Bremen

Feierlicher Ausnahmezustand am Samstag beim Mercedes-Benz-Open-Air

Internationale Musiker, ungewisses Wetter und jede Menge gute Laune: So haben die etwa 40.000 Besucher des Mercedes-Benz-Open-Air am Samstag gefeiert.
11.08.2018, 20:56
Lesedauer: 4 Min
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Feierlicher Ausnahmezustand am Samstag beim Mercedes-Benz-Open-Air
Von Serena Bilanceri

Es sind zwei Fragen, die die Besucher des Mercedes-Benz-Open-Air beim Warten auf den Shuttle-Bus in Sebaldsbrück beschäftigen: Werden wir rechtzeitig beim Konzert ankommen? Und wird es regen? Noch sind sie nicht am Ziel, noch sind die Musiker im Backstage, doch die Veranstaltung hat für die meisten schon angefangen. Die Atmosphäre an der Endhaltestelle der Linien 2 und 10 ist feierlich. Jung und Alt, Familien mit pubertierenden Kindern und Gruppen von Freunden scherzen, warten etwas ungeduldig. Es müssen schon über Hundert sein, die Menschen, die sich unter den Haltestelleschildern tummeln. Der Himmel ist jetzt etwas dunkler, graue Wolken ziehen bedrohlich über die Feiernden.

Doch die meisten sind vorbereitet. „Das Wetter stört mich überhaupt nicht, ich habe eine Kapuze, bin warm angezogen – hab‘ alles dabei“, sagt die 73-jährige Anna Ede, die wie die anderen auf den Bus wartet. Der Shuttlebus soll die Konzertbesucher zum Mercedes-Benz-Werk fahren. Ein Fahrzeug kommt an, die Menschenmasse setzt sich in Bewegung – doch Fehlanzeige, der Fahrer winkt ab. Der Bus fährt nach Horn. Immer mehr entscheiden, zu Fuß zu laufen. Auf dem Bürgersteig entlang der Straße, die Sebaldsbrück mit dem Gelände verbindet, hat sich bereits eine Menschenschlange gebildet. Auf der Straße stehen die Autos im Stau. Die Kolonne setzt sich in Bewegung, unter dem leisen Nieseln plaudern die Konzertbesucher, Paare halten sich an der Hand.

Es ist Samstag, fast 15 Uhr, und Bremen ist – zumindest in diesem Teil der Stadt – in einem feierlichen Ausnahmezustand. Das Mercedes-Benz-Open-Air ist nicht die einzige Veranstaltung am Wochenende: Bremen Olé, der Tag der Fans, das U.S.-Autotreffen „Born to Drive“ sollen die Stadt in eine einzige, große Party verwandeln. „Ich bin eigentlich auf alle Künstler heute gespannt“, sagt eine blonde, junge Frau auf dem Weg zum Mercedes-Gelände. Am Ende der Straße ist eines der Eingangstore schon zu sehen, die Stimme des Moderators hallt schon in der Ferne.

Viele Veranstaltungen an einem Tag

Im Jahr des 40. Jubiläums des Bremer Standortes hat Mercedes-Benz mit Hannover Concerts eine eintägige Veranstaltung organisiert. Um 15.30 Uhr eröffnet Johannes Oerding das Konzert. Niila, Tim Kamrad, Christina Stürmer, Sunrise Avenue und Peter Maffay werden im Laufe des Abends noch folgen.

Die ersten Tausende Besucher strömen durch die Tore hinein auf den Parkplatz, der zum Veranstaltungsort umgebaut wurde. Auf der Bühne fragen die Moderatoren das Publikum, für welchen der Künstler sie gekommen seien. „Alle“, antworten die Fans einstimmig. Der Platz füllt sich langsam. Knapp 40000 Menschen hätten sich auf dem Gelände versammelt, teilen die Organisatoren nach wenigen Stunden mit.

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Ob jemand heute lieber beim Tag der Fans gewesen wäre, fragen die Moderatoren. Gunnar Landwehr, 58, verneint das. Dabei trägt er genau eine grüne Werder-Bremen-Tasche. „Ich höre heute lieber hier gute Musik“, sagt er. „Wir haben die Karte kurz nach Bekanntgabe des Events gekauft“, fügt er hinzu und schaut auf seine Begleiterin. Es gäbe nicht genug von solchen Veranstaltungen in Bremen, sagt er.

Gerade als Popsänger Johannes Oerding die ersten Akkorden von „Leuchtschrift ‚Große Freiheit“ auf der Gitarre spielt, fangen die ersten Tropfen Regen an, zu fallen. Die Besucher setzten ihre Kapuzen auf, schützen sich mit den Jacken, wickeln sich in Schalen ein. Doch sie lassen sich nicht durch das instabile Wetter stören. Einige tanzen gar im Regen. Wie Daniela Brill: „Das Wetter kann man ja nicht ändern“, sagt sie und bewegt sich im Rhythmus der Musik. Die 36-Jährige ist mit der gesamten Familie dabei. „Unser Vater hat uns alle eingeladen, er ist ein großer Fan von Peter Maffay“, sagt die junge Frau mit kurzen, blonden Haaren und dunkler Jacke.

Sie ist nicht die Einzige, die den Konzertbesuch als Geschenk erhalten hat. Auch für Jens Martin war der heutige Event eine Überraschung. „Er hat erst gestern davon erfahren, ich habe es ihm zum Geburtstag geschenkt“, sagt seine Frau Meike. Das Paar ist aus Oldenburg angereist. Das Wetter stört sie nicht – mindestens sei es nicht zu heiß, sagen sie.

Langsam füllt sich das Gelände, der Regen hört auf. Es wird ein langer Tag: Um 22.15 Uhr spielt Peter Maffay, der letzte Musiker auf der Bühne nach der Auftrittsreihenfolge. Hinter den Besuchern stehen schon Essensbuden und Getränkestände bereit. Pizza, Crêpes, asiatische Gerichte und handgemachtes Brot locken die Besucher an. Doch noch stehen die meisten bei den Getränkekiosken Schlange.

Ein bunt gemischtes Publikum

Mehrere kommen an, wenn der Auftritt von Oerding schon zu Ende ist. Das dürfte nicht bei allen Absicht gewesen sein: „Wir haben fast eine Stunde verpasst, weil der Einlass zu lange gedauert hat“, sagt die 31-jährige Caroline Schulz. „Das war schlecht organisiert, ich bin sehr enttäuscht“, fügt sie hinzu. Doch die schlechte Laune ist inzwischen bereits verflogen. Schulz und ihre Freundin lachen und tanzen schon mit. Es sei ein breit gemischtes Publikum, das fänden die beiden toll.

Das Wetter ist mittlerweile besser geworden, der Himmel ist klarer. Die Wolken sind weitergezogen. Ein Mann im Werder-Bremen-Trikot mimt das Spielen der Akkorde auf einer imaginären Gitarre. Die Besucher warten bereits auf den Auftritt von Christina Stürmer, einige machen Selfies für die Freunde daheim. Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf den Platz. Bis zum Veranstaltungsende heute Nacht wird es noch zeit geben zum Feiern.

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