15 Frauen über ihr Selbstverständnis und Handlungsbedarf bei der Gleichberechtigung „Feiern, wie wichtig wir sind“

Für den heutigen Weltfrauentag haben Kirche, Parteien und Kultureinrichtungen Aktionen vorbereitet. Geschlechterrollen werden kritisch betrachtet, Defizite bei der Gleichberechtigung diskutiert. Frauen feiern heute aber auch und genießen Kultur. Wir haben 15 Frauen aus der Region gefragt, wo sie bei der Gleichberechtigung Handlungsbedarf sehen.
08.03.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Für den heutigen Weltfrauentag haben Kirche, Parteien und Kultureinrichtungen Aktionen vorbereitet. Geschlechterrollen werden kritisch betrachtet, Defizite bei der Gleichberechtigung diskutiert. Frauen feiern heute aber auch und genießen Kultur. Wir haben 15 Frauen aus der Region gefragt, wo sie bei der Gleichberechtigung Handlungsbedarf sehen.

Fragt man Frauen am Telefon und in der Fußgängerzone zum Thema Gleichberechtigung, dann sind die sich in einem Punkt sofort einig: Frauen schaffen im Beruf genauso viel wie die Männer und ungleiche Entlohnung muss damit endlich der Vergangenheit angehören.

Bettina Hornhues, Bundestagsabgeordnete, 41 Jahre: „Mutter sein darf im 21.Jahrhundert kein Karriere-Nachteil sein. Unternehmen sollten zeitoptimierte, belastungsfähige und strukturierte Mütter viel mehr als Vorteil sehen. Wir haben außerdem schon zum dritten Mal in Folge eine Bundeskanzlerin, Ministerpräsidentinnen und Ministerinnen. In meiner Wahrnehmung gilt das für viele mittlerweile als ganz selbstverständlich.“

Insa Peters–Rehwinkel, Rechtsanwältin und Bürgerschaftsabgeordnete, 45 Jahre: „Keine Frau findet es gut, wegen einer Quote eingestellt zu werden. Ich bin auch keine Verfechterin einer Frauenquote, aber dennoch ist die Zeit noch nicht weit genug, als dass man als Frau komplett Abstand davon nehmen könnte. Ein Weltfrauentag hilft vielleicht jedes Jahr, weitere Schritte in Richtung Gleichberechtigung – nicht Gleichmacherei – zu unternehmen.“

Kiko Taeger, Oberbrandmeisterin Freiwillige Feuerwehr Farge, 49 Jahre: „Ich bin bei der Bremer Feuerwehr die einzige Gruppenführerin und merke bei Einsätzen manchmal, dass mir einige Männer die Arbeit nicht zutrauen oder an mir vorbeilaufen. Stören tut mich das nicht so, ich bin seit fünfzehn Jahren dabei und habe eigentlich nie ein Problem mit den Männern gehabt. Der Weltfrauentag ist für mich ein Tag wie jeder andere.“

Regina Neuke, Bürgermeisterin von Lemwerder, 41 Jahre: „Bürgermeisterinnen sind natürlich immer noch eindeutig in der Minderheit. Den größten Nachholbedarf bis zur Gleichberechtigung gibt es aber bei dem Selbstverständnis der Frauen und wo sie sich selber sehen. Männer haben zum Beispiel kein schlechtes Gewissen was Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft.“

Barbara Lange, Gemüsefachverkäuferin, 52 Jahre: „Frauen stehen mittlerweile in vielen Punkten ihren Mann. Das am Weltfrauentag anzuerkennen, finde ich sehr gut. Ich arbeite seit 25 Jahren auf dem Markt. Für mich kamen die Kinder eher nebenbei. Anfangs brauchte ich das Geld für unsere Familie aber mittlerweile arbeite ich für mich selbst.“

Ute Schmidt-Theilmann, Pastorin St. Martini-Gemeinde Lesum, 56 Jahre: „Der Weltfrauentag ist nur gut, wenn er richtig gefüllt wird. Einfach nur das arme Frauenwesen zu betrauern, gefällt mir überhaupt nicht. Ich wünsche mir einen generellen Ausgleich der Geschlechter und dass man vor der Gewalt an Frauen kein Auge mehr schließt. Themen der Gleichstellung und des Zusammenlebens sollen in aller Offenheit diskutiert werden können.“

Andrea Ukas, Fahrlehrerin und Inhaberin der Fahrschule Ukas: Eine wirkliche Gleichberechtigung gibt es noch nicht, in vielen Situationen werden Männer nach wie vor bevorzugt. Als ich die Fahrschule übernommen habe, trauten mir das einige nicht zu. Ich habe das ignoriert und heute sagt niemand mehr etwas. Was der Frau in meinen Augen besonders fehlt, ist wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Mann.“

Stefanie Müller, Außenverteidigerin beim Blumenthaler SV, 25 Jahre: „Unser Trainer macht auf dem Platz keinen Unterschied beim Geschlecht. Wir Damen sind teilweise fitter als viele Fußballer in Herrenmannschaften. Auch abseits des Platzes hat sich die Frau leistungstechnisch extrem verbessert, durchgebissen und durchgesetzt. Das sollte nicht nur am Weltfrauentag anerkannt werden.“

Angela Stocks, Leiterin des Dokumentationszentrum Blumenthal, 60 Jahre: „Viele Frauen leisten engagierte und wertvolle Arbeit, die nicht wahrgenommen wird, aber Voraussetzung für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist. Der Weltfrauentag ist wichtig, damit auch wir Frauen adäquat zu Wort kommen. Heute legen wir im Doku Blumenthal beim Tag der Archive auch einen Fokus auf die Frauengeschichte.“

Marga Döhle, Rentnerin, 77 Jahre: „Früher hatten Frauen gar nichts zu melden. Heute hat sich viel verändert. Es gibt immer noch alte Nachteile durch fehlende Gleichberechtigung aber auch neue durch Emanzipation. Die viele Scheidungen zum Beispiel.“

Kerstin Geilersdörfer, allein erziehende Mutter, 32 Jahre: „Man denkt, man wird im Beruf, bei der Wohnungssuche und Kinderbetreuung gleichermaßen akzeptiert wie Männer, aber das stimmt nicht. Ich habe schon viermal einen Job nicht bekommen, weil ich Mutter und alleinerziehend bin. Bei der Wohnungssuche gibt es das gleiche Problem.“

Sema Cinar, Mutter, 39 Jahre: „Ohne uns Frauen haben Männer keine Arme und Beine. Mütter sind organisierter, aktiver, weniger krank und stehen mitten im Leben. Auch wenn der Mann oft das Familienoberhaupt ist, kommt er ohne uns nicht aus. Den Weltfrauentag finde ich schön – um zu feiern, wie wichtig wir sind.“

Sevinc Karais, Friseurin, 31 Jahre: „Am Weltfrauentag können die Frauen protestieren. Sie leisten eigentlich viel mehr als Männer. Neben ihrer Arbeit müssen sie sich noch um Haushalt und Kinder kümmern und viele Dinge gleichzeitig tun.“

Heike Gronholz, Leiterin des Bürgerhauses in Vegesack, 46 Jahre: „Es ist ein sehr sinnvoller Tag. Er erinnert daran, dass Frauen nicht immer wählen durften oder dass es eine Zeit gab, in der Gleichberechtigung nicht ansatzweise herrschte. Dennoch sind die Herausforderungen nach wie vor groß. Wenn es um das Einkommen geht oder um Leitungsfunktionen, sind Frauen im Nachteil. Ohne eine Frauenquote geht es nicht. Und ohne Männer auch nicht. Sie müssen ihre Sichtweise ändern, dass die Frage, ob es einer Familie gut geht, allein von der Frau abhängt.“

Michaela Freese, Kontaktpolizistin Vegesack, 44 Jahre: „Ich bin seit 25 Jahren bei der Polizei und anfangs war ich schon ein Exot, aber das habe ich nie als problematisch empfunden. Die Behörden sind im Vergleich zur Wirtschaft sehr familienfreundlich aufgestellt. Aber da die Familie nach wie vor meistens an uns Frauen hängen bleibt, wünsche ich mir nach einer Familienpause nahtlose Konditionen zurück in die Karriereschiene.“

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