Privatfeier im Schatten des Weltkulturerbes

Firmenjubiläum auf dem Marktplatz soll Ausnahme bleiben

Für ihre Feier zum 125-jährigen Bestehen hatten sich die Logistiker von Kühne + Nagel die wohl beste Adresse der Stadt ausgesucht: den Marktplatz– geschlossene Gesellschaft. Doch die Privatfeier im Schatten des Weltkulturerbes passte nicht jedem.
29.01.2015, 00:00
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Firmenjubiläum auf dem Marktplatz soll Ausnahme bleiben
Von Max Polonyi

Für ihre Feier zum 125-jährigen Bestehen hatten sich die Logistiker von Kühne + Nagel die wohl beste Adresse der Stadt ausgesucht: den Marktplatz. Zwischen Rathaus, Bürgerschaft und Schütting wurde eine Wagenburg samt gläsernem Pavillon errichtet – geschlossene Gesellschaft, dafür sorgte das Sicherheitspersonal.

Wer neben Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) und Spitzenmanagern aus aller Welt eingeladen war, durfte sich an feinen Kanapees und gekühltem Champagner erfreuen. Ein exquisiter Ort, fand auch Böhrnsen: „Es ist nicht selbstverständlich, dass man hier in der Mitte feiern darf.“

Doch die Privatfeier im Schatten des Weltkulturerbes passte nicht jedem: „Ich will es nicht verurteilen, finde es aber grenzwertig“, sagte Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD). Die obere Rathaushalle oder der Festsaal in der Bürgerschaft wären seiner Meinung nach geeignetere Orte gewesen „und genauso angemessen“ – während der Pavillon auf dem Marktplatz Touristen den freien Blick auf den Schütting nahm.

Kühne + Nagel ist nicht das erste Unternehmen, das in „Bremens guter Stube“ privat feierte. Auch Mercedes und Kraft Foods, heute Mondelez, durften das schon. Der exklusive Platz ist wegen seiner Strahlkraft begehrt und außerdem günstiger als mancher Veranstaltungssaal. Kühne + Nagel müsse eine Gebühr im „mittleren dreistelligen Bereich“ entrichten, sagt Marita Wessel-Niepel, Leiterin des Stadtamts. Das Unternehmen habe eine Sondergenehmigung erhalten, die Feier sei eine Ausnahme: „Das ist eine Firma, die einen besonderen Bezug zu Bremen hat, wie auch Mercedes und Kraft Foods“, so die Amtsleiterin. Normalerweise lehne ihr Amt entsprechende Anträge ab, aber „Kühne + Nagel, 125 Jahre Bremer Geschichte – das ist schon besonders und hat großen Symbolcharakter“, so die Stadtamtsleiterin.

So sahen es auch die Partygäste: „Ich bin sprachlos“, sagte Detlef Trefzger, Vorstandsvorsitzender von Kühne + Nagel. „Das ist der richtige Platz für unser Unternehmen – hier sind unsere Wurzeln“, Der Glaspavillon symbolisiere die Transparenz der Firma, die Lage zwischen Rathaus und Schütting den Fokus auf Tradition und Innovation. „Wir sind seit 125 Jahren eng mit der Stadt Bremen verbunden. Ich finde es toll und bin sehr dankbar, dass wir in ihrem Zentrum feiern dürfen.“

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