Einige Hundert Schwimmer im Stadionbad Feuchter Protest gegen Unibad-Schließung

Stiller Protest trifft lautes Geschrei: Am Montag war im Hansewasser-Hallenbad am Weserstadion alles anders als sonst. Demonstration statt Schwimmtraining.
08.09.2015, 00:00
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Feuchter Protest gegen Unibad-Schließung
Von Jörg Niemeyer

Stiller Protest trifft lautes Geschrei: An diesem Montag ist im Hansewasser-Hallenbad am Weserstadion alles anders als sonst. Demonstration statt Schwimmtraining.

„Lasst uns nicht untergehen“, steht auf einem Transparent, das zwei Erwachsene am Beckenrand hochhalten. Derweil skandiert im Wasser eine Hundertschaft Schwimmer immer wieder das Reizwort: „Unibad – Unibad – Unibad“. So laut und so lange, dass die Ohren allmählich zu schmerzen beginnen.

„Eine beeindruckende Demonstration – diesen Eindruck nehme ich mit zurück in die Behörde“, sagt Staatsrat Jan Fries (Grüne) eine halbe Stunde später vor dem Bad, wohin sich der bekleidete Teil der Protestierenden verzogen hat. Fries ist in Vertretung von Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) gekommen, stellt sich der Menge kurz, gibt aber keine verbindliche Auskunft über den Erhalt des Unibads ab.

"Zeitnahe Entscheidung"

„Wir werden die Fakten bis zum 16. September aufarbeiten und dann zeitnah die Entscheidung treffen“, sagt er – das ist alles für den Moment. Kein Ja, das sich die Anwesenden aus den Bremer Vereinen und Verbänden sehnlichst wünschen, aber auch kein Nein. Am 16. kommt erstmals nach den Bürgerschaftswahlen im Mai die neue Sportdeputation zusammen.

>> Kommentar: Bremen geht baden <<

Vor dem Bad ist es angenehm frisch – im Gegensatz zum Klima, das Minuten zuvor im Bad geherrscht hat. Der Protest ist zwar friedlich, aber massiv. Das liegt einerseits an der Enge der Halle mit ihren nur vier Bahnen, in die immer mehr Menschen strömen, am Beckenrand für dichtes Gedränge und zunehmend stickige Luft sorgen. Das liegt andererseits aber auch am spürbaren Unmut der Protestierenden.

23 Vereine ohne Heimat

Mütter und Väter mit ihren Kindern, Großeltern mit ihren Enkeln sind gekommen, um sich für den Erhalt des Unibads einzusetzen, das eigentlich an diesem Montag wieder eröffnet werden sollte. Nach dem Fund von Schimmelpilzen und giftigen Fasern bleibt es jedoch auf unbestimmte Zeit geschlossen. 23 Vereine, die das Unibad nutzen, haben plötzlich keine sportliche Heimat mehr.

Nicht nur Schwimmer sind betroffen, auch Taucher und Kanuten. Nicht nur Vereine, sondern auch Schulen. Und genau genommen auch jeder einzelne Nutzer eines bremischen Schwimmbads, denn: Das Schließen des Unibads erfordert eine Neuverteilung der vorhandenen Kapazitäten in allen anderen bremischen Bädern. Ob und wie diese Verteilung aussehen wird, ist unklar.

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Am Dienstag treffen sich Vertreter der Schwimmvereine, um zwei weitere Zusammenkünfte Ende der Woche vorzubereiten. „Sonst gibt es da ein Hauen und Stechen“, sagt Stephan Oldag, der Vorsitzende des Bremer Sport-Clubs, der den Aktionstag am Montag organisiert hat. Die Bremer Bäder GmbH hat Vorschläge unterbreitet, die den Schwimmklubs – das ist objektiv klar – nur bedingt weiterhelfen: Die Verlängerung der Badöffnungszeiten von 21 auf 22 Uhr lässt Kurse mit Kindern nicht zu.

Ein Teufelskreis

Und was Oldag auf keinen Fall will, sagt er auch: „Wir möchten nicht in Konkurrenz zu den öffentlichen Schwimmern treten.“ Die Vereine ins Bad lassen, während die Öffentlichkeit draußen bleibt, sei keine Lösung. Auch deshalb nicht, weil die Bremer Bäder GmbH dann öffentliche Gelder einfordern würde, da ihr normale Einnahmen wegbrechen. Ein Teufelskreis.

„Wir fordern, die Unihalle so schnell wie möglich wieder zu öffnen“, sagt Oldag also via Megafon – Wasser spritzt unter schlagenden Händen auf, es gibt viel Applaus. Und wohl niemanden in der Halle, der widersprechen würde. „Ich vermisse das Engagement für den Sport“, sagt der Präsident des Landesschwimmverbands Bremen, Wilfried Schwarze. Enttäuscht sei er gerade aus einer Sitzung gekommen, an der auch Anke Precht vom Sportamt und Staatsrat Jan Fries teilgenommen haben.

„Kämpfen Sie für die Schwimmsportler“

Schwarze erinnert daran, dass Vereine schon einmal viele Mitglieder verloren haben: Bremen 10, als das Südbad umgebaut wurde; und Schwarzes Heimatklub SV Weser, als dessen Vereinsheim abgerissen wurde. Oldag befürchtet Ähnliches und appelliert in zwei Richtungen. „Kämpfen Sie für die Schwimmsportler“, sagt er zu Staatsrat Fries. „Schreibt noch keine Austrittserklärungen – das wäre der Untergang der Vereine“, bittet er die Mitglieder der Klubs. Natürlich ist der Bremer Sport-Club an diesem Tag am stärksten vertreten, doch etliche andere bremische Schwimmklubs haben auch Protestvertreter geschickt, sogar aus Bremen-Nord.

„Der Wahlkampf ist zu Ende – jetzt zählen Taten“, sagt der Präsident des Landessportbunds Bremen (LSB), Andreas Vroom. „Die Sanierungsgeschwindigkeit ist für mich ein Indikator für den Stellenwert des organisierten Sports in Politik und Verwaltung“, ergänzt er und fordert unbürokratische Unterstützung – zum Beispiel in Form des Verzichts auf eine EU-weite Ausschreibung beim Ersatz der „vergifteten“ Lüftungsanlage im Unibad. „Unkomplizierte Maßnahmen fordert Bundeskanzlerin Merkel für Flüchtlinge – das wünschen wir uns auch.“ Das Unibad müsse nicht hübsch werden – es müsse nur betriebsbereit sein.

Bis Ende September, so verspricht Fries, werde entschieden, wie es mit dem Unibad weiter geht. Bis dahin dürfte es weitere Protestaktionen geben. Vom Bremer Sport-Club und wohl auch in Horn-Lehe, wo Beiratssprecher Stefan Quaß (CDU) und seine Stellvertreterin Catharina Hanke (SPD) gemeinsam „die zügige Unibad-Sanierung“ fordern.

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