Prozess am Landgericht Bremen

Filmreifer Diebstahl eines Kleintransporters - Täter gesteht

Wegen Diebstahls eines Firmentransporters wird einem 35-Jährigen in Bremen der Prozess gemacht. Bei seiner Flucht mit dem Wagen wurde ein Mann verletzt - er hatte sich auf die Motorhaube geworfen.
11.01.2018, 09:24
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Filmreifer Diebstahl eines Kleintransporters - Täter gesteht
Von Ralf Michel
Filmreifer Diebstahl eines Kleintransporters - Täter gesteht

Symbolbild.

dpa

Eine Szene wie aus einem Action-Film: Ein Mann versucht, einen Firmentransporter zu stehlen. Ein Mitarbeiter des Unternehmens klammert sich an Seitenspiegel und Motorhaube des bereits rückwärts rollenden Wagens, um den Dieb zu stoppen. Doch der legt ungerührt den Vorwärtsgang ein, schleift den Mann über 30 Meter mit, bis der sich nicht mehr halten kann und mit einer stark blutenden Kopfwunde sowie etlichen Abschürfungen auf der Straße landet.

Kein Fernsehkrimi, sondern Realität – passiert in Bremen, vormittags am 31. Juli 2017 im Doventorsteinweg. Die Aufarbeitung dieses Vorfalls hat am Donnerstag vor dem Landgericht begonnen. Angeklagt ist ein 35-Jähriger. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann räuberischen Diebstahl vor, aber das ist es nicht allein, weshalb er vor Gericht steht. Er soll auch in der Silvesternacht auf 2017 in Huchting in ein Haus eingebrochen sein und dort Wertsachen und Bargeld im Gesamtwert von 6860 Euro gestohlen haben. Außerdem wird ihm ein weiterer Einbruch vom Dezember 2016 zur Last gelegt, begangen ebenfalls in Huchting. Dort habe er einen Fernseher und die Schlüssel für einen Pkw mitgenommen, heißt es in der Anklageschrift. Und dass er anschließend mit dem unweit des Hauses geparkten Fahrzeug der Hausbesitzerin seine Beute abtransportiert habe. Schließlich soll er im Januar 2017 einen Zigarettenautomaten von einer Hauswand abmontiert und später aufgebrochen haben.

Spektakulärer Pkw-Raub

Vor Gericht zeigte sich der 35-Jährige zum Teil geständig, räumte allerdings nur die Taten ein, die ihm ohnehin nachgewiesen werden können. Dazu gehört der spektakuläre Diebstahl des Firmentransporters. Mit dem Wagen war der 67-jährige Mitarbeiter einer Firma unterwegs, die Zigarettenautomaten bestückt. Im Doventorsteinweg hatte er den Transporter halb auf dem Bürgersteig abgestellt, um einen Automaten nachzufüllen, berichtete der Mann als Zeuge vor Gericht. Den Wagen ließ er dabei offen, der Zündschlüssel steckte. Nichts Ungewöhnliches, betonte er. „Der Automat war ja nur ein, zwei Meter entfernt.“

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Den Dieb habe er zunächst nicht bemerkt, sondern erst, als dieser den Transporter anließ. Er sei dann sofort zu dem im Schritttempo rückwärts rollenden Fahrzeug gelaufen, habe sich an der Motorhaube festgehalten, laut an die Scheibe geklopft und den Mann im Inneren angeschrien, dass dieser gefälligst anhalten solle. Der habe darauf jedoch nicht reagiert, sondern vielmehr den Vorwärtsgang eingelegt und sei dann zügig angefahren. „Ich habe mich instinktiv festgehalten und wurde mitgeschleift“, erzählte der 67-Jährige. Als er dann gemerkt habe, dass der andere nicht anhalten würde, habe er sich fallengelassen.

Verletzungen des Opfers

Bei diesem Sturz erlitt das Opfer Schürfwunden an beiden Händen, Armen und Beinen sowie der Stirn. Außerdem eine schmerzhafte Prellung der linken Schulter und eine stark blutende Kopfplatzwunde. Er wurde zunächst nur ambulant behandelt, musste später wegen Schwindelgefühlen aber drei Tage zur Beobachtung ins Krankenhaus. Bleibende Folgen habe er jedoch nicht davongetragen, ihm gehe es wieder gut.

Der Dieb verschwand zunächst unerkannt mit dem Transporter, in dem sich Tabakwaren im Wert von über 40.000 Euro, 3951 Euro Bargeld sowie 400 Schlüssel zu verschiedenen Zigarettenautomaten befanden. Er konnte jedoch schon wenig später von der Polizei gestellt werden.

Die Tat räumte der 35-Jährige ein, gab aber auch an, sich an nichts erinnern zu können. Er habe damals unter Drogen gestanden und erst sechs Tage später realisiert, was er getan hatte. Auch an seine Untersuchung im Krankenhaus und die Vernehmung durch die Polizei will er sich nicht mehr erinnern können.

Geständnis des Täters

Geständig zeigte er sich auch zum zweiten ihm vorgeworfenen Einbruch – „da war ich aber besoffen“ –, räumte sowohl den Diebstahl des Fernsehers als auch des Wagens ein. Den Fernseher habe er keine 300 Meter vom Einbruchshaus in einem Café in Huchting für zwei Kugeln Kokain verkauft, den Wagen habe er – mit falschen Nummernschildern, aber ohne Führerschein – so lange genutzt, bis die Polizei ihn festnahm.

Zu dem Einbruch in der Silvesternacht sagte der Angeklagte am Donnerstag nichts. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 31. Januar, fortgesetzt.

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