Spezialschutz ab Freitag erhältlich Kostenlose FFP2-Masken in Bremen: Apotheker befürchten Ansturm

Der Senat hat beschlossen, Senioren kostenlos mit FFP2-Masken auszustatten. Von Freitag an werden sie in Apotheken ausgegeben. Die Apotheker machen sich Sorgen, dass es zu einem zu großen Ansturm kommen könnte.
10.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mathias Sonnenbergund Sabine Doll

Ältere Menschen gehören zur Risikogruppe für einen schweren Krankheitsverlauf, wenn sie mit dem Coronavirus infiziert sind: Von diesem Freitag an können sich Menschen im Alter ab 65 Jahren in Apotheken im Land Bremen sogenannte FFP2-Masken kostenlos abholen. Das bestätigte die Bremer Apothekerkammer dem WESER-KURIER. Diese Masken bieten auch für ihre Träger einen effektiveren Schutz vor Coronaviren und anderen Krankheitserregern, die per Tröpfchen übertragen werden.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hatte die kostenlose Ausgabe bei einer Sondersitzung der Bürgerschaft am 31. Oktober angekündigt. Der Senat will mit dieser Initiative die bisherigen Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie ergänzen. Wie berichtet, hat der Senat am Dienstag vergangener Woche die Kosten für die Ausgabe der FFP2-Masken in Höhe von zwei Millionen Euro aus dem Bremen-Fonds zur Verfügung gestellt.

Apotheker fürchten dichtes Gedränge

Die Apothekerkammer ist mit der Organisation und Verteilung der Masken beauftragt. Den Informationen zufolge sollen alle Bremer Apotheken in den Stadtteilen Lieferungen erhalten. Menschen ab 65 Jahre sollen demnach pro Monat eine Packung mit je zehn Masken erhalten. Nach der Ankündigung des Bürgermeisters hatte es bei Apothekern Befürchtungen gegeben, dass es durch die kostenlose Ausgabe zu langen Schlangen und dichtem Gedränge vor den Geschäften kommen könnte.

Diese Sorge treibt Apotheker in der Stadt weiter um, es gibt auch Kritik an der Aktion: „Uns ist wichtig zu sagen, dass wir uns ehrenamtlich einbringen und dafür Sorge tragen müssen, dass für die Mitarbeiter und auch die Kunden die Sicherheit an erster Stelle steht. Es ist nicht sinnvoll, dass ab Freitag die Kunden dicht an dicht vor den Apotheken stehen. In diese Richtung geht auch meine Kritik, denn die Gratis-Verteilung von Masken birgt auch Risiken“, sagt Thomas Real, Inhaber der Raths-Apotheke am Marktplatz.

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Weil alle Apotheken im Stadtgebiet die Masken bekämen, sei es wichtig, dass die Menschen den FFP2-Schutz auch in den Apotheken in ihren Stadtteilen holten. Nicht sinnvoll sei es, wenn viele Menschen ins Stadtzentrum kämen, um dort die Masken in den Apotheken abzuholen, betont Real. Es gehe vor allem auch um gegenseitige Rücksichtsmaßnahme. "Jeder sollte darüber nachdenken, dass es nicht zu so Szenen kommt wie im Frühjahr beim Verkauf von Toilettenpapier. Wir wollen kein Wettrennen bei der Verteilung der Masken.“

Die Apothekerkammer rechnet offenbar ebenfalls mit einem größeren Ansturm: Am Montagabend veröffentlichte die Kammer auf ihrer Homepage unter der Überschrift „Kostenlose Maskenabgabe an Menschen über 65“ einen Hinweis, dass vor der offiziellen Ausgabe keine kostenlosen FFP2-Masken abgeholt werden könnten – und auch eine Vorab-Reservierung in den Apotheken sei nicht möglich, heißt es dort.

Masken können in Vertretung abgeholt werden

Und wie soll die Ausgabe des FFP2-Schutzes kontrolliert werden? „Wir werden keine Ausweiskontrolle vornehmen oder diskutieren, ob jemand Risikopatient ist oder nicht. Es geht ja darum, die Sicherheit für alle hochzuhalten“, kündigt der Inhaber der Raths-Apotheke an. Demnach könnten auch jüngere Angehörige die Masken in Vertretung für die Anspruchsberechtigten abholen.

Weitere Fragen zur Gratis-Abgabe sind noch offen. So zum Beispiel, ob ausschließlich ältere Menschen ab 65 Jahre das kostenlose Zehnerpack mit FFP2-Masken pro Monat erhalten sollen. Bovenschulte hatte in der Sondersitzung der Bürgerschaft angekündigt: „Wir wollen älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen einfacher als bisher ermöglichen, sich mit FFP2-Masken selber effektiv vor Ansteckungen mit Covid-19 zu schützen.“ Zur Risikogruppe mit Vorerkrankungen gehören auch jüngere Menschen.

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Im Vorfeld hatte es zunächst Überlegungen gegeben, die Ausgabe an ein ärztliches Attest zu knüpfen. Dies hätte zusätzlichen Aufwand und einen möglichen Ansturm auf Arztpraxen bedeutet. Auch wie lange die Gratis-Ausgabe der Spezialmasken in den Apotheken des Landes laufen soll, ist derzeit noch nicht bekannt. Aus dem Rathaus gab es dazu am Montag keine weiteren Informationen: Christian Dohle, Sprecher des Bürgermeisters und der Senatskanzlei, verwies auf eine Pressekonferenz am kommenden Donnerstag. Bei diesem Termin wollen Bovenschulte und Vertreter der Apothekerkammer die Initiative im Detail vorstellen.

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