Patientin kann sich Taxi nicht leisten / Krankenkasse zahlt nicht / DAK-Sprecher: "Gehbehinderung reicht nicht" Fahrt zum Arzt ist für Rentnerin zu teuer

Rekum. Britta Wahls ist über das Verhalten der Krankenkasse DAK empört. Diese weigert sich, für ihre 74 Jahre alte Tante die Kosten für Krankenfahrten mit dem Taxi zu übernehmen. Die Rentnerin hat eine schwere Osteochondrose - eine Abnutzungserscheinung - im Bereich der Lendenwirbelsäule und leidet unter starken Schmerzen. Sie muss regelmäßig von ihrem Wohnort in Rekum zu einem Orthopäden nach Vegesack fahren; dort bekommt sie Spritzen und Bestrahlungen. Durch ihre Gehbehinderung kann sie keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen; sie ist auf die Fahrten mit dem Taxi angewiesen.
15.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Fahrt zum Arzt ist für Rentnerin zu teuer
Von Julia Ladebeck

Rekum. Britta Wahls ist über das Verhalten der Krankenkasse DAK empört. Diese weigert sich, für ihre 74 Jahre alte Tante die Kosten für Krankenfahrten mit dem Taxi zu übernehmen. Die Rentnerin hat eine schwere Osteochondrose - eine Abnutzungserscheinung - im Bereich der Lendenwirbelsäule und leidet unter starken Schmerzen. Sie muss regelmäßig von ihrem Wohnort in Rekum zu einem Orthopäden nach Vegesack fahren; dort bekommt sie Spritzen und Bestrahlungen. Durch ihre Gehbehinderung kann sie keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen; sie ist auf die Fahrten mit dem Taxi angewiesen.

Mindestens zehn Behandlungssitzungen seien laut dem Arzt noch notwendig, sagt Britta Wahls. "Das sind fast 500 Euro für die Fahrten, meine Tante kann sich das von ihrer kleinen Rente schlichtweg nicht leisten." In der Vegesacker Geschäftsstelle der Krankenkasse habe man ihr die Auskunft gegeben, die Kasse zahle erst, wenn ein Schwerbehinderten-Ausweis vorliege. "Dabei hat der Arzt meiner Tante ein Attest ausgestellt, das besagt, dass sie derzeit außergewöhnlich gehbehindert ist", erläutert die aufgebrachte Nichte. "Wir hoffen ja, dass es nicht so weit kommt, dass ihr ein Schwerbehinderten-Ausweis ausgestellt werden muss, sondern dass sie durch die Behandlung bald wieder besser laufen kann."

Britta Wahls selbst ist berufstätig und kann ihre Tante aus diesem Grund nicht zum Arzt bringen. "Außerdem ist mein Auto zu hoch. Meine Tante kann da gar nicht einsteigen", sagt die 42-Jährige. Eine einfache Fahrt - die Strecke ist etwa elf Kilometer lang - kostet laut dem Online-Tarifrechner von Taxi-Ruf Bremen 22,60 Euro. Für einen Arztbesuch kommen auf die Patientin demnach Fahrtkosten in Höhe von 45,20 zu. Rüdiger Scharf, Sprecher der DAK, verweist auf Nachfrage auf die gesetzlichen Richtlinien, die für alle gesetzlichen Krankenkassen gelten. Er erläutert: "Eine Gehbehinderung allein reicht nicht aus, um die Kosten für Taxifahrten erstattet zu bekommen. Hierfür sind Serienbehandlungen bei schweren Erkrankungen wie beispielsweise eine Chemotherapie oder Dialysebehandlung die Grundlage der Bewilligung. Die behandelnden Ärzte sollten diese gesetzlichen Bestimmungen eigentlich kennen und ihre Patienten auch darüber aufklären."

In den Richtlinien, die seit Anfang März 2005 in Kraft sind, heißt es genau: "Voraussetzungen für eine Verordnung und eine Genehmigung sind, dass der Patient mit einem durch die Grunderkrankung vorgegebenen Therapieschema behandelt wird, das eine hohe Behandlungsfrequenz über einen längeren Zeitraum aufweist, und dass diese Behandlung oder der zu dieser Behandlung führende Krankheitsverlauf den Patienten in einer Weise beeinträchtigt, dass eine Beförderung zur Vermeidung von Schaden an Leib und Leben unerlässlich ist."

Britta Wahls hat die Befürchtung, dass die gesetzlichen Richtlinien und die ihrer Meinung nach strikte Auslegung der Krankenkassen dazu führen, dass viele ältere Menschen sich den Weg zum Arzt aus Kostengründen sparen. "Ich könnte mir vorstellen, dass es viele Patienten gibt, die nicht wissen, wie sie zum Arzt kommen sollen, sich eine Fahrt mit dem Taxi nicht leisten können und ihre Schmerzen einfach ertragen." Fred Buchholz, Geschäftsführer von Taxi-Ruf Bremen, hat beobachtet: "Insgesamt sind Krankenfahrten in den vergangenen Jahren weniger geworden. Es ist schwieriger, seit es die Richtlinien gibt." Die Tante von Britta Wahls wird nun statt vom Orthopäden von ihrem Hausarzt in Rekum weiterbehandelt. "Da muss meine Tante zwar auch mit dem Taxi hinfahren, aber der Weg ist nicht mehr so weit."

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