FDP-Chef Lindner in Bremen

"Erfinden statt verbieten"

Bei seinem Wahlkampfauftritt in Bremen gab sich FDP-Chef Christian Lindner angriffslustig und arbeitete sich auf dem Marktplatz eine Stunde lang ungestört an den politischen Mitbewerbern ab.
14.09.2021, 20:48
Lesedauer: 2 Min
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Von Joerg Helge Wagner
"Erfinden statt verbieten"

Er zog am Dienstag in Bremen die Blicke und Objektive auf sich: FDP-Chef und Spitzenkandidat Christian Lindner.

Frank Thomas Koch

Der Seitenhieb auf die Grünen kam erst gegen Ende beim Wahlkampfauftritt von FDP-Chef Christian Lindner: "Die haben hier 2019 nicht mit dem Wahlsieger CDU und uns koaliert, sondern mit dem Wahlverlierer SPD und den Linken." Und das darf für den Spitzenkandidaten der Liberalen, der 2017 ebenfalls ein mögliches Jamaika-Bündnis verweigerte, in diesem Jahr auf Bundesebene keinesfalls passieren. Nur seine Partei könne in der nächsten Regierung dafür sorgen, "dass Deutschland in der Mitte bleibt" - womit er auch eine SPD-geführte Ampelkoalition ungesagt offenließ.

Ansonsten arbeitete sich der 42-Jährige bei Bilderbuchwetter auf dem wegen der Abstandspflicht eher locker gefüllten Marktplatz eine Stunde lang in freier Rede an den Mitbewerbern ab. Fünf Kernpunkte hatte zuvor schon der örtliche FDP-Spitzenkandidat Volker Redder gesetzt. Digitalisierung rangiert für den promovierten Informatiker und Ingenieur ganz vorne, gefolgt von Wirtschaft und Bürokratieabbau, Bildung, Klimaschutz und Altersvorsorge.

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Auch Lindner ging als erstes das Thema Digitalisierung an, denn "dazu wurde in den bislang zwei Triellen von den Kanzlerkandidaten kein Wort gesagt". Statt hier in Europa nur noch vor Albanien zu rangieren, müsse Deutschland "Mitte des Jahrzehnts wieder zur Spitze in Europa gehören". Und weil die Telekom lieber in den USA investiere, sollten die deutschen Besitzer von Telekom-Aktien diese lieber eintauschen - dann würden 20 Milliarden Euro für IT-Unternehmen hierzulande frei.

Die "wichtigste Frage der Gesellschaft" sei jedoch die der Bildung. Ungleichheit durch Fleiß und Leistung sei in Ordnung - aber Ungleichheit, die nur auf dem Zufall der Herkunft beruhe, sei "für Liberale unerträglich". Genau dies sei aber ganz besonders in Bremen der Fall. Neben mehr Geld für die Schulen forderte er auch eine Reform des föderalen Bildungssystems: Da müsse es eine Vergleichbarkeit der Standards geben, damit ein Bremer Abi auch in Bayern etwas zählt.

An einige Greenpeace-Aktivisten wandte sich Lindner direkt, als er von seinem Treffen mit den neuen US-Klimabeauftragten John Kerry berichtete. Der wolle den Energiehunger von demnächst neun Milliarden Menschen stillen, indem US-Unternehmen Anlagen zur Erzeugung  von erneuerbarer Energie im großen Stil entwickeln und exportieren. "Mehr Freude am Erfinden als am Verbieten" wünscht Lindner sich auch für Deutschland. Und mit Blick auf Bremen fragte er: "Helfen Holzwachtürme auf einer Hauptstraße wirklich gegen den Klimawandel?"

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