„Dschungelcamp“-Produzent Jan Kromschröder erzählt, wie Sender ihr Programm gestalten

Fernsehen für die breite Masse

Bremen. Wer entscheidet eigentlich, was im Fernsehen läuft? Und warum kommen gute Fernsehserien aus dem Ausland? Solche Fragen beantwortet am besten ein erfahrener Fernsehmacher. Die Bremische Landesmedienanstalt hat so jemanden am Donnerstag zu einem Vortrag in das Musicaltheater geholt: Jan Kromschröder.
19.09.2014, 00:00
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Fernsehen für die breite Masse
Von Jan Raudszus

Wer entscheidet eigentlich, was im Fernsehen läuft? Und warum kommen gute Fernsehserien aus dem Ausland? Solche Fragen beantwortet am besten ein erfahrener Fernsehmacher. Die Bremische Landesmedienanstalt hat so jemanden am Donnerstag zu einem Vortrag in das Musicaltheater geholt: Jan Kromschröder.

Von Cornelia Holsten, der Direktorin der Landesmedienanstalt, wird er als eine Mischung aus „Wunderpille und Tausendsassa“ vorgestellt. Früher war er Journalist, seit den 90er-Jahren produziert er aber Serien und Reality-TV-Formate. Zu seinen Erfolgen gehören „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, sprich „Das Dschungelcamp“, „Das Perfekte Dinner“ und Filme wie „Das Wunder von Lengede“.

Schnell wird im Gespräch klar: Natürlich laufen Castingshows und ähnliche Formate vor allem deswegen im Fernsehen, weil sie geschaut werden. Die Entscheidungen der Sender beruhen auf wirtschaftlichen Überlegungen – es muss sich lohnen.

Deswegen läuft „Das Dschungelcamp“ weiter. „Die letzte Staffel war die bislang erfolgreichste“, sagt Kromschröder. Da lassen sich die hohen Kosten rechtfertigen. Die Produktionsfirma ITV-Studios fliege 160 Leute aus Deutschland ein, und vor Ort arbeiteten noch einmal 200 Australier. Hinzu kämen weitere Kosten, auch für die ärztliche Betreuung der Teilnehmer und Mitarbeiter.

„Es gibt für diese Sendung kein Drehbuch“, tritt Kromschröder anderslautenden Vermutungen entgegen. „Aber wir wählen die Teilnehmer natürlich bewusst aus. Wenn Leute Mahlzeiten mögen, die nur aus Bohnen und Reis bestehen, und mit 45 Grad Temperatur kein Problem haben, dann bringt das nicht viel. Es ist nicht spannend, wenn die Teilnehmer ums Lagerfeuer sitzen und sich lieb haben.“

Die Debatte um die Qualität deutscher Serien kann Kromschröder verstehen. „Ich schaue auch sehr gerne amerikanische Serien.“ Allerdings würden Serien, die etwa eher düstere Themen behandeln, in Deutschland nicht so gut ankommen. „Die funktionieren nicht für ein Massenpublikum“, sagt der Produzent. Daher verzichte man hierzulande auf solche Stoffe. Doch das könne sich mit dem Start des Online-TV-Dienstes Netflix ändern. „Die Fernsehlandschaft verändert sich, und die Pay-TV-Sender werden mehr eigene Formate produzieren. Dann können sie auch mehr Sachen machen, die eher Nischengruppen ansprechen.“

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