Radler flüchtet nach Unfall

Fahrerflucht nach Radunfall

Nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Radfahrer in der Bremer Faulenstraße liegt Tanja Kaller kurze Zeit bewusstlos am Boden. Statt ihr zu helfen, flieht der mutmaßliche Verursacher.
10.01.2018, 19:06
Lesedauer: 3 Min
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Fahrerflucht nach Radunfall
Von Marlo Mintel
Fahrerflucht nach Radunfall

Tanja Kaller an der Unfallstelle in der Faulenstraße: Dort stieß sie am 2. Januar um 10.20 Uhr mit einem bislang unbekannten Radfahrer zusammen.

Christina Kuhaupt

Tanja Kaller ist erschüttert. Darüber, dass ihr nicht geholfen wurde. „Wegzufahren, wenn einer auf dem Boden liegt, das finde ich das Allerletzte“, kritisiert die 41-Jährige. Sie lag auf dem Boden, kurzzeitig bewusstlos, nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Radfahrer, der flüchtete und Tanja Kaller mit Verletzungen zurückließ.

Der Unfall ereignete sich am Dienstag, 2. Januar, gegen 10.20 Uhr in der Faulenstraße gegenüber Kita Bremen. Nach Polizeiangaben fuhr ein bisher unbekannter Mann auf dem Gehweg auf der falschen Straßenseite und wechselte später auf den Radweg. Tanja Kaller war mit ihrem Fahrrad vom Brill aus kommend in Richtung Walle unterwegs.

„Der Unfallort ist ein Gebäudekomplex mit einem Radweg, an dem Säulen grenzen. So eine Art Arkadenbau“, beschreibt sie. „Zwischen den Säulen kam dann der Fahrradfahrer zum Vorschein.“ Wie die Polizei berichtet, stieß er dort mit der 41-Jährigen zusammen. Kaller sagt, sie sei daraufhin mit dem Kopf gegen eine der Säulen geraten und kurzzeitig bewusstlos gewesen.

Auch Zeugen verließen Unfallort

Daraufhin sei der Radfahrer zunächst stehen geblieben und habe sie gefragt, ob alles gut sei. „Ne, ist es nicht“, habe sie geantwortet und hinzugefügt: „Wir müssen die Polizei rufen, schon wegen der Versicherung.“ Mit Folgen. Kaller: „Als ich das Wort Polizei erwähnt habe, hat er sich sehr zögerlich, aber deutlich zu seinem Fahrrad begeben, das offensichtlich nicht kaputt war.“ Der Mann flüchtete.

Wie Kaller berichtet, gab es Zeugen am Unfallort: Teilnehmer eines Sprachkurses vom Paritätischen Bildungswerk. „Ihr müsst bleiben, ihr müsst bleiben, ihr seid Zeugen“, habe sie ihnen gesagt. „Aber als das Wort Polizei fiel, sind auch die zügig von dannen gegangen.“

Die 41-Jährige wählte selbst die 110 und musste anschließend in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Polizeibeamten befragten laut Kaller die Gruppe der Sprachkursteilnehmer. „Die haben aber dann behauptet, dass sie den Mann nicht beschreiben könnten und nichts wüssten“, sagt sie.

Schädel- und Kieferprellung

Die Polizei leitete umgehend eine Fahndung nach dem mutmaßlichen Unfallverursacher ein – ohne Erfolg. Sie ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung und wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Für letzteres droht nach ihren Angaben eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Auf Nachfrage bei der Polizei heißt es, dass es im vergangenen Jahr in Bremen 87 Unfallfluchten bei 1417 Unfällen mit Radfahrerbeteiligung gab. Tanja Kaller erlitt bei dem Zusammenstoß eine Schädel- und Kieferprellung. Sie verlor den Teil eines Zahns, ihre Brille wurde beschädigt. Außerdem zog sich die Bremerin aus dem Ostertor eine Gehirnerschütterung zu.

„Ich habe immer noch was davon“, klagt sie. „Ich habe Kopfschmerzen, kann nicht richtig kauen, mein Kiefer tut weh.“ Die Schulpsychologin ist seit dem Unfall krankgeschrieben und musste einen freiberuflichen Termin absagen. Dadurch sei ihr ein Verdienstausfall von 1680 Euro entstanden, sagt Kaller, die nebenberuflich als Seminararleiterin arbeitet.

"Abhauen fällt in die Kategorie: geht gar nicht."

Sie habe eine Resthoffnung, dass sich der Mann doch noch bei der Polizei meldet – auch aus versicherungstechnischen Gründen. Tanja Kaller: „Wäre er stehen geblieben und hätte auf die Polizisten gewartet, wäre seine Haftpflichtversicherung dafür aufgekommen. So gibt es keinen Unfallverursacher.“ Um die finanzielle Verluste gehe es ihr nicht vorwiegend, betont die Bremerin. Auch der Fahrradunfall gehöre zur Kategorie „nicht schön, kann aber passieren“, sagt Tanja Kaller.

Aber: „Abhauen fällt in die Kategorie: geht gar nicht.“ Wer Hinweise zum Unfall geben kann, wird gebeten, sich mit der Bremer Polizei unter der Telefonnummer 36 21 48 50 in Verbindung zu setzen. Tanja Kaller beschreibt den Mann als klein, er soll zwischen 1,70 und 1,75 Meter groß sein. Sie schätzt ihn auf Mitte bis Ende 50 mit dünnen, grauen Haaren. Und: „Er hatte ein auffällig kleines Fahrrad mit kleinen Reifen, wohl ein Klapprad“, sagt sie.

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