Weltkindertag 2014: Kinder der Familie Lippke wachsen in einem multikulturellen Umfeld auf Familienleben auf dem Campus

Kinder wachsen in der Region unter unterschiedlichsten Bedingungen auf. Es sind Kinder in betreuten Wohngruppen, Kinder in Großfamilien, Kinder in sozialen Brennpunkten und Kinder auf dem Jacobs-Campus. Vier Porträts geben Einblick. Heute: die Campus-Familie.
22.09.2014, 00:00
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Familienleben auf dem Campus
Von Patricia Brandt

Kinder wachsen in der Region unter unterschiedlichsten Bedingungen auf. Es sind Kinder in betreuten Wohngruppen, Kinder in Großfamilien, Kinder in sozialen Brennpunkten und Kinder auf dem Jacobs-Campus. Vier Porträts geben Einblick. Heute: die Campus-Familie.

„Miranda ist ein richtiges Campus-Kind“, sagt ihre Mutter Sonia Lippke. Die Zweijährige wurde zwar nicht auf dem Gelände der Jacobs University geboren, aber dort verbringt sie seit ihrer Geburt den Großteil des Tages. Wenn ihre Mama Vorlesungen hält oder an Forschungsprojekten arbeitet, besucht Miranda die bilinguale Kindertagesstätte „Kids at Jacobs“ auf dem Campus. Wie vor ihr ihre Brüder Dion (7) und Finley (6).

Die Professorin für Gesundheitspsychologie ist bemüht, Familien- und Berufsleben zu vereinbaren. „Wir versuchen morgens immer gemeinsam zu frühstücken“, berichtet Sonia Lippke bei einer Tasse Kaffee im Friseur. Der Friseur ist ein Café auf dem Campusgelände. Ein Besuch des Friseurs sei für die Kinder immer „ein Highlight“. Dion bestellt auch gleich Eis, Finley und Miranda Kuchen.

40 Stunden die Woche und „meist mehr“ ist die Professorin an der Jacobs University beschäftigt. Manchmal muss sie Forschungsreisen antreten, wie demnächst, wenn sie Unternehmensworkshops in elf deutschen Städten anbietet. „An drei Tagen in der Woche haben wir eine Kinderfrau, ohne die würde es nicht gehen“, sagt die Mutter dreier Kinder.

Dazu hilft phasenweise auch eine Studentin als Babysitter aus, und regelmäßig sind auch die Omas und Opas der Familie im Einsatz. Eine Kinderfrau habe bei der Familie angefangen, als Miranda vier Monate alt war. „Sie hat Miranda über den Campus geschoben und sie zu mir zum Stillen ins Büro gebracht. Das war mir wichtig“, sagt Sonia Lippke.

Seitdem sie sechs Monate alt ist, besucht das blonde Mädchen die Kindergruppe der Elterninitiative. Auch Dion und Finley gehörten mal zu den „Kids at Jacobs“, wo Jungs und Mädchen zum Beispiel aus der Ukraine, Polen und Südafrika zusammentreffen. „Dass, was wir an der Jacobs University lehren, Diversität, wird da gelebt. Es geht darum, zu verstehen, dass die Welt größer ist als Deutschland.“

Die Campus-Familie hat eine Zeit in den Niederlanden gelebt, davor in Berlin. Für die beiden Jungs bedeutet die Berufstätigkeit der Mutter, dass sie bis 16 oder auch mal bis 17 Uhr im Hort der Grundschule in St. Magnus bleiben. Wenn nicht gerade Oma- und Opa-Tag oder Mama-Papa-Tag ist: „Einmal in der Woche versuche ich, die Kinder zu normalen Zeiten, also zwischen 13 und 16 Uhr abzuholen“, berichtet Sonia Lippke.

Englisch nur bei Besuch

Wenn alle im Haus nahe Knoops Park beieinander sind, der Vater Jens Rademacher arbeitet als Mathematiker an der Uni Bremen, genießen sie Familienzeit: „Wir verzichten bewusst auf einen Fernseher“, berichtet Sonia Lippke. „Wir gucken aber manchmal auf dem Computer“, verrät Dion. Finley erzählt, dass er „Shaun, das Schaf“ und „Logo“ oder „pur plus“ schaue. Oft unternimmt die Familie Radausflüge. Gerne besuchten sie auch die Bibliotheken in Vegesack und Lesum, berichtet die Mutter. „Papa hat mit uns einen Tischkicker gebaut“, fällt Finley zwischendurch ein. Aus alten Brettern. „Dann ist wieder Platz im Keller“, sagt Dion. Wenn er nicht gerade mit seinem Vater sägt und hämmert, dann spielt er gerne im Garten Fußball und springt auf dem Trampolin. Manchmal baut er auch mit seinem kleinen Bruder Lego: „Aber wir spielen nicht so oft zusammen. Meistens nur, wenn Oma und Opa da sind“, meint er.

Anders als andere Kinder haben die beiden keinen Terminstress mit Vereins- oder Musikschulangeboten am Nachmittag. „Wir versuchen eher Angebote der Schule zu nutzen. Die Richthofenschule legt ihren Schwerpunkt auf Musik. Dion spielt das Metallofon“, berichtet Sonia Lippke. Mit den Großeltern gehen die Kinder oft schwimmen. Dion hat schon sein Bronze-Abzeichen und Finley das Seepferdchen.

Die Kinder sind mittlerweile vom Tisch aufgestanden, rennen mit ihrem Opa über die Wiese vor dem Friseur. Mit dem Campusleben haben die Jungs alltags nicht viel zu tun. Doch, wenn die Uni zum Tag der offenen Tür lädt, dann sind sie dabei. „Es ist mir wichtig, dass sie diese Gelegenheiten nutzen. Beim letzten Mal haben sie Kuchen verkauft“, berichtet ihre Mutter. Wie an der Privatuniversität üblich, wird auch Zuhause schon mal englisch gesprochen: „Wir sprechen mit den Kindern aber nur englisch, wenn wir Besuch haben, nicht zu Übungszwecken. Das wollen wir nicht – denn uns kommt das zu künstlich vor.“

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