"March for Science" in Bremen

Fakten statt Fiktion

Etwa 100 Demonstranten sind am Samstag bei Bremens erstem "March for Science" durch die Innenstadt gezogen. Sie protestierten gegen Populismus und "Fake News" und für die Freiheit der Wissenschaft.
14.04.2018, 16:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Christine Leitner
Fakten statt Fiktion

Die Veranstalter rechneten ursprünglich mit 150 bis 200 Teilnehmern.

Frank Thomas Koch

Dem Regen zum Trotz haben sie sich am Sonnabend am Bremer Hauptbahnhof versammelt: Studenten, Wissenschaftler und Eltern mit Kindern stehen mit Schildern und Fahnen vor dem Haupteingang, um den „March for Science“ durch die Bremer Innenstadt zu beginnen. Die Teilnehmer demonstrieren bei dem internationalen Marsch gegen Populismus und für die Freiheit der Wissenschaft und Forschung. Seinen Ursprung hat der „March for Science“ in den USA.

Um 14.30 setzt sich der Zug in Bremen in Bewegung. Der Weg führte die Demonstranten vom Hauptbahnhof über die Rembertistraße ins Viertel und von dort aus in die Innenstadt, wo der Marsch um 15.30 Uhr endete. Für die Hansestadt ist es der erste „March for Science“. Weltweit ist es bereits der zweite. Organisiert wurde die Veranstaltung in Bremen unter anderem von der Partei der Humanisten. Doch die Demonstration bleibe unpolitisch, betont Jan-Luca Kiok.

Fake News und Alternative Fakten

„Wissenschaft bringt Fortschritt und Lösungen für Probleme“, sagt Kiok. Für den 20-jährigen Studenten ist der Marsch vor allem deshalb von Bedeutung, weil er die Rolle der Wissenschaft ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Peter Nienaber, ebenfalls Student, ist aus Oldenburg angereist. „Der Marsch ist bisher noch recht unbekannt und speziell. Doch das Thema betrifft uns alle“, sagt der 21-Jährige. Deshalb ist er heute hier. Die Wissenschaft müsse in der Gesellschaft mehr Akzeptanz erfahren, darin sind sich die Teilnehmer einig.

Mit Schriftzügen wie „Facts not Fiction“ oder „In Science we trust“ auf Plakaten wollen die Aktivisten auf die Problematik der Fake News und alternativen Fakten aufmerksam machen, gegen die sich der Marsch ebenfalls richtet. Das Vertrauen in die Wissenschaft müsse wieder gestärkt und gefördert werden. „Für diese Überzeugungen auf die Straße zu gehen, ist überall wichtig“, sagt Julia Kreitz, Mitorganisatorin des „March for Science“ in Bremen. Deshalb sei der Marsch auch eine Bewegung für jedermann, und somit seien nicht nur Wissenschaftler und Studenten eingeladen, mit zu demonstrieren.

Absage in Hamburg

2017 fanden weltweit die ersten Märsche in mehr als hundert Städten statt. In der US-Hauptstadt Washington D.C. protestierten Aktivisten gegen Donald Trump und sein Leugnen des Klimawandels. 2018 nehmen 15 deutsche Städte an dem internationalen Marsch teil. Im Vorfeld hatten die Veranstalter in Bremen mit 150 bis 200 Teilnehmern gerechnet. Gekommen sind letztendlich nur rund 100.

Insgesamt waren Protestmärsche in 14 deutschen Städten geplant – darunter auch in Kassel, Koblenz, Saarbrücken und Trier. Allerdings beteiligten sich nach Polizeiangaben teilweise nur eine Handvoll Menschen. In München wurden 300, in Frankfurt 500 Demonstranten gemeldet. Nach Angaben der Mitorganisatorin Kreitz seien in diesem Jahr sogar extra Demonstranten aus Niedersachsen und Hamburg nach Bremen angereist. In Hamburg musste der Marsch kurzfristig aufgrund geringer Anzahl an Hilfskräften abgesagt werden.

Universität Bremen beteiligte sich nicht

Auch Christine Klaas, Forscherin vom Alfred-Wegener-Institut, ist der Meinung, dass die Wissenschaft bisher zu bescheiden aufgetreten ist. „Die Wissenschaft muss wieder mehr in die Öffentlichkeit treten und zeigen, welche Bedeutung sie für die Allgemeinheit hat“, so Klaas. Darüber hinaus ginge es darum, Solidarität zu zeigen mit den wissenschaftlichen Kollegen in Amerika und in der Türkei. Da ginge es den deutschen Wissenschaftlern doch um einiges besser.

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Doch auch hierzulande läuft es in der Einschätzung einiger nicht ganz so, wie es sollte. Wolfram Thiemann, 80 Jahre und Wissenschaftler an der Universität Bremen, beklagt das mangelnde Engagement der deutschen Forscher. Da seien die Amerikaner im akademischen Bereich doch bei Weitem engagierter, so Thiemann. Deutschland könne sich daran ein Beispiel nehmen. „Es ist schade, dass die Qualität der Forscher heute daran gemessen wird, wie viel Geld sie einbringen“, sagt Thiemann. Ein wenig verärgert zeigt er sich auch über die Universität Bremen, die sich nicht an dem Marsch beteiligte.

Für die Überzeugung, dabei zu sein, darum geht es den Aktivisten. Aufgrund der spontanen Organisation, die zwei Wochen in Anspruch nahm, konnten die Organisatoren kaum Kooperationspartner für die Veranstaltung in diesem Jahr gewinnen. „Da wir aber ausschließlich positives Feedback erhalten haben, wird das im nächsten Jahr mit ausreichend Zeit anders sein“, so Kreitz.

Zu Sache:

Rund 1000 Menschen haben sich am Samstag in Niedersachsen an den weltweiten Kundgebungen "March for Science" beteiligt. Den Forschern, Dozenten und Studenten geht es darum, die Freiheit von Wissenschaft und Forschung zu erhalten. Der Demonstrationszug in Göttingen, an dem viele Wissenschaftler der Universität sowie verschiedener Forschungsinstitute teilnahmen, startete am Vormittag am Göttinger Wahrzeichen, dem Gänseliesel am Alten Rathaus. Etwa 750 Teilnehmer marschierten nach Polizeiangaben mit. Auf dem Zentralcampus der Universität fand die Abschlusskundgebung mit Beiträgen örtlicher Wissenschaftler statt. Auch in Braunschweig gingen Studenten und Mitarbeiter der TU auf die Straße. Die Uni Bremen beteiligte sich ebenfalls an der Aktion - rund 75 Teilnehmer zählte hier laut Polizei der "March for Science". (dpa)

+++ Zuletzt aktualisiert am 14. April um 20.57 +++

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