Ostkurvensaal im Weserstadion Fan-Projekt macht mutmaßlichen rechten Vorfall publik

Das Fan-Projekt Bremen e.V. im Bremer Weserstadion soll am Sonntag Ort eines rechten Vorfalls geworden sein.
15.06.2016, 11:54
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Fan-Projekt macht mutmaßlichen rechten Vorfall publik
Von Pascal Faltermann

Das Fan-Projekt Bremen e.V. im Bremer Weserstadion soll am Sonntag Ort eines rechten Vorfalls geworden sein.

Der Verein Fan-Projekt Bremen macht einen Vorfall am Bremer Weser-Stadion öffentlich und vermutet einen rechten Hintergrund. Demnach soll eine elfköpfige Gruppe vermummt, mit grün-weißen Sturmmasken und in schwarzer Kleidung vor dem Saal des Weserstadions posiert haben. Die Unbekannten sollen sich am Sonntag, 12. Juni, morgens gegen 7 Uhr, auch fotografiert und Aufkleber mit dem Schriftzug „Fuck Refugees“ rund um das Stadion auf Wände geklebt haben.

Dass es zu einem Vorfall kam, bestätigen die Sprecher von Polizei und Innenbehörde. Ob tatsächlich Straftaten begangen wurden und ob diese politisch motiviert waren, könne derzeit aber noch nicht gesagt werden. Die Ermittlungen der Polizei laufen in alle Richtungen, und auch der Staatsschutz ist eingeschaltet. Derzeit gebe es noch unterschiedliche Aussagen zu dem Geschehnis am Sonntagmorgen, teilt Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innensenators, mit. Es wurden verschiedene Angaben zu den aufgeklebten Stickern gemacht, die sich entweder gegen Flüchtlinge oder gegen die Antifa-Szene richten.

Unterschiedliche Aussagen

Brisanz entwickelt die Situation vor dem Hintergrund, dass ab 9 Uhr ein Fußballturnier unter dem Titel „Welcome Friends“ in der Pauliner Marsch für Flüchtlinge und Werderfans ausgetragen wurde. Mitglieder von Werder Bremen, dem Schulzentrum Utbremen und dem Verein Fan-Projekt Bremen organisierten die Sportveranstaltung, an der Flüchtlinge aus verschiedenen Einrichtungen in der Stadt teilnahmen. „Durch den Vorfall hatten wir ein ungutes Gefühl während des Turniers“, sagt Thomas Hafke vom Fan-Projekt Bremen. Die möglicherweise als Provokation und Einschüchterungsversuch gedachte Aktion soll aber keinen Einfluss auf die Arbeit des Vereins haben. „Von Intoleranz und Fremdenhass einiger Menschen werden wir uns auf unserem fruchtbaren Weg ganz sicher nicht beirren lassen“, schreibt der Verein auf seiner Homepage.

Das Fan-Projekt Bremen engagiert sich laut eigenen Angaben seit 2006 in der Flüchtlingshilfe und hat sich den Aufgaben in den vergangenen Jahren verstärkt gewidmet. Das Engagement des Vereins habe bereits vielen Geflüchteten bei ihrer Integration geholfen und biete eine „wichtige Perspektive gerade für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge“. Als Beispiele werden gemeinsame Fahrten von Fans und Flüchtlingen zu Spielen des SV Werder Bremen, Begegnungsveranstaltungen, Fußballturniere oder praktische Hilfen im Alltag der Flüchtlinge genannt. Zahlreiche Projekte würden in Kooperation mit dem SV Werder Bremen durchgeführt.

Der Verein geht mit dem Vorfall an die Öffentlichkeit, weil gerade in letzter Zeit die Aktivitäten von Rechtsextremisten in Bremen wieder zugenommen hätten. Das zeige auch das Beispiel der Mahnmal-Schändung an der Gedenkstätte Bunker Valentin in Bremen-Nord, heißt es in der Mittteilung. Die Täter hatten dort zudem mit einer Schablone einen Spruch aufgesprüht, der sich gegen die Antifa richtete.

In den vergangenen Monaten hat es laut Nils Matthiesen, Sprecher der Polizei Bremen, in der Szene vermehrt Übergriffe von aggressiven Fußballfans gegeben. Diese seien sowohl aus der linken wie auch aus der rechten Szene gekommen. Bei einem Überfall eines Mannes Ende Mai in der Neustadt sei die Gewalt von einer linksextremen Gruppe ausgegangen.

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