Bremen Arena Feuerwerk der Turnkunst verzaubert 8200 Zuschauer

Bremen. "Body Talk" - unter diesem Titel begeistert das 23. Feuerwerk der Turnkunst derzeit das Publikum zwischen Flensburg und München. Nun machte das Akrobaten- und Tanz-Ensemble in der Bremen Arena Station - und verzauberte 8200 Gäste mit feinster Turn-Artistik.
08.01.2010, 19:00
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Feuerwerk der Turnkunst verzaubert 8200 Zuschauer
Von Jörg Niemeyer

Bremen. "Body Talk" - unter diesem Titel begeistert das 23. Feuerwerk der Turnkunst derzeit das Publikum zwischen Flensburg und München. Nun machte das Akrobaten- und Tanz-Ensemble in der Bremen Arena Station - und brachte 8200 Gäste in der Halle je nach Programmpunkt mal zum Träumen, häufig zum Lachen und fast immer zum Staunen.

'Lass den Körper sprechen und den Mund geschlossen': So lässt sich das Motto der Veranstaltung, die zum sechsten Mal auf der Bürgerweide gastierte und allmählich auch den Süden der Republik erobert, frei übersetzt wiedergeben. Beeindruckend, wie die Darsteller ihre Körper sprechen ließen. Bei Ulrike Heilemann, die mit Ehemann und ihren beiden Kindern auf der Tribüne saß, kamen die Botschaften an. 'Am besten hat mir die menschliche Flagge gefallen, dann die niedersächsischen Bundesliga-Turner', sagte die Habenhauserin und präzisierte fast schon schwärmend: 'Die sahen soooooo gut aus.'

Mit ihren Waschbrettbäuchen fielen diese Turner eigentlich nur deshalb besonders ins Auge, weil sie die einzigen waren, die 'oben ohne' aufliefen. Die anderen Artisten zeigten sich kostümiert, doch selbst 'verhüllte' Körper mit Kissen unter dem Hemd ließen keine Zweifel an hundertprozentiger Fitness aufkommen. Geschmeidig zelebrierte das von Ulrike Heilemann so geschätzte Quartett erst am Barren und später am Pauschenpferd seine Kür.

Zelebrieren, das ist wirklich nicht zu hoch gegriffen, denn alle Artisten dieses kurzweiligen 160-Minuten-Mammutprogramms (plus 30 Minuten Pause) gehen in ihren Darbietungen förmlich auf. Das gilt für die amtierenden Vizeweltmeister in der Sportakrobatik, Anastasia Gorbatyuk und Alexander Barleben, ebenso wie für die Kindergruppe und die Sportgymnastinnen von Bremen 1860.

Dieser bremische Großverein ist für den Tournee-Veranstalter, den Niedersächsischen Turner-Bund (NTB), der örtliche Gastgeber, der das Ereignis nutzte, um nachdrücklich auf den in diesem Jahr zu feiernden 150. Geburtstag des Klubs hinzuweisen - mit bestens ins Programm passenden Auftritten. 'Um die Zukunft Ihres Vereins mache ich mir keine Sorgen', sagte Bremens Sportsenator Ulrich Mäurer, nachdem 1860-Präsident Peter Scheuer ihm während der - natürlich gesprochenen - Begrüßung das Mikrofon übergeben hatte.

Neben Mäurer und Scheuer redete ansonsten nur noch Jens Ohle: Der Moderator führte witzig durch den Abend und lieferte obendrein mit seinen Einlagen als Leiterakrobat, Jongleur und Zauberer Belege dafür, dass er in jeder Beziehung ins Programm passte.

Einige wenige Worte mehr von Jens Ohle wären indes nicht überflüssig gewesen. Denn ohne Anmoderation der einzelnen Künstler wussten die Zuschauer nicht, wer da gerade welches Glanzstück zum Besten gab. Erst beim großen Finale stellte Jens Ohle alle Darsteller namentlich vor - sie hätten es schon früher verdient gehabt.

Späte Vorstellung

Doch wenn überhaupt als solche zu verstehen, wäre es die einzige Kritik an einer herausragenden Veranstaltung. Nicht nur die Frauen wie beispielsweise Ulrike Heilemann kamen voll auf ihre Kosten. Erstens waren auch viele nett anzuschauende Damen zu sehen, und zweitens war das Outfit der Künstler sowieso nur das jeweilige Sähnehäubchen auf außergewöhnliche Leckerbissen. Der Regisseurin Heidi Aguilar ist es gelungen, diese einzelnen Leckerbissen zu einem Festmenü zusammenzustellen. Mehr noch: Selbst die Umbaupausen zwischen den Programmpunkten füllten Jens Ohle, die KGB-Clowns oder der Geiger Daniel Stemberg mit Leben.

Lag es an ihrem Alter, dass Thea Brandt die Waschbrettbäuche der Turner nicht zu allererst in Erinnerung blieben? 'Ich sehe das aus Sicht einer langjährigen Übungsleiterin', erklärte die rüstige Seniorin, die 37 ihrer 78 Lebensjahre in den Dienst der SV Hemelingen gestellt hat. Ihre Favoritenliste beim Feuerwerk: zuerst die Showgruppe des NTB, die mit ihren Tanzdarbietungen bestach; dann das Konzept der Veranstaltung, das auch, aber nicht nur Hochleistungen der Aktiven verlangt. Bernd Bolfraß dagegen würdigte ebenfalls die NTB-Turner, allerdings nicht so sehr wegen ihres Aussehens. 'Ich war früher selbst Kunstturner, beim Hastedter TSV.' Was den Ex-Turner gleichwohl nicht blind fürs abwechslungsreiche Ganze machte.

Schade, dass eine Zeitung die vielen Höhepunkte, die auch Bernd Bolfraß erlebt hatte, kaum wiedergeben kann. Wie lässt sich Körpersprache in Worte umwandeln? Ein Versuch: Die menschliche Flagge, dargestellt durch den Kanadier Dominic Lacasse, weht an einem senkrechten Fahnenmast. Dass ein Mensch sich in dieser Form waagerecht ausstreckt und sich wie vom Winde gerührt langsam bewegt, ist schon schwer zu glauben, wenn man es nicht gesehen hat. Dass dieser Mensch in dieser Lage dann aber auch noch einen Klimmzug macht, den manch einer an einer waagerechten Stange kaum hinbekommt, ist schlicht atemberaubend.

Dominic Lacasse? Schlusspunkt des Feuerwerks war indes nur dessen x-ter Höhepunkt. Zuvor hatten die Catwall Acrobats mit ihrer Trampolinnummer das Publikum zum Toben gebracht. Im Takt von fetziger Rock?n?Roll-Musik, stürzte sich das Sextett in pausenloser Folge von einer angedeuteten Hauswand, federte zurück, lief mit dem Schwung mal die Wand hinauf, verschwand mal in den Fensterlöchern der Kulisse oder flog gleich ganz nach oben aufs Flachdach. Man muss es einfach gesehen haben... Wie die Nummer der Novikovs am Dreifach-Reck, Hugo Noels Nummer mit dem mannshohen Cyr-Ring, die Flic-Flacs des National Danish Performance Teams oder die irren Figuren, die die Breakdancer der B-Boy-Crew aufs Parkett zauberten.

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