'Meine Haltestelle': Domsheide Extra-Lob für die Fahrer

Altstadt. 'Nächste Haltestelle Domsheide': Joachim Steinbrück steht in einer Straßenbahn der Linie 2. Am Ulrichsplatz ist er eingestiegen, jetzt steigt er aus. Es wird wieder spannend. Vielleicht zweihundert Meter sind es bis zu seinem Arbeitsplatz im Börsenhof A. So kurz der Fußweg auch ist, es viele Tücken lauern hier.
04.03.2010, 14:25
Lesedauer: 2 Min
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Von Niels Kanning

Altstadt. 'Nächste Haltestelle Domsheide': Joachim Steinbrück steht in einer Straßenbahn der Linie 2. Am Ulrichsplatz ist er eingestiegen, jetzt steigt er aus. Es wird wieder spannend. Vielleicht zweihundert Meter sind es bis zu seinem Arbeitsplatz im Börsenhof A. So kurz der Fußweg auch ist, es viele Tücken lauern hier.

Joachim Steinbrück ist blind, mit seinem weißen Stock tastet er sich durch das Menschengewirr, überquert die Gleisanlagen und Busspuren auf diesem zentralen Verkehrsknotenpunkt. Ohne Zwischenfall auf die andere Straßenseite zu gelangen - das erfordert schon einige Übung. Das wissen auch nichtbehinderte Menschen aus eigener Erfahrung. Fakt ist: Die Domsheide erfordert die volle Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer.

Joachim Steinbrück ist Landesbehindertenbeauftragter. Aus vielen Gesprächen weiß der 53-Jährige aus dem Ostertor genau, warum die Haltestelle Domsheide gerade Menschen, die langsamer unterwegs sind - ältere Mitbürger, Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer - soviel Stress bereitet. Das grobe Kopfsteinpflaster ist für sie 'eine Zumutung'. Die Kreuzung ist unübersichtlich und die Straßenquerung äußerst problematisch. Für einen Blinden wie ihn kommt erschwerend hinzu: 'Auf dem Riesenplatz verliert man leicht die Orientierung.' Wo sind die Bordsteine abgesetzt? Wo muss ich rüber?

Steinbrück empfindet tiefen Respekt und Dankbarkeit gegenüber den umsichtigen Fahrerinnen und Fahrern von Bussen und Bahnen. 'Ich versuche mich eindeutig zu verhalten und gebe Handzeichen.' Dennoch passiere es, so Steinbrück, dass er mit seinem weißen Stock direkt vor einen Bus oder eine Bahn laufe. 'Wenn ein Busfahrer Gas gibt, höre ich das. Straßenbahnen leider nicht', sagt Steinbrück ein bisschen entschuldigend. Ein Extra-Lob an die BSAG-Mitarbeiter - das ist ihm wichtig.

Der Landesbehindertenbeauftragte freut sich sehr über geplante Nachbesserungen. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Straßen und Verkehr (ASV) ist ein Konzept entwickelt worden, um Rollstuhlfahrern und gehbehinderten Menschen das Nutzen des Öffentlichen Nahverkehrs auf der Domsheide weiter zu erleichtern.

Eine barrierefreie Haltestelle - bis dahin ist zwar noch ein weiter Weg, doch die Anfänge sind nun erst einmal gemacht. Gute Erfahrungen gibt es schon mit dem sogenannten Leitstreifen und dem Aufmerksamkeitsfeld an der Domsheide-Haltestelle vor der Post. Dort, wo die Straßenbahnen halten und Tür eins hinter dem Fahrer aufgeht, befinden sich sogenannte Nagelplatten. Das Blindenleitsystem bietet auch für Kinder und Eltern mit Kinderwagen die nötige Sicherheit und Orientierung. 'Vorsicht Kinderwagen': Mütter oder Väter sollten ihm, dem Mann mit dem weißen Stock, diesen Hinweis an der Haltestelle zurufen. Das ist Joachim Steinbrück allemal lieber, als wenn die Kinderwagen schiebenden Mütter und Väter ihm gestresst ausweichen.

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