Jugendliche zeigen Graffiti-Bilder im Kulturhaus Pusdorf und Wandbemalung

Fingerspitzengefühl gefragt

Graffiti an den Wänden ist für viele – vor allem Hausbesitzer – ein Ärgernis. Doch neben Schmierereien gibt es auch wahre Kunstwerke, die mit der Spraydose hergestellt werden. In Woltmershausen zeigen Jugendliche derzeit, was in ihnen und ihren Spraydosen an kreativen Möglichkeiten steckt.
29.08.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von JÖRG TEICHFISCHER

Graffiti an den Wänden ist für viele – vor allem Hausbesitzer – ein Ärgernis. Doch neben Schmierereien gibt es auch wahre Kunstwerke, die mit der Spraydose hergestellt werden. In Woltmershausen zeigen Jugendliche derzeit, was in ihnen und ihren Spraydosen an kreativen Möglichkeiten steckt.

Woltmershausen. Bei dem Graffitikünstler Siko Ortner, der seit zwei Jahren im Kulturhaus Pusdorf Kurse anbietet, konnten Jugendliche aus der Oberschule Roter Sand, der Evangelischen Christusgemeinde und des Freien Graffitikurses des Kulturhauses Pusdorf das Handwerk des Sprayens lernen. Einmal pro Woche erfuhren sie, wie erst eine Skizze und dann eine Schablone aus Papier und Folie für das Kunstwerk hergestellt werden, bevor es ans eigentliche Sprayen geht. „Für jede benutzte Farbe muss eine eigene Schablone erstellt werden“, erklärt Ortner anlässlich der Ausstellungseröffnung im Kulturhaus Pusdorf, die musikalisch von den Kursteilnehmern Jan Erjawetz (Klavier) und Mona Thaden (Gesang) begleitetet wurde.

Ausgestellt werden Motive der Kursteilnehmer, die sie beispielsweise aus der Fernsehserie „Die Simpsons“ abgeschaut haben. Die Comicfiguren haben offenbar so sehr begeistert, dass gleich sechs der 22 teilnehmenden Jugendlichen Motive aus der Sendung auswählten. Die Kursteilnehmerin Mona Thaden hat die bekannte Mona Lisa nachgesprayt und ihr Bild „Monas Lisa“ genannt. Andere haben Musikstars wie „Lady Gaga“ oder künstlerisch „aufgeblasene“ Buchstaben hervorgebracht.

Das klingt einfacher als es ist. Mehrere Stunden hat beispielsweise Emma Hinrichs aus Huckelriede für ihr Werk „Emma-bubblestyle“ gebraucht. Ihr gesprayter Namenszug setzt sich aus fünf Farben zusammen, für die auch fünf Schablonen hergestellt werden mussten. „Erst hatte ich keine Lust dazu“, erklärt die 13-Jährige. Aber seitdem die Jugendgruppe im vergangenen Jahr einen Container im Spiel- und Wassergarten am Weseruferdeich mit Graffiti verschönert hat, hat die Schülerin der Oberschule Habenhausen die Spraydose als Ausdrucksform begeistert.

„Regen“ in einem Tropfen

Die Kursteilnehmerin Sarah-Lena Meyer sagt von sich, dass sie eigentlich nicht begabt sei. Mit ihrer Spraykunst ist sie aber doch zufrieden. Dabei wusste sie zum Zeitpunkt der Schablonenerstellung noch gar nicht, was am Ende herauskommen würde. Da es an dem Tag regnete, entschied sie sich für einen Regentropfen, in dem das Wort „Regen“ zu lesen ist, zumindest wenn man es weiß oder viel Fantasie aufbringen kann. „Man muss die Buchstaben schon suchen“, erklärt die 20-jährige Pusdorferin, die das Sprayen schon früher in der Kreativgruppe der Christusgemeinde gelernt hatte.

„Am längsten hat das Ausschneiden der Schablone gedauert“, erklärt sie Bärbel Pendzich, die als Gast an der Ausstellungseröffnung teilnimmt. „Ich wäre auch gerne so begabt“, so die Pusdorferin, die oft Graffiti an den Wänden sieht, aber die dahinterstehende Technik und den Aufwand sowie das nötige Fein- und Fingerspitzengefühl erst in der Ausstellung erklärt bekommen hat.

„Die Jugendlichen entwickelten außergewöhnliche Ideen und nutzten aufwendige Techniken“, lobt Dozent Siko Ortner die Teilnehmer des Kurses, der aus dem Topf des Projekts „Wohnen in Nachbarschaften“ (WiN) gefördert wurde. Die Mitarbeiterin des Kulturhauses, Andrea Stücke, freut sich, dass die Kreativität nicht nur in dem Ausstellungsraum zu sehen ist, sondern auch an der Wand des Lokales „Kosta’s Taverne“ in der Woltmershauser Straße 261 bestaunt werden kann. Nachdem der örtliche „Malermeister Alex“ die Wand grundiert hat, sprayten die Jugendlichen ein zwölf Meter langes Wandbild darüber, das die Überseestadt bei Sonnenuntergang und aus der Perspektive des Pusdorfer Sandstrandes zeigt. Dank der wetterresistenten Farbe soll das Wandbild zehn Jahre halten, wenn es nicht zerstört wird. Doch da hat Ortner keine Bedenken: „Graffitisprayer akzeptieren die Kunst anderer und verschandeln sie nicht“.

Die Ausstellung „Graffiti Nerd’s“ ist bis zum 3. September im Kulturhaus Pusdorf, Woltmershauser Straße 444, zu sehen. Öffnungszeiten: montags, dienstags, donnerstags und freitags, 11 und 13 Uhr, sowie dienstags von 17 bis 18 Uhr und donnerstags von 15 und 18 Uhr.

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