Öffentlicher Nahverkehr in Bremen FDP will BSAG-Nachtzuschlag überprüfen

Bremen. Wer in Bremen nachts mit Bus und Bahn unterwegs ist, muss einen Zuschlag in Höhe von einem Euro bezahlen. Die FDP will sich dafür einsetzen, den Nachtzuschlag wieder abzuschaffen. Er verleite die Nachtschwärmer zu gefährlichen Heimwegen.
28.07.2010, 07:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Julia Fiedler

Bremen. Wer in Bremen nachts mit Bus und Bahn unterwegs ist, muss einen Zuschlag in Höhe von einem Euro bezahlen. Die FDP will sich dafür einsetzen, den Nachtzuschlag wieder abzuschaffen. Er verleite die Nachtschwärmer zu gefährlichen Heimwegen.

Für Oliver Möllenstädt  von der Bremer FDP macht der Nachtzuschlag keinen Sinn. Er verleite gerade Jugendliche und Menschen mit geringem Einkommen dazu, nach dem Diskobesuch nicht den Bus oder die Bahn zu nehmen, sondern zum Beispiel zu Fuß nach Hause zu gehen. Schlimmstenfalls könne das zusätzliche Entgelt in Bus und Bahn dazu führen, dass sich die Nachtschwärmer alkoholisiert hinters Steuer setzen. Das könne zu gefährlichen Situationen führen.

Möllenstädt kündigte an, dass die FDP-Bürgerschaftsfraktion eine parlamentarische Anfrage an den Senat stellen werde. Es solle geklärt werden, wie viel Geld die BSAG durch den Nachtzuschlag einnimmt und welche Wirkungen er auf die nächtliche Nutzung von Bus und Bahn hat.

Kritik an Höhe des Bußgelds

Seit dreieinhalb Jahren gibt es ihn, den Nachtlinienzuschlag bei der BSAG. Bis vier Uhr morgens müssen Fahrgäste in den Bussen und Straßenbahnen, die mit einem 'N' gekennzeichnet sind, zusätzlich zum normalen Fahrpreis einen Euro Aufschlag zahlen. Wer mit einem Ticket ohne Nachtlinienzuschlag fährt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 40 Euro rechnen. Das sei zu viel, findet ein Leser des WESER-KURIER, der nicht mit Schwarzfahrern gleichgestellt werden möchte. Er fordert geringere Bußgelder.

'Fahrgäste, die in den Nachtlinien der BSAG ohne Nachtlinienzuschlag angetroffen werden, fahren ohne gültigen Fahrausweis und müssen 40 Euro Strafe zahlen', sagt Ralf Huckriede vom Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN). Ein Unterschied zwischen Fahrgästen, die ein Ticket ohne Nachtlinienzuschlag gekauft haben, und welchen, die gar kein Ticket haben, werde nicht gemacht. 'Es ist aber möglich, gegen das Bußgeld von 40 Euro Widerspruch einzulegen.' Die BSAG prüfe dann den Einzelfall und komme dem Fahrgast gegebenenfalls entgegen.

Zehn Fahrgäste werden pro Monat erwischt

'Wird der Fahrgast zum ersten Mal ohne Nachtlinienzuschlag erwischt, muss er aus Kulanzgründen häufig nur 20 Euro Strafe zahlen', sagt Dennis Slanitz von der Kundenbetreuung der BSAG. 'Ab dem zweiten Mal wird jedoch auf jeden Fall eine Strafe von 40 Euro fällig.'

Mehr als zehn Personen müssten dieses Bußgeld jeden Monat zahlen, berichtet Ralf Huckriede. 'Die Fahrer sind allerdings angewiesen, jeden Kunden beim Fahrkartenkauf auf den Nachtlinienzuschlag aufmerksam zu machen.' Auch an den Haltestellen und an den Fahrkartenautomaten in den Bussen gebe es Hinweise auf den Nachtlinienzuschlag. 'Am Anfang hatten wir natürlich Probleme', gibt Huckriede zu. 'Viele kannten die neuen Tarifbestimmungen einfach nicht.' Deshalb habe die BSAG die Kunden ein halbes Jahr lang durch Ansagen im Bus über die Tarifveränderung informiert. 'Und bei den Kontrollen waren wir anfangs nicht so streng. In der Regel mussten die Kunden nur den fehlenden Nachtzuschlag nachzahlen.' Doch jetzt, nach dreieinhalb Jahren, könne man davon ausgehen, dass die Kunden über den Tarif informiert sind, so Huckriede.

'Ein automatischer Verkauf von Tickets inklusive Nachtlinienzuschlag findet nicht statt, weil der zusätzliche Euro nur einmal pro Nacht bezahlt werden muss', so Dennis Slanitz von der BSAG. 'Wäre der Nachtzuschlag inklusive, müssten die Kunden doppelt und dreifach bezahlen. Das wäre unsinnig.' Manche Fahrgäste sind zudem komplett vom Nachtzuschlag befreit. 'Dazu gehören unter anderem Besitzer eines Jahrestickets Plus, eines VBN-Semestertickets oder eines Schülerferientickets.'

Eingeführt wurde der Nachtlinienzuschlag, um höhere Einnahmen zu erzielen. 'Der Betrieb der Nachtlinien verursacht höhere Kosten als der Tagesbetrieb, weil das Personal Zulagen bekommt', erklärt Ralf Huckriede. Der Zuschlag wird in zehn Bremer Nachtlinien und fünf Nachtexpresslinien in Oldenburg fällig. Hinzu kommen elf Nachtschwärmerlinien, die am Wochenende zu den Diskotheken im Bremer Umland fahren. 230000 Euro hat der VBN dadurch 2009 zusätzlich umgesetzt.

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