Bremen zieht am Mittwoch nach

Pumpen in Niedersachsen wieder möglich

Die Fitnessstudios in Niedersachsen sind wieder geöffnet, Bremen zieht am Mittwoch nach: Wir haben nachgeschaut, wie der Start gelaufen ist, und erklären, worauf Kunden zu achten haben.
26.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Pumpen in Niedersachsen wieder möglich
Von Marc Hagedorn
Pumpen in Niedersachsen wieder möglich

Gewichte drücken im Fitnessstudio – andernorts schon erlaubt, in Bremen geht’s an diesem Mittwoch wieder los.

Marius Becker

Für Jürgen Beuke ist an diesem Montagmorgen ein Stück Normalität in seinen Alltag zurückgekehrt. Beuke ist Mitglied im Gym 80, einem Fitnessstudio in Bassum. Seit acht Uhr hat es wieder geöffnet, und schon um fünf Minuten nach acht ist Beuke zum ersten Training nach mehr als zehn Wochen Pause wieder da.

Extra früh sei er hergekommen, sagt Beuke, „ich hatte die Bilder von der Wiedereröffnung der Fitnessstudios in Nordrhein-Westfalen noch im Kopf.“ In Niedersachsens Nachbarbundesland läuft der Betrieb schon seit zwei Wochen wieder. „Und die Leute standen am Anfang in langen Schlangen vor den Türen“, sagt Beuke, „das wollte ich mir ersparen.“ Das klappt an diesem Morgen in Bassum auch.

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Als Beuke am Gym 80 ankommt, sind außer ihm nur ein halbes Dutzend Sportler da. So wie in Bassum sieht es am Montag fast überall im Bremer Umland aus, wie eine stichprobenartige Abfrage des WESER-KURIER ergibt. Bei Viva Fitness in Lilienthal zum Beispiel begrüßt Clubmanager Kolja Schnaars zehn Sportler, die um punkt acht Uhr vor der Tür warten.

Im Laufe des Tages pendelt sich die Zahl der Besucher bei durchschnittlich zehn bis 15 ein, abends sind es ein paar mehr. „Es geht erst langsam wieder los“, sagt Schnaars. Seine Kollegin Jana Sauck, Chefin des Gym 80 in Bassum, sagt: „Das finde ich auch gut so. Wir müssen uns schließlich alle erst wieder daran gewöhnen.“ Denn so wie sonst ist es noch längst nicht wieder.

In Niedersachsen und in Bremen, wo Fitnessstudios ab Mittwoch wieder geöffnet haben, gelten strenge Auflagen. Jeder Kunde wird mit Name, Adresse und Uhrzeit erfasst, das funktioniert bei den meisten über die Mitgliedskarte beim Anmelden automatisch. Sauna, Duschen und Umkleidekabinen bleiben geschlossen. Im Gym 80 sind zwei Geräte, ein Stepper und die Klimmzugmaschine, mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, weil sonst der Mindestabstand zwischen den einzelnen Stationen nicht eingehalten werden könnte.

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Am Eingang klärt ein Plakat die Sportler darüber auf, was sie zu tun haben: zwei Meter Abstand halten. Kontaktlos trainieren. Handtuch unterlegen. Geräte nach der Nutzung desinfizieren. Wer möchte, darf Handschuhe tragen, Mund- und Nasenschutz sind nicht vorgeschrieben. Ganz generell gilt: Aufenthalt so lange wie nötig, aber auch so kurz wie möglich.

Für die Fitnessstudios und ihre Mitglieder in Niedersachsen und Bremen geht in diesen Tagen eine lange Zeit des Wartens zu Ende. Trotzdem sind noch nicht alle Fragen abschließend geklärt. Etwa die Frage, wie die Studios mit den Mitgliedsbeiträgen für die Monate umzugehen haben, in denen sie kein Angebot machen konnten. Die Verbraucherzentralen in Deutschland gehen davon aus, dass die Mitglieder für diese Zeit von der Beitragspflicht befreit sind.

„Während der Schließungszeit in den letzten Wochen waren beide Parteien von den Leistungspflichten befreit“, heißt es in einer Einschätzung, „die Folge: Mitglieder mussten während der Schließungszeit keine Beiträge entrichten.“ Da auch jetzt noch nicht alle Leistungen angeboten werden, etwa Kurse mit Körperkontakt, Nutzung von Sauna und Dusche, könne dies die Beiträge mindern.

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Tatsächlich, sagt Fachanwalt Siegfried Wilhelm Wrede, „gibt es für die aktuelle Situation noch keine Rechtssprechung, die das klar regelt.“ Wrede ist sich nicht sicher, dass sich die Auffassung der Verbraucherzentralen vor Gericht durchsetzen würde. Die Fitnessstudios, die der WESER-KURIER befragt hat, bieten ihren Kunden Zeitgutschriften an, also eine kostenlose Verlängerung der Mitgliedschaft um zwei oder drei Monate. Nach Auffassung des Fachanwalts könnte das eine tragbare Lösung sein.

Beim Gym 80 in Bassum können die Mitglieder zwischen der Zeitgutschrift und einem Geschenkgutschein über drei Monate für Freunde oder Verwandte wählen. Für die Kunden, die in Kurzarbeit sind und sparen müssen, sollten sich nach Aussage der Studios Lösungen finden lassen. Manchmal ist es auch ganz unkompliziert: In Lilienthal bei Viva Fitness spendeten viele Kunden ihre Beiträge, sagt Manager Schnaars, „diejenigen, die es sich leisten können, haben ihre Beitragszahlungen ganz normal weiterlaufen lassen.“

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Mehrere Studios haben während der Corona-Pause über die sozialen Medien Kontakt zu ihren Kunden gehalten, täglich Videos mit Tipps zum Workout verschickt oder Rezeptvorschläge für gesundes Essen oder Sportlergetränke. An diesem Montag sind es vor allem die Jüngeren, die zuerst wieder kommen. „Viele Ältere sind doch noch vorsichtig und warten lieber ab“, sagt Jana Sauck in Bassum. Warten wollte Gym-80-Kunde Jürgen Beuke nicht mehr länger.

Er hat zwar versucht, auch während der Zwangspause regelmäßig seine Übungen zu machen, „aber zu Hause ist es etwas ganz anders als hier im Gym“, sagt er. Zweieinhalb Stunde lang absolviert er an diesem Montag sein Programm: eine Stunde Ausdauer, je 30 Minuten Rücken, Bauch, Po sowie Bizeps und Trizeps. Seit 18 Jahren kommt er im Schnitt dreimal pro Woche hierher. Und das solle auch so bleiben, sagt er. Für diesen Dienstag kündigt er schon einmal seinen nächsten Besuch an. „Um acht werde ich hier wieder auf der Matte stehen.“

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