Gewoba will Passivhaus errichten

Fast 50 Wohnungen am Utbremer Ring in Findorff geplant

Auf dem brachliegenden Grundstück am Utbremer Ring soll wieder ein Mehrfamilienhaus entstehen. Die Gewoba will dort ein Passivhaus errichten. Zusätzlich soll neben dem Recyclinghof ein Neubau entstehen.
11.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Vor dreieinhalb Jahren hat sich für die Bewohner eines Mehrfamilienhauses am Utbremer Ring ein Drama abgespielt: Wegen Einsturzgefahr haben sie von heute auf morgen ihr Zuhause aufgeben müssen. Auf demselben Grundstück will die Gewoba nun ein Passivhaus errichten.

Günstige Mieten verspricht sie dafür nicht. Preiswert wohnen können soll man jedoch in der Nachbarschaft: Auf der Grünfläche neben dem Recyclinghof plant die Gewoba einen viergeschossigen Neubau.

Fast vier Jahre lang hat die Adresse Utbremer Ring 229/231 nicht existiert. Nun will die Gewoba auf dem Grundstück wieder bauen. Dort, wo im Februar 2011 elf Wohnungen von einem Tag auf den anderen geräumt werden mussten, könne in zwei Jahren ein Neubau bezugsfertig sein, berichtete ein Gewoba-Vertreter dem Findorffer Ausschuss „Bau, Verkehr und Umwelt“.

Auf dem 1200 Quadratmeter großen brachliegenden Gewoba-Grundstück am Utbremer Ring solle ein viergeschossiger Neubau mit insgesamt 16 Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen entstehen, erklärte Gewoba-Projektleiter Johann Christian Plagemann. Bis auf die Maisonettewohnungen im Obergeschoss werden die Wohnungen Größen zwischen 60 und 128 Quadratmetern haben. Bei Bedarf könnten sie rollstuhlgerecht zugeschnitten werden. Die Höhe des Hauses werde den Nachbargebäuden angepasst, so Plagemann. Gebaut werde nach einer besonders energieeffizienten Passivhaus-Bauweise.

Baustart 2015

Der Bauantrag ist bereits gestellt, mit einem Baubeginn rechnet das Unternehmen für die zweite Hälfte des kommenden Jahres. Bezugsfertig wäre das Haus dann im Herbst 2016, so Plagemann. Die Gewoba habe mit der Vermarktung ihres „Findorffer Passivhauses“ begonnen und sei damit bereits auf reges Interesse gestoßen.

In Findorff erinnern sich noch viele an das wird man sich noch an das Drama vor dreieinhalb Jahren: Von einem Tag auf den anderen mussten die damaligen Bewohner des Hauses am Utbremer Ring ihre Wohnungen für immer räumen. Auf einer kurzfristig einberufenen Anwohnerversammlung hatte die Gewoba sie davon in Kenntnis gesetzt, dass ihr Haus einsturzgefährdet und nicht mehr zu retten sei. Das Haus war Mitte der 50er-Jahre ohne ausreichend stabile Gründung auf einer sogenannten „Torflinse“ errichtet worden – einem kleinen, linsenförmigen Moorgebiet.

Im Laufe der Jahrzehnte hatte das kalklösende Grundwasser dem Fundament bereits so stark zugesetzt, dass das Haus abgesackt war. Am Folgetag verließen sämtliche der zumeist älteren Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wohnungen und wurden teilweise in Gästewohnungen oder in Hotels untergebracht. Wie Plagemann auf Nachfrage berichtet, sei ihnen damals innerhalb kurzer Zeit alternativer Wohnraum vermittelt worden.

9,50 Euro pro Quadratmeter

Auch wenn die künftigen Bewohner bei den Energiekosten deutlich sparen können: Günstig werden die Neubauwohnungen am Utbremer Ring nicht sein. Die Gewoba kalkuliert mit Quadratmeterpreisen um 9,50 Euro. Für bezahlbareren Wohnraum hat das Unternehmen allerdings potenzielles Bauland in unmittelbarer Nachbarschaft im Visier: Auf dem tortenförmigen Grundstück neben dem Findorffer Recyclinghof, an der Ecke Kissinger Straße/Utbremer Ring, könnte ein Neubauprojekt mit 30 Wohnungen entstehen, die Hälfte davon im sozial geförderten Segment.

In der Gewoba-Planungsabteilung hat das Vorhaben bereits Gestalt angenommen: von der Ausrichtung der Wohnungen Richtung Süden bis zur begrünten Tiefgarage. Der zweite Bauabschnitt könne günstigstenfalls Anfang 2016 beginnen und Mitte 2017 beendet sein, sagte Plagemann. Spruchreif sei das indes noch nicht. Zunächst müsse unter anderem geprüft werden, ob Baurecht, Baugrund und Lärmschutz das Wohnen auf dem Areal zulassen. Er kündigte an, dass er den Findorffern Anfang des kommenden Jahres über den Stand der Dinge berichten werde.

Die Mitglieder des Bauausschuss hatten gegen neue Wohnungen für den Stadtteil grundsätzlich nichts einzuwenden. Christian Gloede (Linke) appellierte allerdings an die Gewoba, vor allem ihr Angebot an günstigem Wohnraum im Stadtteil auszubauen. Ulf Jacob (Grüne) gab zu bedenken, dass das Grundstück an der Kissinger Straße eigentlich als Ausgleichsfläche für den Bau des Recyclinghofs im Jahr 1996/97 ausgewiesen worden war. Im Falle einer Bebauung verlangt er daher andere Grünflächen im Stadtteil.

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