Kritik an Ermittlungen der Polizei

Feuerwehrmann aus Bremerhaven für Brandstiftung verurteilt

Ein 22-jähriger freiwilliger Feuerwehrmann aus Bremerhaven ist vor dem Landgericht wegen Brandstiftung verurteilt worden. Kritik übte das Gericht bei der Urteilsverkündung auch an den Ermittlungen der Polizei.
12.02.2020, 19:12
Lesedauer: 2 Min
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Feuerwehrmann aus Bremerhaven für Brandstiftung verurteilt
Von Ralf Michel

Wegen Brandstiftung hat das Landgericht Bremen am Mittwoch einen 22-Jährigen aus Bremerhaven zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Zwei Besonderheiten gibt es in diesem Fall: Zum einen ist der Täter selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, zum anderen wurde er nur für eine Brandstiftung verurteilt, von zehn weiteren aber freigesprochen. Was aus Sicht des Gerichts viel mit der Ermittlungsarbeit der Polizei in Bremerhaven zu tun hat. Die Vorsitzende Richterin versuchte, es vorsichtig zu formulieren. Den 22-Jährigen als Verdächtigen ins Visier zu nehmen, sei angemessen gewesen.

Schließlich wurde er am 23. Mai 2019 bei gleich drei Bränden am Tatort beobachtet. Auch die Arbeitshypothese der Polizei, dass er der Täter gewesen sein könnte, gehe deshalb in Ordnung. Anschließend jedoch hätten die Beamten die Vernehmungen mit relativ großer Gewissheit geführt, den Richtigen zu haben und großen Druck auf ihn ausgeübt. Nach einer Serie von Brandstiftungen sei der Wunsch der Polizei offenbar sehr groß gewesen, dem ein Ende zu sitzen, so die Richterin. Und nachdem man den 22-Jährigen dann tatsächlich an einem Brandort erwischte, habe man ihn dann mit zehn weiteren Bränden in Verbindung gebracht, ohne wirkliche Beweise dafür zu haben.

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Eine besondere Rolle spielte dabei die Funkzellen-Auswertung. Die ergab laut Polizei, dass sich das Handy des Angeklagten jeweils in der Nähe der Brandorte befunden hatte. Auf den ersten Blick ein belastendes Indiz. Tatsächlich aber war die Funkzelle so groß, dass sich darin nicht nur die Brandorte, sondern auch die Wohnung des Angeklagten, die seiner Freundin und das Gerätehaus der Freiwillige Feuerwehr befand. Also genau die Orte, in denen der Angeklagte den größten Teil seiner Freizeit verbrachte, womit ihn dies nicht einmal ansatzweise verdächtig machte. Weder Gericht noch Staatsanwaltschaft hätten von der Größe der Funkzelle gewusst. Die Polizei aber sehr wohl, und darauf hätte sie mit größerer Klarheit hinweisen können, kritisierte die Richterin.

Verurteilt wurde der 22-Jährige für den Brand einer Gartenlaube auf einer verlassenen Parzelle einer Kleingartenanlage. Hier hatte ihn die Polizei geschnappt und diese Tat räumte der Angeklagte dann auch ein. Gab aber an, lediglich ein Feuer vor der Hütte angezündet zu haben, um sich daran aufzuwärmen. Dies sei dann auf die Hütte übergesprungen. Juristisch wäre es damit lediglich um fahrlässige Brandstiftung gegangen, doch diese Geschichte nahm das Gericht ihm nicht ab. „Sie entfachen so ein Feuer nicht aus Versehen, Sie sind schließlich ein erfahrener Feuerwehrmann.“

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Doch im Gegensatz zu einigen der anderen angeklagten Brände, bei denen auch Menschen in Gefahr hätten geraten können, handele es sich hierbei nur um eine einfache Brandstiftung. Daher die Bewährungsstrafe für den bislang unbescholtenen Angeklagten. Auf den 22-Jährigen, der wegen der ursprünglich weit gravierenderen Vorwürfe siebeneinhalb Monate in Untersuchungshaft gesessen hat, kämen ohnehin schwere Zeiten zu, so die Vorsitzende Richterin abschließend. Die Freiwillige Feuerwehr sei seine Ersatzfamilie gewesen und wie sein Arbeitgeber auf all dies reagiere, wisse man auch nicht.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 19:11 Uhr +++

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