Interesse am Sportabzeichen nimmt ab Fit durchs Leben

Adolf Mudder aus Aumund ist 80 Jahre alt und hat 60 Sportabzeichen-Prüfungen abgelegt. Allerdings nimmt das Interesse am Sportabzeichen ab. Dasbelegen Zahlen des Kreissportbundes Bremen-Nord.
17.01.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Iris Messerschmidt

Professor Karl Diem hat es 1913 nach einem Vorbild aus Schweden eingerichtet: das Deutsche Sportabzeichen. Nach 102 Jahren stehen immer noch Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination im Fokus. Doch das Interesse nimmt ab. Der 80-jährige Adolf Mudder aus Aumund hingegen stellte seine Sportlichkeit 60 mal unter Beweis.

Das Jahr 2014 hielt für Adolf Mudder gleich mehrere Jubiläen bereit. Er feierte im Dezember seinen 80. Geburtstag und erhielt vom Landessportbund Bremen das Deutsche Sportabzeichen in Gold mit der Zahl 60, also nach insgesamt 60 bestandenen Prüfungen. „Ein Leben ohne Sport? Das kann ich mir gar nicht vorstellen.“

Vor fast 70 Jahren war es, als sich in den Aumunder Straßen wie ein Lauffeuer herumsprach: „Wenn du da hingehst, bekommst du eine Turnhose, ein Handtuch und Turnschuhe“. Gemeint war die Turnhalle in Aumund. Fritz Piaskowski war es, der nach dem Krieg dem Sport wieder Leben einhauchen wollte. Mit Zustimmung der US-Besatzer. Es gab einen besonderen Anreiz. „Turnhose, ein Handtuch, so ein tolles, flauschiges in olivgrün und Turnschuhe, ebenfalls in olivgrün mit schwarzer Gummisohle“, erinnert sich Mudder. Das Herz des damals knapp Elfjährigen war gewonnen und Adolf Mudder wurde ab dem 1. Dezember 1945 Mitglied in der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack.

„Immer sonnabends kam der Chef der US-Soldaten vorbei und wir mussten vorturnen“, erinnert sich Adolf Mudder. „Das war richtig toll, denn anschließend bekamen wir Bonbons oder Kaugummis geschenkt.“ Nach einigem Ausprobieren hatte es ihm das Kunstturnen angetan. Und er blieb dabei. Dann kam allerdings Paul Lemanzcyk, Turnwart in der SAV, auf die Jungen zu und meinte: „Ihr habt alle das Zeug dazu, das Deutsche Sportabzeichen abzulegen. Beteiligt euch doch mal.“ Eine Ansage, die anfangs bei Adolf Mudder nicht wirklich auf Gegenliebe stieß.

„Laufen, Radfahren, Springen, Übungen am Reck, Hochbarren, Seit- und Langpferd, an den Ringen oder am Boden – alles kein Problem. Mein Schwachpunkt war allerdings das Schwimmen. Und das gehörte zum Deutschen Sportabzeichen“, erzählt Adolf Mudder. Dennoch ließ er sich überreden, machte mit, schwamm auch in der Weser, „damals gab es noch kein Schwimmbad, wir mussten also in Höhe Schönebecker Sand in die Weser und 15 Minuten gegen die Strömung anschwimmen“. 1955 hielt Mudder nach den bestandenen Prüfungen das erste Mal das Deutsche Sportabzeichen in den Händen. „Da hatte mich das Fieber gepackt“, gesteht er.

Heute zeugt ein dicker Ordner von seinen sportlichen Erfolgen und seinem Engagement. Mudder war nicht nur sieben Mal in der Auswahlriege der Mannschaft Bremen-Nord während der Vergleichswettkämpfe zwischen Wesermarsch, Bremerhaven und Bremen-Nord. Er war bis 2006 Oberturnwart des SAV, trainierte die Jugend-Leistungs-Riege, hat seit 1965 seine Übungs-Leiter-Lizenz, bekam die Goldene Ehrennadel des Kreissportbundes (KSB) Bremen-Nord, wurde 2004 Sportler des Jahres, lief am 24. April 1983 den ersten Bremer Marathon mit, „unter vier Stunden“, was ihm ein goldenes Marathon-Abzeichen einbrachte, ist inzwischen Ehrenmitglied im SAV, ist Mitbegründer der am 1. April 1995 ins Leben gerufenen Wanderriege, („mittlerweile haben wir fast 2500 Kilometer voll“) und ist seit 1972 auch selbst berechtigt, Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen abzunehmen.

„Ich habe sogar 33 mal das bayerische Sportleistungs-Abzeichen bekommen“, erzählt er. Die Erklärung dazu: „Nach dem Krieg haben anfangs die einzelnen Bundesländer die Sportabzeichen geregelt. 1949 gab es dann wieder einheitlich das Deutsche Sportabzeichen, die Länder gaben ihre Kompetenzen ab – nur Bayern nicht. Allerdings: 2013 wurde das Deutsche Sportabzeichen neu geregelt. Seitdem gibt es auch das bayerische nicht mehr.“

In den vielen, fast 70 Jahre anhaltenden, sportlichen Jahren hat Adolf Mudder einige Veränderungen des Deutschen Sportabzeichens erlebt. Dazu gehören Änderungen im Anforderungsprofil. Und dass immer mehr Sportvereine die Abnahme des Sportabzeichens selbst übernehmen.

Das Interesse am Sportabzeichen nimmt allgemein ab. Eines hat Adolf Mudder in diesem Zusammenhang im Lauf der Jahre gelernt: „Ob es genügend Interessenten für die Abnahme des Sportabzeichens gibt, das liegt immer auch am Engagement des Lehrers oder der jeweiligen Übungsleiter.“

Sportabzeichen-Abnahmetermine des KSB Bremen-Nord in 2015: Leichtathletik auf dem Löh-Sportplatz Blumenthal, Am Forst, jeweils montags, 17.30 Uhr: 27. April; 4. und 11. Mai; 8. und 22. Juni; 6. und 20. Juli; 7., 21. und 28. September. Schwimmen jeweils mittwochs, 18 Uhr, am 27. Mai im Kombibad Vegesack; 15. Juli im Freibad Blumenthal; 16. September Sportbad Grohn. Beginn des Sportabzeichentreffs des KSB Bremen-Nord (Vorbereitungsabende): Mittwoch, 15. April, 18 Uhr, bis zum 23. September jeweils im Vegesacker Stadion. Infos: 04 21 / 60 38 00.

Schwimmen ist Pflicht

Seit 2013 haben sich die Bedingungen für das Deutsche Sportabzeichen geändert. Statt fünf gibt es jetzt nur noch vier Prüfungen, dafür mehr Auswahldisziplinen. „Wir haben nach der Neuordnung einen Einbruch an Teilnehmerzahlen“, erzählt Gerhard Kietzmann, Sportabzeichen-Obmann beim KSB Bremen-Nord. Nach 183 Teilnehmern in 2012 waren es in 2013 und 2014 nur noch jeweils 128, die beim KSB das Deutsche Sportabzeichen ablegten. „Allerdings gibt es in Schulen und Sportvereinen ebenfalls die Möglichkeit, das Sportabzeichen abzulegen“, erzählt Gerhard Kietzmann und fügt zur Erläuterung Zahlen bei.

Die Prüfer mussten nach der Neuordnung an einer Fortbildung zur Prüferlizenz-Abnahme teilnehmen. Neben den zwölf Prüfern des KSB Bremen-Nord waren 36 Teilnehmer aus den Sportvereinen beteiligt. In Schulen können Sportlehrer das Deutsche Sportabzeichen abnehmen. Bestimmte Disziplinen der Bundesjugendspiele werden auch auf das Deutsche Sportabzeichen angerechnet. Nach der Neuordnung 2013, in der es zum Thema Schwimmen als Prüfungsdisziplin einige Diskussionen gab, ist jetzt folgendes Pflicht: Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre, die das Deutsche Sportabzeichen ablegen wollen, müssen entweder eine Schwimmprüfung ablegen oder jährlich den Nachweis erbringen, dass sie Schwimmen können. Bei Erwachsenen ist dieser Schwimm-Nachweis alle fünf Jahre erforderlich. Infos rund um das Thema gibt es bei Gerhard Kietzmann unter Telefon 04 21 / 60 38 00 und Fax 04 21 / 6 09 25 45.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+