ADFC will Lastenrad populär machen Fietje soll die Stadtteile erobern

Mit dem Fahrrad in den Baumarkt oder zum Getränkeholen: Mit Fietje kein Problem. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub will das Lastenrad in Bremen populär machen und gratis verleihen.
01.02.2018, 05:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

Fietje heißt das Leih- und Lastenfahrrad, das der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Bremen populär machen möchte. Dafür hat der Verein einiges an Vorarbeit geleistet, besonders Hannah Simon und Kirstin Klimbert. Der Name Fietje, erklärt Kirsten Klimbert, sei aus einem öffentlichen Wettbewerb hervorgegangen. Die plattdeutsche Variante von Friedrich klinge freundlich und erinnere an das niederländischen Fiets für Fahrrad. „Fietje hat uns auf mehreren Ebenen überzeugt“, bekräftigt Hannah Simon. „Und es hat es mit der ‚Fietje Balge'-Statue in der Straße Hinter dem Schütting auch einen direkten Bezug zu Bremen.“

Der Wunsch, Lastenfahrräder in Bremen stärker einzusetzen, gibt es in der Radstation am Hauptbahnhof schon einige Jahre. Seit einem Jahr, seit sie in der Geschäftsstelle sind, treiben Simon und Klimbert das Projekt voran. "Der Einkauf beim Baumarkt, die Tour mit den Kindern, der Wocheneinkauf für die Familie auf dem Markt oder beim Diskounter, das Picknick im Grünen gehe, ohne Auto, mit dem Lastenrad Fietje”, zählt Hannah Simon einige Möglichkeiten der umweltfreundlichen, gesundheits- und fitnessfördernden Alternative auf.

Stabile Transportmittel

Lastenräder sind stabile, robuste Transportmittel, die nicht zu Schnäppchenpreisen zu haben sind und nach eigener Anschaffung vielleicht keinen Unterstellplatz finden, wenn jemand zur Miete wohnt. Damit Bremerinnen und Bremer die Vorteile solcher Räder ausprobieren können, nicht an den Anschaffungskosten scheitern oder ohne persönliche Erfahrungen Geld ausgeben, startet Bremens Fietje Ende März.

Bestellt hat der ADFC vorerst drei Lastenräder, sechs sollen es im Laufe des Jahres werden. Eine Anschubfinanzierung sichert die ersten beiden Projektjahre ab. Diese drei Räder werden in drei Stadtteilen stehen, wovon Findorff und Vegesack in der Auswahl sind und ein noch ungenannter Stadtteil, vermutlich aber die Neustadt. Vegesack wird, wegen der vermeintlich längeren und auch steileren Wege, das Test-Lastenrad als E-Bike erhalten. In den beiden anderen Stadtteilen sollte laut ADFC die Pedalkraft ausreichen. Die ersten drei Räder stammen aus der Heimat der Lastenräder, den Niederlanden, und sind von Bakfeets. Hannah Simon und Kirsten Klimbert suchen noch nach Stationen in unterschiedlichen Stadtteilen, nach Partnern, bei denen die Räder ausgeliehen und zurückgegeben werden können. Diese Orte sollen möglichst sechs Tage die Woche geöffnet haben, um eine große Zeitspanne zum Abholen und für die Rückgabe abzudecken. Nicht nur Fahrradläden, auch Stadtteilbüros, Nachbarschaftstreffs, Vermieterbüros oder Mieterinitiativen kommen in Frage, auch Projekte wie das Umgestaltungsgebiet Ellener Hof. Für den Verleih wird der ADFC bis zum Projektstart eine Internetseite “Fietje-Lastenrad” einrichten.

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Auf der Website können die Räder maximal vier Wochen im Voraus und für ein bis maximal drei Tage Mietdauer reserviert werden. Mit dem Ausdruck der Reservierung kann das Rad an der Stadtteilstation abgeholt werden. Das Mieten beziehungsweise Testen von Fietje kostet nichts. Vorerst werden die Fietjes vom ADFC gewartet und repariert, dann sollen Partner sich daran beteiligen. Lastenräder sind in der Regel wartungsarm.

Fietje kann, inklusive Fahrer oder Fahrerin, 150 Kilogramm tragen. Das Rad hat eine Acht-Gang-Nabenschaltung, eventuell zusätzlich die Unterstützung eines Elektromotors. Das Bremer Fietje ist ein flottes Zweirad, im Gegensatz zu dreirädigen Lastenrädern, die deutlich gemächlicher unterwegs sind. Fietje hat als Damenrad einen niedrigen Einstieg und kann mit geringer Sitzhöhe gefahren werden, hat aber eine lange Sattelstütze für kleinere und große Menschen. Und stabile Ständer. Vor dem Lenker und hinter dem Vorderrad hat Fietje einen großen, wetterfesten und stabilen Kasten, in dem bei Testfahrten des ADFC abwechselnd Hannah Simon und Kirsten Klimbert Platz genommen hatten.

Kennenlernen auf der Messe "Draußen"

Wer Fietje gerne schon vor den offiziellen Ausleihemöglichkeiten kennenlernen möchte, hat dazu bei der Messe „Draußen“ für Rad- und Freizeitsport am Sonnabend und Sonntag, 10. und 11. März, von 10 bis 18 Uhr in den Messehallen 4 und 5 Gelegenheit dazu.

Mit ausleihbaren Lastenfahrrädern gibt es laut ADFC in mehreren deutschen Städten gute Erfahrungen. Der Verein hat beispielsweise im geringfügig kleineren Hannover das Hannah Rad auf die Straße geschickt. 22 ADFC-Lastenräder fahren durch Niedersachsens Hauptstadt. In Bremen sollen weitere Fietjes im Laufe des Jahres beziehungsweise 2019 folgen und die Stadt nach und nach erobern.

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