Bremer Strafverteidiger ausgezeichnet Festschrift für einen Verteidiger

Mit einer Festschrift, in der 43 Fachbeiträge von Juristen aus ganz Deutschland versammelt sind, ist der Bremer Strafverteidiger Reinhold Schlothauer am Freitag für sein Lebenswerk geehrt worden.
16.02.2018, 19:19
Lesedauer: 1 Min
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Von Elke Gundel

Reinhold Schlothauer, einer der profiliertesten Strafverteidiger Bremens, ist am Freitag anlässlich seines 70. Geburtstags mit einer Festschrift geehrt worden. Fragt man ihn selbst, was eine Festschrift ist, dann sagt er „eine Marotte von Juristen“ und lacht verschmitzt. Tatsächlich ist das fast 550-seitige Buch, das 43 Beiträge renommierter Juristen aus ganz Deutschland versammelt, eine Art Oscar für Schlothauers Lebenswerk als Verteidiger, Autor und Hochschullehrer.

Schlothauer kam 1974 für sein Referendariat nach Bremen. Und hatte ein Problem, erzählt er. Denn egal, ob Gericht, Staatsanwaltschaft oder Behörde – keine dieser Stationen im Referendariat habe er sich als Berufsfeld vorstellen können. Zum Glück führte ihn das Referendariat auch in die Kanzlei des Strafverteidigers Heinrich Hannover. „Das hat mir Spaß gemacht.“ Damit stand fest, dass er Verteidiger werden würde. In einer großen Wirtschaftskanzlei deutlich mehr zu verdienen – das habe ihn nicht interessiert. „Ich kann mich nicht wegen Geld streiten.“

Seit 42 Jahren ist er Anwalt. 1980 hat Schlothauer die Fachzeitschrift „Strafverteidiger“ mit gegründet und gehörte der Redaktion bis Herbst 2017 an. Jetzt arbeitet er nur noch fünf Tage die Woche. Seit 1988 lehrt er überdies an der Uni Bremen, die ihn 1994 zum Honorarprofessor ernannt hat. Die Zahl seiner Veröffentlichungen, sagt Tido Park, einer der vier Festschrift-Herausgeber, wäre „schon für einen hauptamtlichen Professor eine Zier“. Für jemanden, der nur „nebenher“ wissenschaftlich arbeite, sei der Umfang „schier unglaublich“.

Als Verteidiger vor Gericht ist Schlothauer im Ton stets höflich, in der Sache aber kompromisslos. Der Begriff „scharfer Verstand“ könnte für ihn erfunden worden sein. Widersprüche in einer Anklage oder einer Aussage sind vor ihm nicht sicher. Wer einmal erlebt hat, wie er Ermittlungsergebnisse regelrecht seziert, wird nie wieder behaupten, dass Worte keine Macht haben.

Eine Festschrift ist traditionell eine Ehrung für einen Uni-Professor – ein „Praktiker“ wird eher selten auf diese Weise ausgezeichnet. „Dass einmal mein Name auf einer Festschrift stehen würde, hätte ich mir nie träumen lassen“, sagt Schlothauer. Er freue sich auf jeden einzelnen Beitrag in seinem ganz persönlichen Buch.

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