Serie: Die Frühlingsmacher Familientradition auf dem Wochenmarkt

Möhren, Tomaten, Gurken und Eier reihen sich im Gemüsestand von Tom Schreimel ordentlich geordnet aneinander. Außer sonntags und montags steht er jeden Tag auf dem Wochenmarkt am Domshof.
29.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Isabel D'Hone

Möhren, Tomaten, Gurken und Eier reihen sich im Gemüsestand von Tom Schreimel ordentlich geordnet aneinander. Außer sonntags und montags steht er jeden Tag auf dem Wochenmarkt am Domshof.

„Nur im Dezember mache ich eine Pause, weil dann hier der Weihnachtsmarkt ist“, sagt er. „Im Frühling wird das Gemüse günstiger und vielfältiger.“ Dann gibt es bei ihm Rhabarber, Spargel, Frühlingszwiebeln, Tomaten und Gurken. Im Winter kommt die Ware aus dem Gewächshaus, deshalb freut er sich, wenn er sie wieder von Bauern aus der Region anbieten kann. Rhabarber sei ein typisches Gemüse der Jahreszeit, sagt er. „Dann merke ich, dass es Frühling wird.“

Am beliebtesten sind bei ihm die grünen Bohnen. „Besonders wenn ich welche aus Deutschland habe, verkaufen die sich richtig gut“, sagt der 32-Jährige. Im Winter gebe es dagegen eher Kartoffeln, Möhren, Kohlrabi und Rote Beete zu kaufen. Das meiste Gemüse verkauft er im Herbst zur Erntedankzeit. Seit zehn Jahren gehört Schreimel der Gemüsestand. Nebenan steht der Obststand seiner Eltern. Die Arbeit auf dem Wochenmarkt ist eine alte Familientradition. Schon sein Großvater verkaufte nach dem zweiten Weltkrieg Blumen auf dem Markt. Später widmete Tom Schreimels Vater sich dann dem Obst – und schließlich kam das Gemüse hinzu.

Erdbeeren ab April

„Mein Gemüsestand hat keinen Namen. Ich habe schon drüber nachgedacht, aber ,TomEi‘ fand ich dann nicht so überzeugend“, sagt Schreimel und lacht. Im Frühling sei es eigentlich viel schöner auf dem Markt und natürlich wärmer. Aber derzeit ist seine Mutter Sonja Hoberg unglücklich mit dem Wetter: „Es ist nass und kalt. Ich freue mich, wenn es warm wird. Im Moment bin ich angezogen wie im Winter.“

Für Erdbeeren sei es im Moment noch zu kalt, Ende April rechnet sie mit den ersten Früchten. „Ich verkaufe am liebsten Erdbeeren aus der Region. Die aus Spanien sind hart und schmecken noch nicht mal mit Zucker“, sagt sie. Der erste Spargel komme schon früher, zurzeit sei er aber auf dem Großmarkt noch zu teuer. „Das Frühjahr ist eine schwierige Jahreszeit für Obst“, erzählt Hoberg. „Das meiste kommt erst im Sommer, wenn es schön warm ist.“

Ihre Kundin Claudia Heufers-Darkwa kauft fast alle Lebensmittel auf dem Wochenmarkt. „Ich habe bestimmte Stände, zu denen ich immer gehe. Auf dem Wochenmarkt bekomme ich fast alles“, sagt sie. „Eigentlich gebe ich hier weniger Geld aus als im Supermarkt.“ Sie kaufe auf dem Markt nur das, was sie auch wirklich brauche, anders als im Einkaufsladen. Dort gebe es viel mehr Produkte, die zum Kaufen verleiteten.

Große Auswahl an Blumen

Auf dem Blumenmarkt macht Antje Saarloos gerade die Orchideengestecke fertig. Der „Holländische Blumenkönig“ steht – außer von Dezember bis Februar – sechs Tage die Woche auf dem Unser-Lieben-Frauen-Kirchhof. „Meistens kommen wir in der ersten Märzwoche wieder. Weil es dieses Jahr so kalt war, sind wir erst seit der zweiten Woche da“, erzählt die 52-jährige Ehefrau des Besitzers. „Im Frühling haben unsere Kunden bessere Laune“, sagt sie. „Die Stadt ist voller, wir haben fast doppelt so viele Kunden im Vergleich zum Winter.“

Sonntags hat sie Zeit, sich um die Buchhaltung zu kümmern, während ihr Mann in Hamburg auf dem Fischmarkt ist. Um die hundert verschiedenen Blumen bietet der Stand an. „Im Winter verkaufen wir auch Blumenzwiebeln zum Einpflanzen“, sagt sie. Am schönsten sei es, wenn Kunden nach der Winterpause sagten: „Wir haben Sie schon vermisst. Ohne die Marktstände ist der Domshof so leer.“ Seit über 30 Jahren gibt es den Blumenstand. „Kurz vor Ostern und Muttertag fängt der Stress wieder an“, sagt Saarloos. „Dann kaufen die Menschen sehr viele Blumen. Aber das ist nach der Pause im Winter auch wieder schön.“

Larissa Sokolova kauft zwei bis drei Mal im Jahr Blumen auf dem Markt. „Heute suche ich schöne Stiefmütterchen für den Friedhof“, erzählt die 74-Jährige. „Hier gibt es einfach eine größere Auswahl als im Supermarkt.“

Frühlingsgefühle auf dem Markt

Selbst gemachte Nudeln und Soßen bietet „Die Nudelei“ immer donnerstags. Heidrun Bruns ist als Verkäuferin lange dabei. Besonders gerne berät sie die Kunden zu den Nudelsorten und den passenden Soßen. Sie mag Maultaschen mit Birne-Senf und Ricotta-Zitrone. „Dazu schmeckt Salbei-Butter“, sagt die 68-jährige Verkäuferin. „Aber die Geschmäcker sind natürlich verschieden. Wir stellen alle Produkte selbst her.“ Seit 15 Jahren gibt es den Betrieb, seit knapp drei Jahren steht „Die Nudelei“ auf dem Domshof. Im Frühling, so sagt sie, verändere sich das Bild des Marktes: Es seien viel mehr Menschen unterwegs, die gemütlich an den verschiedenen Ständen entlang schlendern, erzählt Bruns. „Ich mag den Winter nicht. Wenn wir in unserem Stand stehen ist es sehr kalt. Im Frühling sind die Menschen einfach froh, dass der Winter endlich vorbei ist.“

Der Wochenmarkt auf dem Domshof und der Blumenmarkt auf dem Unser-Lieben-Frauen-Kirchhof haben Montag bis Freitag von 8 bis 14 Uhr geöffnet, und am Samstag von 8 bis 15 Uhr.

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