Naturwissenschaftlicher Verein zu Bremen feiert 150-jähriges Bestehen / Jubiläumsausstellung im Übersee-Museum Faszination Forschung

Das Interesse reißt nicht ab: Seit nun schon 150 Jahren forschen Laien und Wissenschaftler gemeinsam im Naturwissenschaftlichen Verein zu Bremen – angetrieben von ihrer Leidenschaft. Im Zentrum stehen das Sammeln und Verbreiten naturwissenschaftlicher Kenntnisse. Anlässlich des Jubiläums gewährt jetzt eine Ausstellung im Übersee-Museum Einblicke in die Tätigkeit der 15 Arbeitskreise.
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Faszination Forschung
Von Felix Frank

Das Interesse reißt nicht ab: Seit nun schon 150 Jahren forschen Laien und Wissenschaftler gemeinsam im Naturwissenschaftlichen Verein zu Bremen – angetrieben von ihrer Leidenschaft. Im Zentrum stehen das Sammeln und Verbreiten naturwissenschaftlicher Kenntnisse. Anlässlich des Jubiläums gewährt jetzt eine Ausstellung im Übersee-Museum Einblicke in die Tätigkeit der 15 Arbeitskreise.

Sind das echte Pilze in der Vitrine? Selbst ein Blick durch die an der Scheibe angebrachte Lupe kann diese Frage nicht beantworten. Hans Konrad Nettmann lüftet das Geheimnis: „Die Modelle sind von echten Pilzen kaum zu unterscheiden – nur geschmacklich“, scherzt der Vorsitzende des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen (NWV). Der von Klaus Wechsler in monatelanger, mühsamer Handarbeit gestaltete Pilze-Schaukasten zählt zu den Attraktionen, die der NWV anlässlich seines 150-jährigen Bestehens in einer Jubiläumsausstellung im Übersee-Museum präsentiert.

Gegründet wurde der Naturwissenschaftliche Verein am 17. November 1864 von Gustav Hartlaub, Franz Buchenau, Wilhelm Olbers Focke und Gustav Woldemar Focke. Alle vier waren bis dato Mitglied bei der 1783 entstandenen Gesellschaft Museum, heute Club zu Bremen. Dort vermissten sie jedoch die Ernsthaftigkeit für naturwissenschaftliche Diskussionen. Um das Interesse für die Naturwissenschaften stärker in den Fokus zu rücken, gründeten sie den Verein. „Ende des 19. Jahrhunderts gab es einen Aufbruch in der Wissenschaft“, sagt Nettmann.

In der 150 Jahre langen Geschichte gab es viele einschneidende Momente. So war der Naturwissenschaftliche Verein beispielsweise maßgeblich beteiligt am Aufbau des Übersee-Museums und der Moorversuchsstation Bremen. Die Versuchsstation gibt es zwar seit zwei Jahren nicht mehr, dafür ist die enge Verbindung zum Museum geblieben. Zudem bringt der Verein bereits seit 1866 die wissenschaftliche Zeitschrift „Abhandlungen“ heraus – „ein ganz wichtiges Publikationsorgan“, so Nettmann. Und: Der NWV hat den „Bremer Preis für Heimatforschung“ wiederbelebt, der seit 1996 jährlich verliehen wird.

Wissenschaftliche Sammlungen anlegen, mit ihnen forschen und Forschungsergebnisse vermitteln – dies seien die drei Säulen des Vereins, sagt Hans Konrad Nettmann. „Wissenschaftliche Sammlungen sind, gerade wenn sie über einen langen Zeitraum angelegt wurden, wichtige Instrumente für die Erforschung des Wandels in der Umwelt.“

Im Zentrum der Forschungsaktivitäten des Vereins stehen die 15 Arbeitskreise. Das Besondere: Laien und Wissenschaftler treffen sich dort, um gemeinsam über naturkundliche Themen zu forschen.

„Die Verzahnung von professionellen Forschern und Laienforschern zeichnet den Verein aus. Diese Tradition haben wir bis heute erhalten“, sagt Michael Stiller, Leiter der Abteilung Naturkunde im Übersee-Museum und zugleich stellvertretender Vorsitzender des NWV. Und Nettmann pflichtet ihm bei: „Das Wesentliche ist die Bürgerforschung. Der Verein lebt heute von seinen Arbeitskreisen. Alle arbeiten ehrenamtlich und auf ausgesprochen hohem Niveau.“ Außerdem gibt es neben den traditionellen montäglichen Vortragsreihen im Winter diverse Exkursionen in den Sommermonaten.

Aktuell gehören dem Naturwissenschaftlichen Verein, der sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert, etwa 400 Mitglieder an. Hans Konrad Nettmann trat 1975 ein. Seit mehr als 20 Jahren ist er im Vorstand, seit fünf Jahren Vorsitzender. Sein Spezialgebiet: die Wirbeltiere. „Das ist der Vorteil an der freien Wissenschaft, man wählt sich sein Forschungsgebiet selbst aus“, sagt der 66-Jährige. Obwohl der Zoologe und Ökologe inzwischen Rentner ist, lehrt er noch an der Universität Bremen. „Ich mache das aus Freude“, so Nettmann.

Für die Zukunft des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen wünscht sich der Vorsitzende, dass das Sammeln von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen fortgesetzt wird. Dafür seien jedoch Spendenbeiträge „zwingend nötig“. Zudem sei es eine große Aufgabe des Vereins, „auch künftige Generationen für diese Arbeit zu begeistern“.

Michael Stiller hofft derweil, dass die Bedeutung dieser Arbeit auch in der Öffentlichkeit anerkannt wird. „Wir dienen dem Naturschutz mehr, als ihm zu schädigen“, unterstreicht der stellvertretende Vorsitzende.

Die Jubiläumsausstellung des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen ist noch bis zum 31. Januar im Übersee-Museum, Bahnhofsplatz 13, zu sehen. Dort präsentieren die 15 Arbeitskreise des Vereins ihre aktuellen Arbeiten. Der Eintritt ist frei.

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