Edina Medra unterscheidet bei Videospielen zwischen Darstellung und Suchtpotenzial

Expertin warnt vor Gewaltverherrlichung

Es geht nicht um den erhobenen Zeigefinger oder Spieleverbote, wenn Edina Medra von der Landesmedienanstalt Brema am Sonnabend in der Stadtbibliothek Vegesack ab 10 Uhr die Spielecomputer hochfährt. Die Medienfachfrau will vielmehr erreichen, dass sich Erwachsene mit den Dingen beschäftigen, mit denen viele Heranwachsende oft Stunden am Tag beschäftigt sind.
02.11.2013, 00:00
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Es geht nicht um den erhobenen Zeigefinger oder Spieleverbote, wenn Edina Medra von der Landesmedienanstalt Brema am Sonnabend in der Stadtbibliothek Vegesack ab 10 Uhr die Spielecomputer hochfährt. Die Medienfachfrau will vielmehr erreichen, dass sich Erwachsene mit den Dingen beschäftigen, mit denen viele Heranwachsende oft Stunden am Tag beschäftigt sind.

„Grand Theft Auto V hat mit 266 Millionen Euro an Entwicklungskosten fast soviel gekostet wie der Kinofilm „Fluch der Karibik 3“. Dadurch gelangt erst ins Bewusstsein der Menschen, wie groß die Verbreitung solcher Spiele inzwischen ist,“ so Edina Medra. Das Spiel strotze vor Gewaltverherrlichung und Sexismus. Alle Spielwege führten durch Gewalt und Tod. Man sei immer mit einer derben Sprache konfrontiert und dem sehr klischeehaften Verhalten der Spieler, schildert Medra.

„Call of Duty“ hat in seinen Spielversionen auch das Abschlachten von Zombies als Missionen. Gerade diesen Aspekt wird der Informationstag – so nah an Halloween – in diesem Jahr in den Fokus stellen. Mit Benjamin Moldenhauer konnten Brema und Stadtbibliothek gar einen Kulturwissenschaftler für die Erläuterungen gewinnen, warum Jugendliche hierzulande besonders gerne Zombies in solchen Spielen metzeln.

Der Vortrag startet um 11 Uhr. Ansonsten sieht Edina Medra „Call of Duty“ in der Tradition einiger anderer sogenannter Egoshooter: Sie machen ihrer Einschätzung nach nicht so sehr süchtig, aber die Gewaltverherrlichung ist enorm.

„Skyrim“ hingegen hat als Rollenspiel aus Sicht der Medienexpertin ein deutlich höheres Suchtpotenzial: „Hier schafft man seinen Charakter bis ins Detail selbst und identifiziert sich entsprechend mit ihm. Bei Ballerspielen ist da die Identifikation nicht so hoch.“

FIFA sieht Edina Medra als gutes Beispiel dafür, dass auch Spiele ohne Waffen Aggressionen freisetzen können. „Wir werden am heutigen Informationstag vier Spieler zu Gast haben, die alle intensiv spielen oder gespielt haben und von denen einer auch von Mediensucht berichten kann.“ Es gehe nicht darum, Spiele zu verteufeln, sondern zu zeigen, wo es problematisch werde. Edina Medra: „Aber wir machen das auch, damit Eltern die Faszination verstehen, die von diesen Spielen ausgeht.“

„GTA Vice City“ in der Handyversion mit seinen hohen Abschussraten eines Jugendlichen löst bei der Spieleexpertin eher eine beschwichtigende Reaktion aus: „Es gibt schlichtweg keine Studie, die belegt, dass Dinge aus solchen Spielen in die Realität übertragen werden.“

Der Computerspieletag für Erwachsene mit Konsolen- und Onlinespielen findet heute von 10 bis 14 Uhr in der Stadtbibliothek, Aumunder Heerweg 87, statt. Die Teilnahme ist kostenlos.

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