Bremer Verein Lebenschance

Fatale Folgen bei Starkregen für das Land Togo

Der Verein Lebenschance unterstützt unter anderem ein Dorf für Waisenkinder in Togo. Die Bremerin Frauke Logemann-Bartels hat das Dorf zusammen mit dem Verein erstmals besucht.
03.12.2019, 06:16
Lesedauer: 3 Min
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Fatale Folgen bei Starkregen für das Land Togo
Von Frauke Fischer
Fatale Folgen bei Starkregen für das Land Togo

Frauke Logemann-Bartels ist auch heute noch von ihrem ersten Besuch in Togo beeindruckt.

Privat

Eigentlich, sagt Sigrid Stiering, wollte sie die Besuche in Togo irgendwann den Jüngeren überlassen. Sieben oder acht Mal sei sie schon dort gewesen, habe das vom Verein Lebenschance unterstützte Dorf besucht. Doch dann entschied sie sich doch, ihre Kollegin Frauke Logemann-Bartels zu begleiten, wenn sie „diesen Teil der Welt mit seinen schönen und weniger schönen Seiten kennenlernt.“ Vor Ort gerieten die beiden Frauen in eine extreme Regenzeit.

Der dortige Projektpartner Roger Sodji erklärte, er habe so ein Wetter noch nie erlebt. Die Folgen: fatal. Die jungen Maispflanzen des mit 60 Hektar größten Feldes habe der Regen aus der Erde gespült. „Die nächste Ernte wird schlecht ausfallen“, sagt Stiering. Nun wollen sie und ihre Kollegin Logemann-Bartels gemeinsam mit den Togoern darüber nachdenken, welche Maßnahmen zum Schutz der Landwirtschaft vor solchen extremen Wetterlagen ergriffen werden können. Und auch sonst soll die Bremer Unterstützung für das Projekt in Togo nicht abbrechen.

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Stiering gehört seit 2002 zum Verein Lebenschance. Der hat in dem kleinen afrikanischen Land Togo zusammen mit der dortigen Nichtregierungsorganisation AMEPT ein Waisenkinderdorf auf dem Land und eine Berufsschule für Büroberufe in der Hauptstadt Lomé aufgebaut. Der Verein sorgt weiter für beide Einrichtungen mit Spendengeldern für den laufenden Unterhalt und für den weiteren Ausbau. In vielen Fällen gehen die Anstrengungen beider Einrichtungen Hand in Hand. So gehen Kinder aus dem Waisenhaus in Togo in die Berufsschule.

Für Frauke Logemann-Bartels war es der erste Besuch in Togo. Die erste Nacht habe sie im Haus von Adèle Sodji, der Ehefrau des Projektleiters Roger Sodji, verbracht. Die Fahrt in das etwa 50 Kilometer entfernte Waisenkinderdorf sei wegen des Jahrhundertregens zum Abenteuer geworden. Die unbefestigten Straßen im Stadtteil Adidogome, in dem die Sodjis wohnen, hätten eigentlich nur aus Löchern bestanden. Diese seien durch den Regen noch größer geworden und bildeten schließlich riesige Pfützen, das habe die Fahrt bei den Wetterverhältnissen erschwert.

„Dafür ist der Empfang im Dorf überwältigend", sagt Logemann-Bartels. „Die Freude und Anhänglichkeit der kleineren Kinder hat mich tief berührt“, sagt sie. Der Besuch von Weißen sei für die Kinder sehr interessant gewesen. Deswegen hätten ihre Kollegin und sie sich Zeit genommen, mit den Kindern zu spielen. Außerdem hatte Sigrid Stiering Bücher im Gepäck, aus denen sie vorlas.

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In dem Dorf für Waisen, sagen beide Frauen, haben die Kinder ein Zuhause gefunden. „Sie bekommen regelmäßige Mahlzeiten und eine gute Schulbildung. Im Vergleich zu den armen Kindern, die man auf den Straßen der Hauptstadt sieht, ist das eine Riesenchance.“ In Togo herrsche große Arbeitslosigkeit, wegen der schwierigen Lebensumstände sei auch Landflucht ein Thema. Welche Auswirkungen das hat, haben sie auf den belebten Straßen gesehen – Bilder, das sagen beide, die sie nicht mehr los werden: "Nichts ist vergleichbar mit der Situation bei uns“, sagt Logemann-Bartels. Händler habe es überall auf der Straße gegeben, sie habe beispielsweise Frauen gesehen, die Mahlzeiten aus einem großen Topf anbieten. "Vielleicht ihr einziger Besitz", erzählt Logemann-Bartels. "Von dem Erlös versorgen sie sich und ihre Kinder."

In dem Dorf kümmern sich laut Logemann-Bartels und Stiering die Kinder umeinander, die Älteren übernehmen Verantwortung für die Jüngeren. „Einmal wöchentlich findet eine Besprechung statt, bei der die Verantwortlichen über Probleme und Wünsche berichten", sagt Logemann-Bartels. "Auch der sonntägliche Gottesdienst und die an jedem Abend stattfindende Andacht auf dem Dorfplatz schaffen Strukturen und stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Unter der Woche sei das Leben der Kinder vom Lernen geprägt.

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„Es wird gepaukt bis in den späten Abend. Die Großen haben außerdem Aufgaben wie morgendliches Fegen des gesamten Areals und Wasser holen. Am Wochenende wird Wäsche gewaschen, der Gemüsegarten gegossen und vieles mehr", beschreibt Logemann-Bartels die Eindrücke ihres Besuches in dem Dorf. Die deutschen Besucherinnen und die übrigen Ehrenamtlichen des Vereins Lebenschance sind sich einig, dass dieses Dorf weiter unterstützt werden muss. Mit den Leitern in Togo werde deshalb darüber nachgedacht, wie die Bewohner eigenes Geld verdienen können. Allerdings, das wissen beide: Für Kinder und Jugendliche sei das extrem schwierig.

Deshalb werde weiter um Spenden gebeten, um die Waisen zu unterstützen. „Bereits ein kleiner Betrag, der regelmäßig überwiesen wird, ist eine große Hilfe„, sagt Logemann-Bartels. Zudem sei jeder eingeladen, sich einen Eindruck von der Situation vor Ort zu verschaffen. „Togo ist ein friedliches Land.“ Man könne im Dorf gegen ein geringes Entgelt wohnen. „Die Lebensumstände sind natürlich einfach: Plumpsklo und Körperpflege aus dem Eimer.„ Das ist aber aus ihrer Sicht nicht problematisch: “Dafür bekommt man unvergessliche Eindrücke.“

Das Hilfsprogramm hinter dem Verein Lebenschance hat der gebürtige Togoer Roger Sodji ins Leben gerufen, der selber lange Zeit in Bremen gelebt hat. Interessierte können über die Internetseite www. togo-hilfe .de Kontakt zu den unterschiedlichen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern des Projektes aufnehmen.

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