Unterwegs im Partyflair

Wie Kontrolleure gegen Falschparker an der Schlachte vorgehen

Derzeit sind Kontrolleure im Bereich der Schlachte bis in die Nacht hinein unterwegs. Pro Abend werden 15 bis 25 Autos abgeschleppt. Wir waren mitten im Partyflair unterwegs mit den Verkehrsüberwachern.
17.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie Kontrolleure gegen Falschparker an der Schlachte vorgehen
Von Sara Sundermann
Wie Kontrolleure gegen Falschparker an der Schlachte vorgehen

Ein Auto am Haken, und dahinter steht schon der nächste Abschleppwagen – an der Schlachte werden Falschparker abtransportiert.

Frank Thomas Koch

Zack, schon hängt das Auto am Haken. Keine fünf Minuten sind vergangen, seit die Kontrolleure das falsch geparkte Fahrzeug fotografiert haben, schon ist der Abschleppwagen da. Bei gelbem Warnblinklicht wird das Auto angehoben und abtransportiert.

Derzeit läuft eine Schwerpunktaktion der Innenbehörde im Bereich der Schlachte: Jeden Abend sind hier Verkehrsüberwacher im Einsatz. 15 bis 25 falsch geparkte Fahrzeuge werden täglich abgeschleppt. Wir haben eines der Kontroll-Teams begleitet: Einsatzleiter Murat Orta und seine Kollegen Kerstin Cording und Michael Zameik sind in den kleinen Straßen nahe der Weser unterwegs.

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An der Schlachte ist es an diesem Abend rappelvoll: Alle wollen draußen sitzen, Cocktails trinken, am Fluss die Sommernacht genießen. „Und viele würden am liebsten mit dem Auto bis vor ihren Tisch fahren“, sagt Orta. „Die ignorieren alle Regeln hier, das ist wirklich eine Katastrophe.“ Zuletzt dokumentierten die Kontrolleure pro Tag mehr als 70 Verstöße – und das, obwohl sie als Ordnungsamt-Angestellte nur für den ruhenden Verkehr zuständig sind: Für abgestellte Autos, die den Verkehrsfluss behindern, auf Taxi-Plätzen parken oder die Rettungswege blockieren.

Wer glaubt, dass Team Knöllchen an diesem warmen Abend von Auto zu Auto schlendert, ist im Irrtum: Im Sturmschritt sind Orta, Cording und Zameik mit ihren gelben Warnwesten in den kleinen Straßen rund um die Schlachte unterwegs. Und die drei Abschleppfahrzeuge der von der Stadt beauftragten Firma BAV sind permanent im Einsatz, pendeln unablässig von der Innenstadt zum Stellplatz in Woltmershausen. „Das soll auch Signalwirkung haben“, sagt Orta.

Reportage Unterwegs mit den Knöllchen-Jägern an der Schlachte

Die Radkralle wird an der Felge befestigt, danach wird die Kralle mit dem Kran verbunden – und das Auto hängt am sogenannten Galgen des Abschleppwagens.

Foto: Frank Thomas Koch

Deutlich mehr Verstöße als sonst

Intensive Kontrollaktionen wie diese gibt es jedes Jahr. Doch derzeit sei besonders viel zu tun, sagt Murat Orta: „Es gibt deutlich mehr Verstöße, bestimmt 50 Prozent mehr als sonst.“ Den Hauptgrund dafür sieht er in den indirekten Folgen von Corona: „Die Diskomeile ist zu, da verlagert sich das Ausgehen mehr an die Schlachte und ins Viertel. Irgendwo müssen die Leute ja hin.“

Gerade hat das Kontroll-Team wieder drei Falschparker vor sich: Die Fahrzeuge parken in der Ansgaritränkpforte. Doch die kleine Straße neben der Schlachte ist Fußgängerzone und nur tagsüber für Lieferverkehr frei. Keine fünf Minuten vergehen, dann ist der Abschleppdienst da, den die Kontrolleure informiert haben.

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Und nicht alle nehmen es gelassen, wenn ihr Wagen abtransportiert werden soll. Gerade ist Stress angesagt: Ein Paar kommt dazu, als die Abschlepper Hand anlegen wollen. Der Vorgang wird abgebrochen, gezahlt werden muss trotzdem – Bußgeld, Verwaltungsgebühr und die Anfahrt des Abschleppwagens. Der Mann nennt seine Personalien nicht – „weil ich keinen Bock drauf habe“. Er tritt gereizt auf und will einfach losfahren. Orta wählt die Nummer der Polizei. Die Freundin des Personalienverweigerers bringt diesen gerade noch davon ab, davonzudüsen und nennt ihre Daten. Orta bricht den Anruf ab, nun steht der Frau nur eine Rechnung ins Haus.

Reportage Unterwegs mit den Knöllchen-Jägern an der Schlachte

Zuletzt erteilten Kontrolleure in sieben Tagen 720 Verwarnungen – allein an der Schlachte. Hier sieht man das klassische Knöllchen.

Foto: Frank Thomas Koch

Im Handumdrehen abgeräumt

Angespannte Situationen gibt es häufiger. An der Schlachte zwischen Bürgermeister-Smidt-Brücke und Fangturm gibt es gleich mehrmals Stress, als dort im Handumdrehen acht Fahrzeuge auf 50 Metern abgeräumt werden. Sie stehen im absoluten Halteverbot. Die Straße ist schmal: „Wenn hier geparkt wird, passt da kein Rettungsfahrzeug mehr durch“, sagt Orta. Einer der Falschparker kündigt wutentbrannt an, er werde warten, ob auch alle hier Bußgelder bekämen und nicht nur er: „Ich fahre hier nicht weg, bis ihr alle Autos gemacht habt!“, ruft er zornig in die Nacht. Ein anderer, dessen Wagen um ein Haar abgeschleppt worden wäre, versucht es erst freundlich bei Murat Orta („Kannst Du nicht bitte zwei Augen zudrücken, Onkel?“), dann vergeblich mit einem kleinen Bestechungsgeld von 50 Euro und wird dann wütend.

Ruhig bleiben und deeskalieren gehört zu den Berufstugenden der Kontrolleure, dafür werden sie auch geschult, erzählt Orta. „Manche gehen schnell in den Angriffsmodus. Und je später der Abend, desto kreativer die Sätze. Meine Aufgabe ist es auch, mein Team hier immer heile rauszubringen“.

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Aber es gibt auch freundliche und witzige Begegnungen für die Ordnungshüter inmitten des Partygetümmels – „und die überwiegen zum Glück“, sagt Orta. Während ein Teil der Falschparker wegen eines Bußgelds an die Decke geht, rühren direkt daneben Restaurantbesucher genüsslich in ihren Cocktails. Kleingruppen junger Leute sitzen mit Shisha am Flussufer. Zwei junge Männer fragen, ob man hier parken darf. „Nein“, sagt Michael Zameik. „Wie lange seid Ihr unterwegs?“, fragt der Mann und grinst. „Lange“, sagt Zameik und grinst zurück. Zwei Frauen in langen Sommerkleidern fragen lachend, ob die Kontrolleure und die Fahrer vom Abschleppdienst sie mitnehmen. „War das Date so schlecht?“, fragt einer der Ordnungshüter zurück.

Ob es später, nach Mitternacht, hier noch ein Feierabendbier für die Kontrolleure an der Schlachte gibt? Orta winkt ab: „Lieber nicht, da werden wir noch erkannt.“ Er grinst. „Bei der Beliebtheit kommen wir kurz nach der Zahnfee...“ Der Einsatzleiter stellt klar: „Wir sorgen für Ordnung und freie Rettungswege, wir sind an der frischen Luft, an der Weser – ich glaube, es gibt schlechtere Jobs.“

Info

Zur Sache

Wo die Stadt besonders stark kontrolliert

Schwerpunkteinsätze, bei denen gezielt besonders stark in bestimmten Stadtgebieten Falschparker kontrolliert werden, gibt es in Bremen jedes Jahr. Sie finden nicht nur rund um die Schlachte statt, sondern zum Beispiel auch im Viertel. Solche intensiven Kontrollen der Innenbehörde gibt es zum Beispiel regelmäßig bei Festen wie dem Freimarkt, dem Weihnachtsmarkt oder dem Vegesacker Hafenfest. Etwa 30 Verkehrsüberwacher sind nach Angaben von Einsatzleiter Murat Orta in der Stadtgemeinde Bremen im Einsatz.

Wer sein Auto nicht mehr vorfindet und falsch geparkt hat, kann es auf dem Stellplatz an der Simon-Bolivar-Straße in Woltmershausen abholen. Das dortige Büro, bei dem man Bußgelder bar und mit Karte bezahlen kann, ist Orta zufolge 24 Stunden geöffnet.

Parken auf Taxistand-Plätzen oder im Halteverbot kostet 15 Euro, auf dem Gehweg werden 20 Euro fällig und in der Fußgängerzone 30 Euro. Hinzu kommt eine Verwaltungsgebühr von 58 Euro. Wer abgeschleppt wird, muss zusätzlich 191 Euro zahlen.

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