Fernwärmepipeline durch Bremen Fernwärmetrasse durch Bremen: Anwohner sorgen sich um Folgen für Verkehr

Eigentlich sollte die geplante Fernwärmetrasse durch Bremen an der A27 verlaufen. Die Verlegung durch Schwachhausen und der Vahr erhitzt schon jetzt die Gemüter. Der Grund: Folgen für den Verkehr.
30.10.2019, 18:25
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Die Verkehrslenkung ist der „größte Brocken“, mit dem es die SWB bei der Planung für ihre neue Fernwärmetrasse zu tun hat. Daraus machte Friedhelm Behrens bei der Einwohnerversammlung im Bürgerzentrum Neue Vahr am vergangenen Dienstag keinen Hehl. Geladen waren Anwohner aus Schwachhausen und aus der Vahr, in deren Bereich die Trasse allerdings nur einige Hundert Meter verlaufen wird. Besonders stark betroffen wird laut des SWB-Sprechers der Schwachhauser Ring sein. Hier wird das Unternehmen – wenn alles nach Plan läuft – seine Pipeline für die Fernwärme direkt im Anschluss an eine Kanalerweiterung von Hansewasser verlegen. Für jede der beiden Baumaßnahmen sei etwa ein Jahr veranschlagt. Man sei übereingekommen, beide Baumaßnahmen gebündelt zu terminieren, um die Beeinträchtigung für den Verkehr nicht über mehrere Jahre zu stückeln und damit in die Länge zu ziehen, erläuterte Behrens.

Wird die derzeitig favorisierte Route der SWB nach sämtlichen Prüfungen als die Variante bestätigt, die für Mensch, Umwelt, Verkehr und Wirtschaftlichkeit am besten verträglich ist, wird die Fernwärme dereinst so verlaufen: Vom Müllheizkraftwerk Findorff aus über den Hochschulring, die H.-H.-Meier-Allee, den Schwachhauser Ring, die Kirchbachstraße und die Kurfürstenallee bis zum Heizwerk Vahr.

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Aus den Reihen der Zuhörer wurde angesichts der erheblichen Beeinträchtigungen für den Verkehr die Frage laut, weshalb man sich dennoch auf diese Variante kapriziere. „Mir will nicht einleuchten, weshalb sich die SWB nicht für die Verlegung an der A27 entschieden hat“, erklärte Wolfgang Grotheer, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Schwachhausen Nord. „Zwei Jahre Verkehrsbeeinträchtigung am Schwachhauser Ring sind für den Stadtteil eine absolute Katastrophe.“ Behrens erklärte dazu, die A27 habe sich in zweifacher Hinsicht als ungeeignet entpuppt. Da die Autobahn mittelfristig auf sechs Spuren erweitert werde, hätte die Pipeline in entsprechend großem Abstand zur A27 verlegt werden müssen. Und das hätte zur Folge gehabt, dass man mehrere Hundert Bäume hätte fällen müssen. Ein weiterer Grund sei der, der die Autobahn-Variante für viele Bürger so attraktiv erscheinen lasse: es wohne dort niemand. Die SWB sei aber darauf angewiesen, dass es entlang der Trasse Anlieger gibt, die als Abnehmer für die Fernwärme in Frage kommen, damit sich das Unterfangen überhaupt rechne.

Auch Kleingartengebiet betroffen

Vera Helling, Mitglied der Grünen-Fraktion im Schwachhauser Beirat, vermisste in Behrens‘ Ausführungen eine konkrete Zahl der Bäume, die im Zuge der Trassenverlegung gefällt werden müssen. Außerdem erkundigte sie sich, weshalb die Verlegung nicht in geschlossener Bauweise erfolgen könne. Dafür liege die Trasse zu dicht unter der Oberfläche, sagte Behrens. Der Druck, den ein Bohrer beim sogenannten Tunnelvortrieb erzeugen würde, hätte daher ein Aufbrechen der Fahrbahn zur Folge. Wie viele Bäume für die Trassenverlegung gerodet werden müssen, lasse sich im jetzigen Stadium noch nicht sagen, erklärte Behrens. Erst mit der Detailplanung würden sich die konkreten Zahlen ergeben. Dass für alle gefällten Bäume Nachpflanzungen eingeplant werden, sei aber garantiert. Mit dem „jetzigen Stadium“ meinte Behrens die Vorbereitungen für das Planfeststellungsverfahren. Den entsprechenden Antrag dazu wolle man im ersten Quartal 2020 stellen, erläuterte er. Auf den Planfeststellungsbeschluss hoffe das Unternehmen dann fürs vierte Quartal des kommenden Jahres.

Im Kleingartengebiet, durch das die Trasse auf ihrem Weg zur H.-H.-Meier-Allee verlaufen soll, gab es insbesondere eine Nutzergruppe, die in den vergangenen Monaten um ihre Existenz gebangt hat: der Verein Kinder Wald und Wiese. Hier wird Stadtkindern der verantwortungsvolle Umgang mit Tieren vermittelt - im Fokus steht dabei die Arbeit mit Pferden. Doch eben unter deren Koppel sowie unterhalb des Reitplatzes soll die Fernwärmeleitung künftig verlaufen. „Die Existenz des Vereins ist dennoch nicht gefährdet“, versicherte Behrens. Man werde sowohl für eine neue Pferdeweide sorgen, als auch den Reitplatz verlegen, sodass der Betrieb weiterlaufen könne. Die Trassenvariante, auf die sich die SWB jetzt festgelegt hat, ist eine von zwölfen, die im vergangenen Jahr näher geprüft wurden, berichtete Projektleiter Klaus Roocke. Einer der ersten Favoriten der SWB war vor rund einem Jahr ein Trassenverlauf, der vom Hochschulring über den Kuhgrabenweg und die Parkallee führen sollte. Von hier an wäre es dann über Schwachhauser Gebiet durch die Kulenkampffallee weiter in Richtung Vahr gegangen, was aber erheblichen Protest unter den Anwohnern und auch beim Schwachhauser Beirat ausgelöst hatte. Im Zuge einer Trassenverlegung in der Kulenkampffallee hätten nämlich rund 70 Bäume gefällt werden müssen. Die SWB sah schließlich aus technischen Gründen von dieser Variante ab. Diese war am Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2025 gescheitert, der in der Kulenkampffallee eine Verlängerung der Straßenbahn zur Universität vorsieht.

Weitere Informationen

Die SWB wird ihre Planungen in einer weiteren Einwohnerversammlung in Horn-Lehe vorstellen: am Dienstag, 5. November, um 19 Uhr im Gemeindehaus der Evangelischen Kirche, Horner Heerstraße 28.

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