110. Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins Bremen Exzellenzen treffen sich in der Oberen Rathaushalle

Bremen. Am Freitagabend hat das 110. Stiftungsfest des Ostasiatischen Vereins Bremen stattgefunden. Die Herrenrunde hat sich auch dieses Mal wieder aus Wirtschaftskapitänen, Politikern und zahlreichen Exzellenzen aus "East of Suez" zusammengesetzt.
26.02.2011, 05:00
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Von Sigrid Schuer

Bremen. Als sich gestern gegen 22.30 Uhr rund 370 Herren im Smoking über Kreuz die Hände reichten und "Auld Lang Syne", die Hymne an die "absent friends" in "East of Suez" sangen, da kam in der festlich illuminierten Oberen Rathaushalle Gänsehautgefühl pur auf. Das 110. Stiftungsfest des im Januar 1901 gegründeten Ostasiatischen Vereins (OAV) Bremen wurde wieder zu einem vollen Erfolg.

In der Hymne "Auf die alten Zeiten" von Robert Burns heißt es unter anderem: "Sollten alte Freunde vergessen sein und längst vergangene Tage ? Wir leeren noch den Freundschaftsbecher auf die alten Zeiten." Der Ostasiatische Verein in Bremen ist seit seiner Gründung "ein Sammelpunkt von Interessen für Ostasien, wo die Hälfte der Weltbevölkerung lebt und das uns so viele kulturelle Beziehungen geschenkt hat", sagte Arend Vollers, seit 1990 Vorsitzender des OAV im Vorfeld des Stiftungsfestes.

In Asien gab es im Jahr 1846 bereits sieben hanseatische Niederlassungen, die in Bombay, Kalkutta, Batavia, Singapur, Manila, Macao und Canton bestanden. Auch heute noch hat das alljährliche Stiftungsfest etwas von dem Esprit des konventionellen und kameradschaftlichen Clublebens englischer Tradition, das bremische Kaufleute Ende des 19. Jahrhunderts aus "East of Suez", aus Handelsstädten wie Schanghai mitgebracht hatten. Nach britischem Vorbild wurden aber auch deutsche Clubs in den Zentren Kalkutta, Colombo, Rangoon, Schanghai, Yokohama und Batavia gegründet.

Schanghai, heute Herz und Pulsgeber der asiatischen Wirtschafts- und Finanzwelt, war damals schon Handelszentrum der Fernost-Region. 1877 gab es in China 41 deutsche Firmen, davon waren 17 in Schanghai tätig. 1895 wurde von Bremer Kaufleuten das Handelsmuseum gegründet, das heute als Übersee-Museum firmiert. Es ist auch Dokument der Bremer Beziehungen nach "East of Suez".

So wehte also am gestrigen Abend wieder ein Hauch von Fernost durch die Obere Rathaushalle. Um 17 Uhr trugen sich die Exzellenzen ins goldene Buch ein. Punkt 18 Uhr schlug Peter Pay von Enden, Schriftführer des Vereins, drei Mal den riesigen Gong und gab damit den Startschuss für das Stiftungsfest. Die Gäste wurden von Arend Vollers, der sich weit über Bremen hinaus den Ruf eines "Teepapstes" erworben hat, und von dem Präsidenten des Senats, Jens Böhrnsen, auf den Abend eingestimmt.

Die hochkarätige Herrenrunde setzte sich auch dieses Mal wieder aus Wirtschaftskapitänen, Politikern und zahlreichen Exzellenzen aus "East of Suez" zusammen. Zwischen Yam Sam Sahay, dem thailändischen "Drei Freunde Salat" und einem zünftigen Curry-Reisgericht mit Mango-Chutney, Shrimps und Kokosraspeln diskutierten sie die Thesen der Ehrengäste.

Christian-Ludwig Weber-Lortsch, seit Sommer 2007 Botschafter der Bundesrepublik in der philippinischen Hauptstadt Manila erläuterte, "Wie Europa aus asiatischer Sicht wahrgenommen wird". Der Diplomat ist ein exzellenter Kenner der Region "East of Suez", denn er war von 2003 bis 2007 in gleicher Funktion in Hanoi tätig. Ständiger Vertreter des jeweiligen Botschafters war er zuvor in Kuala Lumpur und Algier. Von 2000 bis 2003 arbeitete Weber-Lortsch als Referatsleiter Asien, Afrika und Lateinamerika im Bundeskanzleramt. Weitere diplomatische Stationen führten ihn nach Athen und Beijing.

Die sogenannten, aufstrebenden Tigerstaaten sind schon lange auf dem Sprung in die Königsklasse der Global Player. Und China ist dabei, den USA den Rang als Weltwirtschaftsmacht Nr. 1 abzulaufen. Die chinesische Regierung kauft aber auch im großen Stil Staatsanleihen von den vom Bankrott bedrohten, südeuropäischen Ländern auf. So stellte der zweite Ehrengast des Stiftungsfestes, Professor Manfred Weber, in seiner Rede die berechtigte Frage: "Was machen die Banken mit unserem Geld ?" Der promovierte Volkswirt war von 1997 bis 2010 Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes deutscher Banken, ist also ein profunder Kenner der Materie. Weber hat bereits zahlreiche Publikationen - unter anderem zum Zusammenwachsen der europäischen Finanzmärkte durch einheitliche Geldpolitik und zum Bankgeschäft der Zukunft - vorgelegt. Seit 2004 ist er Honorarprofessor an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam.

Als letzter Redner des Abends formulierte seine Exzellenz Widhya Chem, Botschafter aus Kambodscha, stellvertretend für die anderen Exzellenzen den Gästedank. Die ausländischen Gäste hatten schon am Vormittag Gelegenheit, das Wirtschaftsleben der Hansestadt näher kennenzulernen. Auf dem Programm stand die Besichtigung des EADS Astrium-Werks. Um zwölf Uhr mittags kam es danach in der Handelskammer zu einem Gedankenaustausch mit Vizepräses Eduard Dubbers-Albrecht.

Und so wurde im Rathaus mit Pink Gin nicht nur auf "Auld Lang Syne", also "Auf die guten, alten Zeiten", sondern vielmehr auch auf die Zukunft der guten Beziehungen zwischen Ostasien und Bremen angestoßen. Der Ostasiatische Verein ist als Brückenbauer ins "Land des Lächelns" der beste Garant dafür.

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