Findorffer Kontaktpolizist

„Zu Fuß lernst du die Menschen kennen“

Kontaktpolizist Werner Schaper verlässt nach neun Jahren sein Findorffer Revier. Ende September ging er in den Ruhestand.
01.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten
„Zu Fuß lernst du die Menschen kennen“

Kontaktpolizist Werner Schaper geht in den Ruhestand.

Roland Scheitz

Neun Jahre lang war der Ortsteil Regensburger Straße sein Revier. Von nun an wird Polizeioberkommissar Werner Schaper nur noch sporadisch zu Besuch kommen. Mit seinem 62. Geburtstag verabschiedete sich der Findorffer Kontaktbeamte Ende September in den Ruhestand. In Tausenden Kilometern Laufstrecke ist er Findorff und den Findorffern nahe gekommen. Darüber, was er mit ihnen so alles erlebt hat, könnte er ein dickes Buch schreiben. Keine Bange: Das wird er nicht tun. Er sagt dazu nur so viel: „Die Arbeit hat mir jeden Tag Spaß gemacht.“

Und das, obwohl die Polizeilaufbahn für ihn eigentlich nur die zweite Wahl war. Mit der Lehre zum Chemielaboranten hatte er zuvor zwar seinen eigentlichen Traumberuf eingeschlagen – um die Berufsaussichten stand es seinerzeit allerdings schlecht, erzählt Schaper. Im August 1978 heuerte er darum, 19-jährig, beim Bundesgrenzschutz in Lübeck an. Als frisch ausgebildeter Polizeiwachtmeister wurde er zunächst in die damalige Bundeshauptstadt Bonn delegiert, wo er im Objekt- und Personenschutz tätig war. Zurück in Bremen war drei Jahre lang das 13. Revier am Hafen sein Einsatzgebiet. Ab 1987 folgte der Streifendienst in Bremen-Nord, wo er insgesamt 25 Jahre lang blieb – zunächst in Blumenthal, dann in Vegesack.

Von Findorff kannte er bis dahin allenfalls die großen Durchgangsstraßen Richtung Innenstadt, gesteht Schaper. Zum Vorstellungsgespräch brachte er in Sachen Milieukenntnis nur einen ausgiebigen Spaziergang durch den Stadtteil in Begleitung der Ehefrau mit. Ihn hatte an der freien Stelle vor allem die Jobbeschreibung interessiert. „Ich wollte unbedingt Kontaktpolizist werden. Raus aus dem Schichtdienst, mitten ins Leben.“ Einige Jahre später hätte sich die Gelegenheit ergeben, in heimatliche Gefilde im Norden Bremens zu wechseln. Doch da war es schon zu spät. „Ich habe mich in Findorff wohlgefühlt und wollte mich weiter ganz einbringen“, erklärt er. „Es braucht seine Zeit, den Stadtteil kennenzulernen, Kontakte aufzubauen, Netzwerke zu knüpfen. Außerdem sollten sich die Leute ja auch an mich gewöhnen.“ Sehr gerne habe er auch mit den Schulen im Stadtteil zusammengearbeitet – und winkende Kinder und grüßende Jugendliche sind die Bestätigung, dass das offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruhte.

Sichtbar, ansprechbar und hilfsbereit war er für sie jedenfalls sehr oft. 80 bis 90 Prozent seines Arbeitstages sei er im Stadtteil unterwegs gewesen, habe täglich wohl zwischen fünf bis zehn Kilometern abgelaufen. Das sei ihm wichtig gewesen: „Zu Fuß lernst du die Menschen kennen“, sagt er. Ob sich irgendetwas im Laufe des vergangenen Jahrzehnts verändert habe? „Es scheint mir, als ob persönliche Egoismen zunehmen und die gegenseitige Rücksichtnahme abnimmt.“

Seinen Zuständigkeitsbereich wird nun seine Kollegin Eva-Maria Voßmerbäumer übernehmen. Der Vater zweier erwachsener Söhne, Großvater einer Enkelin, wird auch seine Freizeit sportlich und meist im Freien verbringen – im eigenen Garten, auf dem Fahrrad, beim Badmintonspielen, Schwimmen oder beim Training seiner Herrenfitnessgruppe. Die vielen Geschichten, die er mit den Findorffern erlebt hat – seien sie erfreulich oder traurig, berührend oder kurios – würden wohl einen Stadtteil-Bestseller füllen, vermutet der Polizeibeamte. Doch sie sollen sichere Verschlusssache bleiben. „Sie gehören nicht in die Öffentlichkeit, weil sie ja immer mit Menschen zu tun haben”, sagt er. „Und Findorff ist ja ein Dorf, in dem Jeder Jeden kennt.“ Was er von seiner beruflichen Wegstrecke für seine eigene Zukunft mitnimmt: „Als Polizist lernst du auch viel Leid kennen. Dann weißt du viel mehr zu schätzen, wenn es dir gut geht.“

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