Abbiegeassistenten Städtische Flotte wird umgerüstet

Immer mehr städtische Lastwagen in Bremen sind mit einem Abbiegeassistent ausgestattet. Bei der BSAG sind 60 Busse mit dem System hinzugekommen. Das Verkehrsressort sieht sich auf einem guten Weg.
09.04.2021, 05:00
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Städtische Flotte wird umgerüstet
Von Pascal Faltermann

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, wenn Lastwagenfahrer beim Abbiegen andere Verkehrsteilnehmer übersehen. Abbiegeassistenten in schweren Nutzfahrzeuge sollen in solchen Fällen Menschenleben retten. In Bremen verfügen immer mehr Lastwagen von Behörden und öffentlichen Unternehmen über diese technischen Systeme. Bei der Bremer Stadtreinigung oder dem Abwasserentsorger Hansewasser ist man mit der Ausrüstung so gut wie fertig. Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG), Polizei und Feuerwehr ziehen gerade nach.

„Wir sind auf einem guten Weg, alle städtischen Lastwagen mit dem System auszustatten“, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Bremer Verkehrsressorts. „Insbesondere die Fahrzeuge, die viel in den Quartieren unterwegs sind wie beispielsweise Müllwagen, sind damit ausgerüstet.“ Bei der Bremer Stadtreinigung (DBS) soll in Zukunft der Fuhrpark der Abfalllogistik ausschließlich aus Euro-6-Fahrzeugen (Abgasnorm) bestehen. Aus diesem Grund werden nach und nach neue Wagen eingekauft. „Von den insgesamt 85 Fahrzeugen wurden 62 im Jahr 2019 neu beschafft“, sagt DBS-Pressesprecherin Antje von Horn. Alle neuen Fahrzeuge verfügen laut der Sprecherin über einen Abbiegeassistenten. „Die Fahrzeuge aus dem Bestand sind überwiegend mit dem System nachgerüstet worden“, sagt von Horn. Zusammenfassend lasse sich sagen, dass alle relevanten Lastwagen der Abfalllogistik mit einem Assistenten ausgestattet seien. Ein Teil davon sei im Rahmen der jährlichen „De Minimis“-Förderungen finanziell unterstützt worden.

Der Abwasserentsorger Hansewasser hat seine komplette Lastkraftwagen-Flotte mit Abbiegeassistenten ausgerüstet. „Null Vorfälle, null Unfälle“, lautet bei dem Unternehmen das Sicherheitsmotto. Dazu gehöre die abgeschlossene Ausstattung der Fahrzeuge: Alle 22 Lastwagen seien nun mit dem System im Einsatz.

Bei der BSAG sind mittlerweile 60 neue Busse, die 2019 und 2020 geliefert wurden, mit dem technischen System unterwegs. Anfang 2019 war keiner der insgesamt 220 Busse damit ausgestattet. „Der Sicherheitsstandard bei uns ist sehr hoch“, sagt BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer. Busfahrer würden wesentlich tiefer als Lkw-Fahrer sitzen, hätten andere Außenspiegel, würden ständig alles ums Fahrzeug herum kontrollieren und seien langsamer unterwegs. Das kommunale Verkehrsunternehmen habe geprüft, inwieweit eine Nachrüstung bei den vorhandenen Bussen möglich sei. Doch bei zahlreichen Anbietern, die man ausprobiert habe, sei die Funktionalität der Systeme nicht gut genug gewesen.

Abbiegeassistenten können schwere Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern vermeiden. Über Sensoren und Kameras erkennen sie Personen im sogenannten toten Winkel. Sie geben dann ein akustisches oder optisches Signal, das den Fahrer auf den Radfahrer oder Fußgänger hinweist. Vor gut zwei Jahren hatte der frühere rot-grüne Senat beschlossen, dass die städtische Flotte mit solchen Assistenten ausgerüstet werden soll. Die Bürgerschaft schloss sich im Februar 2019 an.

Bei der Bremer Feuerwehr hat das Nachrüsten ebenfalls begonnen. „Die ersten Systeme sind eingebaut worden“, sagt Feuerwehr-Sprecher Michael Richartz. Aber man sei noch in den Anfängen, um alle 85 Lastkraftwagen – vom Löschfahrzeug bis zur Drehleiter – mit einem Abbiegeassistenten auszustatten. Bei der Bremer Polizei habe die technische Einsatzeinheit Bereitschaftspolizei 2020 einen Wasserwerfer mit dem System bekommen. Bei den Altfahrzeugen werde derzeit durch den Bund eine Nachrüstung geprüft.

Zum Schutz vor Unfällen mit Fußgängern oder Radfahrern verfügen in Hamburg fast alle schweren Nutzfahrzeuge der Stadt über Abbiegeassistenzsysteme. Innerhalb eines Jahres nach dem Start der Senatsinitiative für mehr Verkehrssicherheit seien rund 97 Prozent aller städtischen Fahrzeuge über 7,5 Tonnen mit einem entsprechenden System ausgerüstet worden, teilte die Innenbehörde dort mit. Insgesamt seien rund 870 Fahrzeuge mit technischen Abbiegeassistenten ausgestattet worden, die Lastwagenfahrer vor Personen im toten Winkel warnen sollen. 293 der 870 Fahrzeuge gehörten zur Feuerwehr, 356 zur Stadtreinigung. Die Kosten bezifferte die Behörde auf gut zwei Millionen Euro. Bis Ende des Jahres sollen alle städtischen Nutzfahrzeuge, auch jene ab 3,5 Tonnen, mit Abbiegeassistenten ausgerüstet sein.

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