Debatte im Beirat: Engpässe bei der medizinischen Versorgung in Vegesack sind nicht kurzfristig zu beheben Facharzt-Termine bleiben knapp

Die Vegesacker werden nach dem jetzigen Stand dauerhaft mit Engpässen in der fachärztlichen Versorgung leben müssen. Der Beirat hat das Problem am Donnerstagabend mit Fachleuten erörtert. Spürbare Besserung konnten sie nicht in Aussicht stellen, auch wenn die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ab 2013 ein zusätzliches Regulierungsinstrument für die Verteilung der Mediziner im Stadtgebiet zur Verfügung hat.
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Facharzt-Termine bleiben knapp
Von Jürgen Theiner

Die Vegesacker werden nach dem jetzigen Stand dauerhaft mit Engpässen in der fachärztlichen Versorgung leben müssen. Der Beirat hat das Problem am Donnerstagabend mit Fachleuten erörtert. Spürbare Besserung konnten sie nicht in Aussicht stellen, auch wenn die Kassenärztliche Vereinigung (KV) ab 2013 ein zusätzliches Regulierungsinstrument für die Verteilung der Mediziner im Stadtgebiet zur Verfügung hat.

Vegesack. Die Zahlen sehen auf den ersten Blick nicht kritisch aus. 20 Hausärzte in 14 Praxen gibt es in Vegesack, dazu 54 Fachärzte, einen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten sowie sieben ärztliche und drei psychologische Psychotherapeuten. Für ein Mittelzentrum mit gut 33000 Einwohnern sollte das reichen, denkt der Laie. Doch immer wieder werden Klagen über Versorgungslücken in einzelnen fachärztlichen Bereichen laut. Schwer zu bekommen sind offenbar Termine bei Haut-, Augen- und Kinderärzten.

Auf Betreiben der CDU hatte der Beirat am Donnerstagabend die Vorsitzende des Ärztenetzes Bremen-Nord, Christa Goecke, und den kaufmännischen Geschäftsführer des Klinikums Nord, Manfred Glasmeyer, eingeladen, um sich ein präziseres Bild der Situation zu verschaffen und die Aussichten zu erörtern.

Nach Goeckes Darstellung hat sich die Zahl der niedergelassenen Mediziner im Land Bremen (aktuell 1350) in den zurückliegenden Jahren nur unwesentlich verändert. Wenn in der Bevölkerung trotzdem eine Verschlechterung der Versorgungslage wahrgenommen werde, liege das anderen Faktoren. So steige das Durchschnittsalter der Patienten und damit auch die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen. Zugleich nehme in der Ärzteschaft der Wunsch zu, nicht mehr 50 Stunden und mehr pro Woche zu ackern, sondern die individuelle Arbeitsbelastung zu reduzieren, zum Beispiel durch Teilzeitmodelle. Wenn infolgedessen ein Mediziner zum Beispiel nicht mehr 900 Patienten im Quartal behandelt, sondern nur noch 600, mache sich das unmittelbar bemerkbar.

Für die Zulassung niedergelassener Mediziner ist laut Christa Goecke die Kassenärztliche Vereinigung zuständig. Auf der Grundlage bundeseinheitlicher Schlüssel legt die KV Bremen fest, wie viele Ärzte diverser Fachgebiete eine kassenärztliche Praxis eröffnen dürfen. Auf die räumliche Verteilung der Praxen hat die KV indes keinen Einfluss – bis jetzt. Noch kann beispielsweise ein Dermatologe selbst entscheiden, ob er in Vegesack bleiben will oder seinen Sitz in einen anderen Stadtteil verlegt. Durch eine gesetzliche Neuregelung soll aber die KV ab 2013 in die Lage versetzt werden, den Abzug bestimmter fachärztlicher Kapazitäten aus bereits unterversorgten Stadtteilen zu erschweren.

Neueinstellungen im Klinikum

Was Goecke sagte, machte wenig Hoffnung auf baldige Verbesserung der Situation in Vegesack. "Was können wir als Beirat tun?", wollte Cord Degenhard (Bürger in Wut) von der Ärztenetz-Vertreterin wissen. Als Beirat wenig, erwiderte Christa Goecke. "Aber Sie können sich als Bürger und Patienten für eine adäquate Bezahlung der Mediziner einsetzen. Und natürlich für einen Abbau der Bürokratie, damit es für den medizinischen Nachwuchs wieder attraktiv wird, sich niederzulassen."

Für die zweite Säule der ärztlichen Versorgung im Stadtteil, das Klinikum Nord, warb im Beirat der kaufmännische Geschäftsführer Manfred Glasmeyer. Allen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zum Trotz bleibe das Klinikum "ein gutes, qualifiziertes Krankenhaus". Zuletzt habe man in der Inneren Medizin mehrere Neueinstellungen vornehmen können, so dass kaum noch auf Honorarkräfte zurückgegriffen werden müsse. Allerdings räumte Glasmeyer ein, dass es auf zwei konkreten Feldern keine Fortschritte gibt. So ist es wegen mangelnder neurologischer Kapazitäten nach wie vor nicht möglich, den schon vor Jahren angekündigten Bereich für Schlaganfall-Patienten (Stroke Unit) in Betrieb zu nehmen. Auch die Bemühungen um eine engere Kooperation mit der kardiologischen Praxis im Ärztehaus sind laut Glasmeyer noch nicht entscheidend vorangekommen.

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