Halbzeit für den ADFC-Mängelmelder

Fast 1000 Hürden für Radfahrer in Bremen gemeldet

Schild verdeckt? Schlagloch in der Piste oder ein zugeparkter Radweg? Der von der Verkehrssenatorin geförderte ADFC-Mängelmelder hat Halbzeit. Nach der Dokumentationsphase sind jetzt die Behörden gefragt.
24.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Fast 1000 Hürden für Radfahrer in Bremen gemeldet
Von Justus Randt
Fast 1000 Hürden für Radfahrer in Bremen gemeldet

Am Sielwall, hier in Höhe der Straße Im Krummen Arm, haben sowohl Radfahrer als auch Fußgänger etwas an der Radverkehrsführung auszusetzen.

Justus Randt

Halbzeit für den Online-Mängelmelder. Im August 2019 war das auf zwei Jahre angelegte Sofortmeldesystem für Probleme, die Radfahrerinnen und Radfahrern auf ihren Wegen auffallen, an den Start gegangen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in Bremen, der das an die Müllmelde-App der Bremer Stadtreinigung angelehnte System betreut, wird mit 20.000 Euro aus dem Mobilitätsressort unterstützt. Nach einem Jahr sind knapp 1000 Meldungen erfasst worden. Ein Großteil dieser Mängel steckt nach wie vor im Status „dokumentiert“, ist also noch nicht behoben. Das soll sich nun, im zweiten Projektjahr, ändern.

Anders als Nachrichten, die über den bewährten Müllmelder abgesetzt werden, um zum Beispiel illegale Ablagerungen bekanntzumachen, haben Verkehrsmängel mehrere mögliche Adressaten. Am häufigsten sind das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) und das Innenressort gefordert. Per Smartphone können Radler fehlende Verkehrsschilder, Schäden an Radwegen und auch Falschparker melden, die ihnen den Weg versperren.

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Auf seiner Mängelmelder-Seite erklärt der ADFC das Anliegen so: „Unser Ziel ist es, zu dokumentieren, wo etwas verbessert werden kann oder sogar muss. Wir erarbeiten derzeit Prozesse zur Weitergabe der gemeldeten Mängel an die zuständigen Stellen.“ Und es folgt der Hinweis: „Bitte beachten Sie, dass es daher eine Weile dauern kann, bis die Mängel von der Karte verschwinden.“ Akute Gefahren sollten direkt an das ASV oder die Polizei gemeldet werden.

Seit Kurzem sei die Kooperation mit der Ordnungsbehörde einen großen Schritt vorangekommen, sagt ADFC-Verkehrsreferent Albrecht Genzel: „Da läuft jetzt monatlich eine Übergabe. Zuletzt ist die Behörde ja verstärkt das Falschparken angegangen.“ Abgeschleppt wurde vor allem an der Schlachte und im übrigen Innenstadtbereich, und zwar meist, um Rettungswege freizubekommen. „Man wird nicht jeden gemeldeten Radwegparker verfolgen“, sagt Genzel. Vielmehr gehe es darum, aus der Summe der Meldungen Erkenntnisse abzuleiten, „ob bauliche oder konzeptionelle Veränderungen sinnvoll wären“. Der ADFC will die Zusammenarbeit auch mit dem ASV intensivieren. „Einen Termin haben wir schon.“

Gemeinsame Interessen

Schon seit Beginn des Mängelmelderprojekts zeichnen sich gemeinsame Interessen unter anderem mit dem Bremer Ableger des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland (Fuss) ab. Dessen Sprecherin Angelika Schlansky hat beim Beirat Mitte/Östliche Vorstadt angeregt, den Radweg vom Osterdeich zur Sielwallkreuzung zwischen der Einmündung Im Krummen Arm und der Sielwallkreuzung, zu entwidmen.

„Auf der Straße sind bereits Fahrradpiktogramme. Und dadurch, dass aufgesetztes Parken für Autofahrer erlaubt ist, ist es einfach zu eng. Radfahrer weichen auf den sowieso engen Gehweg aus“, hat Schlansky festgestellt. Eine der ersten Radler-Mängelmeldungen beim ADFC, die ebenfalls noch nicht über den Status „dokumentiert“ hinausgekommen ist, lautete: „Diese handtuchbreite gefährliche Radwegattrappe gehört dringend entfernt.“

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Die Spitzenreiter unter den gemeldeten Problemen sind bislang Wegeschäden mit 198 Meldungen. 149 Meldungen beziehen sich auf Schwierigkeiten an Ampeln mit Autos, Fußgängern oder anderen Radfahrern, in 140 Fällen geht es ums Falschparken auf Radwegen oder beispielsweise an Kreuzungen. Alle zusammen machen etwa die Hälfte der Hinweise aus. Die übrigen beziehen sich auf die weiteren, automatisch mit Symbolen auf dem Stadtplan markierten Meldungen. Zu den Kategorien zählen „Sicherheitsempfinden und Konflikte“, womit auch „Geisterradler“ gemeint sind, und beispielsweise Baustellen, Fahrradparken, Winterdienst oder Einbahnstraßen.

„Wir glauben, es gibt ein großes Potenzial von Leuten, die Rad fahren würden, denen das aber aus subjektiven oder objektiven Gründen zu unsicher ist“, hatte Albrecht Genzel zum Projektstart gesagt. „Wir wollen wissen, was den ganz normalen Radfahrer stört und was ihm aus Laiensicht auffällt.“ Inzwischen konnte der ADFC feststellen, dass die Beteiligung in den Stadtteilen sehr unterschiedlich ist: Ganz vorn liegt die Neustadt (149 Meldungen), es folgen Walle (136), Mitte (100) und Schwachhausen (95). Unter ferner liefen rangieren Burglesum mit sechs und Osterholz mit nur fünf Mängelmeldungen. Ein gutes Zeichen? Albrecht Genzel ist überzeugt, „dass es mehr Probleme als Meldungen gibt“.

Weitere Informationen

Wer als Radfahrer in Bremen etwas zu melden hat, findet hier die Mängelmelder-Seite.

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