Polizei rückt E-Bike nicht raus

Fast eine Erfolgsgeschichte

Ein Bremer Bürger zeigt den Diebstahl seines E-Bike an. Noch am selben Tag findet die Polizei Dieb und Fahrrad. Klingt wie eine Erfolgsgeschichte. Doch es sollte ganz anders kommen...
01.08.2018, 11:30
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Fast eine Erfolgsgeschichte
Von Ralf Michel
Fast eine Erfolgsgeschichte

Im Juni wurde das E-Bike von Roland Rose aus einer Tiefgarage gestohlen.

Roland Weirauch/dpa

Ein Fahrrad wird gestohlen. Der Besitzer zeigt den Diebstahl bei der Polizei an und die schnappt noch am selben Tag den Täter, der mit dem Rad unterwegs ist ... Es hätte eine richtige Erfolgsgeschichte für die Polizei werden können, was sich da Mitte Juni in Bremen zutrug. Wurde es aber nicht. Denn "Dieb gefasst, Fahrrad sichergestellt", lautet nur ein Teil dieser Geschichte. Der andere handelt davon, dass der Besitzer des Rades auch nach fünf Wochen noch darauf wartete, sein E-Bike zurückzubekommen.

Im Juni wurde das E-Bike von Roland Rose aus einer Tiefgarage gestohlen. Der 71-Jährige bemerkte den Diebstahl und erstattete umgehend Anzeige bei der Polizei, inklusive Seriennummer und aller anderen wichtigen Daten zu seinem Fahrrad.

Wie der Zufall es wollte, bemerkte etwas später am Tag ein aufmerksamer Zeuge an anderer Stelle eine verdächtige Gestalt, die in einen Garten einsteigen wollte. Er alarmierte die Polizei, die den Einbrecher auf frischer Tat festnehmen konnte. Der Täter war mit einem E-Bike unterwegs – das kurz zuvor als gestohlen gemeldete Rad von Roland Rose. Und so bekam der Pensionär kurz darauf die erfreuliche Nachricht, dass sein Rad gefunden wurde. Auch die Polizei freute sich augenscheinlich über den schnellen Erfolg. "Gleich drei unterschiedliche Beamte haben deshalb bei mir angerufen", erzählt der 71-Jährige.

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Einen leichten Dämpfer erhielt seine Freude dann allerdings auf die Frage, ob er sich das Rad sofort abholen könnte. Nein, hieß es, dafür müsse das Rad erst von der Staatsanwaltschaft freigegeben werden. Und dies könne durchaus noch Wochen dauern. Er habe sich zwar etwas gewundert, sagt Roland Rose. Dann aber gedacht: "Gut – ein, zwei Wochen zur Bearbeitung des Falles gehen schon in Ordnung." Zumal er ja noch ein weiteres Fahrrad besitzt.

Doch dann vergingen über fünf Wochen. Und Rose wartete immer noch auf die Freigabe seines E-Bikes. Darüber ärgerte er sich. Vor allem aber war er fassungslos. "Ich staune und schüttle den Kopf über diese Art und Weise", sagte er. "Unglaublich, dass die Bürokratie so etwas zulässt." Schließlich habe die Polizei alle Daten zu dem E-Bike. "Und es ist ja nun nicht so, dass der Dieb mit dem Rad eine Gewalttat begangen hat. Dann würde ich ja noch verstehen, dass ich es erst nach dem Prozess wiederbekomme. Aber so? Das kann man doch nicht machen!"

Nach Recherchen des WESER-KURIER soll sich die "Akte Rose" noch am Dienstag irgendwo auf dem Weg zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft befunden haben. Dem vorgeschriebenen Weg entsprechend: Die Polizei arbeitet die Akte ab, gibt sie dann weiter an die Staatsanwaltschaft. Dort, und nur dort, entscheidet ein Sachbearbeiter über die Freigabe des Beweismittels. Was davon abhängt, ob es eventuell in einem späteren Gerichtsprozess noch benötigt wird.

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Immerhin, so viel war am Dienstagvormittag zunächst in Erfahrung zu bringen, das E-Bike von Roland Rose dürfte nicht für einen Prozess benötigt werden. Und dann ging plötzlich alles doch ganz schnell: "Nach telefonischer Rücksprache zwischen dem Sachbearbeiter der Polizei mit der zuständigen Staatsanwältin stimmte diese der Aushändigung des Rades zu", teilte die Polizei am Dienstagnachmittag mit. Roland Rose könne sein Rad sofort in der Wache Vahr abholen.

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