halbgruppen gehen.“ Ähnlich lautet die Einschätzung von Martin Stoevesandt vom Zentralen Elternbeirat (ZEB).

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„Ich bin optimistisch, dass die meisten Lehrkräfte nach zehn Monaten Vorwarnung in der Lage sind, vernünftige Zeugnisse zu schreiben“, sagt er. Sie seien besonders in der Qualifizierungsphase zum Abitur, aber auch in den zehnten Klassen der Oberschulen zur Vorbereitung auf dem Mittleren Schulabschluss „essenziell“. Den größten, wie er sich ausdrückt, „Sprengstoff“, sieht Stoevesandt im Übergang von Klasse vier nach fünf. „Wenn da keine saubere Begründung dafür vorliegt, dass ein Kind nicht über dem Regelstandard ist, sind Klagen programmiert“, sagt der ZEB-Vorstand.

Vertreter der Bremer Regierungskoalition betonen, das Lehrpersonal gehe mit Bedacht vor. Es wisse, in welchen Fällen häusliche Probleme vorlägen und berücksichtige sie entsprechend, sagt etwa Mirjam Strunge, Bildungsexpertin der Linken. „Gerade in den Abschlussklassen kennen die Lehrer ihre Schüler oft schon lange“, sagt Christopher Hupe (Grüne). Die Opposition kritisiert fehlende Konzepte. „Es wird wohlwollend bewertet“, sagt Yvonne Averwerser (CDU). „Aber ich mache mir große Sorgen um die, die nicht freiwillig lernen. Nach einem Jahr Corona brauchen wir andere Bewertungsstandards.“ Birgit Bergmann (FDP) mahnt, Corona-Defizite müssten dokumentiert und wirkungsvoll behoben werden.

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