FAQ

Was an Vorteilen gegenüber veganer Ernährung dran ist

Viele Menschen, die sich anders ernähren als der Durchschnitt, müssen sich häufig rechtfertigen. Wir haben überprüft, was an den Vorurteilen gegenüber Veganismus dran ist.
01.11.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Was an Vorteilen gegenüber veganer Ernährung dran ist
Von Rebecca Sawicki
Was an Vorteilen gegenüber veganer Ernährung dran ist

Vorurteile gegenüber veganer Ernährung gibt es etliche. Wir haben sie überprüft und geschaut, was wirklich dran ist.

Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Vorurteile gegenüber der rein pflanzlichen Ernährung gibt es etliche. Auf der Facebookseite des WESER-KURIER haben wir mit Hilfe unserer Leserinnen und Leser einige gesammelt und von Marie Ahluwalia, einer Ernährungsexpertin des Netzwerkes Ernährungs-therapie.net sowie Achim Spiller, Agrarökonom an der Universität Göttingen, checken lassen. In diesem Faktencheck wollen wir Ihnen zeigen, was an den Vorurteilen gegenüber der Ernährungsform letztlich dran ist.

Vorurteil: Vegan lebenden Menschen fehlen nahezu alle wichtigen Nährstoffe.

Stimmt zum Teil. Wie die Ernährungsmedizinerin Marie Ahluwalia erklärt, können die meisten kritischen Stoffe auch durch pflanzliche Produkte aufgenommen werden. Kritisch ist es nur bei dem Vitamin B12. Hier empfiehlt die Expertin eine Supplementierung, am besten direkt mit einem Vitamin-B-Komplex-Präparat.

Vorurteil: Ohne Fleisch wäre die Menschheit nicht dort, wo sie heute ist.

Nicht sicher. Die Forschung ist sich nicht einig, ob die Menschheit in ihrer Entwicklung auf Fleisch angewiesen war. Allerdings hat die Neurowissenschaftlerin Suzana Herculano-Houzel vor einigen Jahren die Theorie aufgestellt, dass die Entwicklung des Homo Sapiens vor allem mit der Erfindung des Feuers und des Kochens einherging. Das könnte implizieren, dass nicht unbedingt die Nährstoffe des Fleisches wichtig waren, sondern viel mehr die der Pflanzen, die nur im gekochten Zustand vom Menschen aufgenommen werden können. Wie zu Anfang allerdings erwähnt, sind sich Wissenschaftler bis heute nicht einig, was der ausschlaggebende Punkt für die Entwicklung hin zum modernen Menschen war.

Vorurteil: Der Sojakonsum ist schlecht für den Regenwald.

Stimmt nicht. Brasilianisches Soja wird vor allem für Tiernahrung verwendet. Das dortige Problem: Die Pflanze wird in Monokultur angebaut und zerstört dadurch Anbauflächen. Wie der Agrarökonom Achim Spiller erklärt, kommt Soja, welches von Europäern direkt konsumiert wird, aus Europa.

Vorurteil: In Soja sind viele weibliche Hormone, dadurch ist es ungesund.

Stimmt nicht. In einer Studie der Harvard Medical School wird laut Maria Ahluwalia dargelegt, dass Soja zwar Isoflavone, die dem weiblichen Östrogen ähnlich sind, enthält. Diese sollen aber als Blocker fungieren und dadurch gerade in östrogenreichen Phasen des Lebens unterstützend auf den Körper wirken.

Vorurteil: Eine rein pflanzliche Ernährung ist für Menschen ungesund.

Stimmt nicht. Der Mensch ist dazu ausgelegt, pflanzliche Nahrung zu verdauen. Wie Maria Ahluwalia klarstellt, sollte die Ernährung in großen Teilen pflanzlich basiert sein. Die Art und Weise wie sich westliche Zivilisationen ernähren, sei nicht natürlich. Grund dafür: Die Ernährung beinhalte zu viele tierische Lebensmittel und sei zu eintönig. Ahluwalia ist sich allerdings nicht sicher, ob die Ernährungsweise rein pflanzlich sein muss. Eher glaubt sie, dass eine Ernährung die zu 90 Prozent aus pflanzlichen Produkten besteht, am natürlichsten sei.

Vorurteil: Durch den Verzicht auf tierische Produkte werden Nutztiere Aussterben.

Nicht sicher. Wie der Agrarökonom Achim Spiller betont, braucht es eine Weile, ehe ein Tierart ausstirbt. Auffällig sei außerdem, dass beispielsweise Geflügelzucht mittlerweile ein Hobby ist, bei dem die Schlachtung der Tiere nicht im Vordergrund steht. Problematischer sieht er das Überleben von Grünflächen und der damit verbundenen ökologischen Nische, sollten Kühe und Schafe nicht mehr gehalten werden. Denn grasen Kühe und Schafe Weiden und Almen nicht mehr ab, werden diese von Büschen und Bäumen zurückerobert. Außerdem können nur Tiere Gras verstoffwechseln, für Menschen hingegen müssten die Flächen für den Anbau nutzen, um sie verwerten zu können.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+