Prozess wird am Freitag fortgesetzt Fall Odai K.: Verteidiger zweifeln Zeugenaussagen an

Im Fall des nach einem Angriff ums Leben gekommenen 15-jährigen Odai K. schließen Anwälte der drei Angeklagten einen Tötungsvorsatz aus. Der Prozess soll am Freitag fortgesetzt werden.
26.03.2019, 19:49
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Von Kornelia Hattermann

Die Glaubwürdigkeit der Tatzeugen generell infrage stellen die Verteidiger der drei Männer, die am Neujahrstag 2017 den 15-jährigen Syrer Odai K. in Lüssum derart geschlagen haben sollen, dass er in Folge dessen starb. Die Anwälte sprechen von einem Komplott. Die Staatsanwaltschaft hat vergangene Woche hohe Haftstrafen für die drei Angeklagten wegen gemeinschaftlich begangenen Totschlags gefordert. Die Verteidigung sieht das anders: Die Forderung der Anklage ließe sich durch die bisherigen Zeugenaussagen nicht stützen, argumentieren die Anwälte am Dienstag in ihren Plädoyers vor dem Bremer Landgericht. Sie sprechen selber kein konkretes Strafmaß aus, argumentieren aber in Richtung Körperverletzung mit Todesfolge und stellen weitere Beweisanträge.

„Aufklärung erfolglos“

Den drei Männern wird vorgeworfen, den Jugendlichen Odai K. in der Nacht zu Neujahr nach einem Streit verfolgt und in einem Lokal gestellt zu haben. Sie sollen ihr Opfer gemeinschaftlich so massiv getreten und mit Fäusten geschlagen haben, dass es wenige Tage später im Krankenhaus an den Folgen verstarb. Für zwei der drei Männer fordert die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre und sechs Monate Gefängnis.

Für den dritten Angeklagten, der heute 17 Jahre alt ist, hält die Anklage eine Jugendstrafe von sechs Jahren für gerechtfertigt. Die Anwälte der Familie des Opfers, die als Nebenkläger auftritt, fordern ebenfalls die Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Totschlages.

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Die drei Angeklagten, die aus der Untersuchungshaft vorgeführt werden, hören reglos den Ausführungen der Anwälte zu, die in den Mittelpunkt stellen, dass sich die gesamte Beweisführung auf Zeugenaussagen stütze. Außer der medizinischen Protokolle gebe es „keine weiteren objektiven Spuren“, das seit Anfang Juli 2017 laufende Verfahren habe keine Sachbeweise erbracht. Es sei ein ruhiges und höfliches Verfahren, „es wurde zugehört, Anträge konnten gestellt werden“, auf der anderen Seite sei die Aufklärung erfolglos geblieben, was genau mit Odai K. passiert sei, sagte der Anwalt einer der beiden älteren Angeklagten. DNA-Spuren der Angeklagten am Opfer seien nicht gefunden worden, auch ein Schuhsohlenabdruck habe nicht zugeordnet werden können.

Anwalt hält Aussagen für nicht glaubhaft

Die Verteidiger hätten nie bestritten, dass Odai K. verletzt worden sei. Zu Lasten der Angeklagten könnten einzig die vier Schläge, die medizinisch festgestellt worden seien, gewertet werden, sagte der Anwalt. „Alle anderen Aussagen sind falsch.“ Die Zeugen hätten sich untereinander und sich selbst widersprochen. Argumente, sie hätten Angst gehabt, seien nicht glaubhaft. Dass sich die Zahl der Zeugen im Laufe des Verfahrens um zwei auf acht erhöht habe, lasse zudem auf ein Komplott schließen.

Von den „denkbar schlechtesten Zeugen, um Gerechtigkeit herzustellen“, spricht auch der Anwalt des 26-jährigen Angeklagten, und zählt die Namen derer auf, die sich zudem respektlos im Gericht verhalten hätten. Der Verteidiger kritisiert die Wortwahl des Staatsanwalts in dessen Plädoyer, der Tat wäre eine „Treibjagd“ vorausgegangen und Odai K. sei „eingekesselt“ worden. Das assoziiere Bilder, die nicht passten.

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Der Anwalt des 17-jährigen Angeklagten richtet seine ersten Worte an die Anwälte der Nebenkläger: „Es tut uns, mir leid, dass der Sohn und Bruder verstorben ist.“ Dann hinterfragt er die Ungereimtheiten im Ablauf des Geschehens bis zum Tod von Odai K. im Klinikum Mitte. Die beiden nachgemeldeten Zeugen hätten insbesondere seinen Mandanten belasten und einen Tatbeitrag zuordnen sollen.

Einen Tötungsvorsatz schließt er für den damals 15-jährigen aus, der auch nicht auf seine beiden Onkel habe einwirken können. Für seinen Mandanten, der sich seit zwei Jahren und zwei Monaten in U-Haft befinde, fordere er ein Strafmaß, das zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Der Prozess soll am Freitag, 29. März, um 13 Uhr im Landgericht fortgesetzt werden.

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