Menschenrechte

Flagge zeigen gegen Gewalt an Frauen

Prostitution ist eines der zentralen Themen, mit denen sich die Organisation Terre des Femmes am Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November beschäftigt.
20.11.2019, 15:52
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten
Flagge zeigen gegen Gewalt an Frauen

Luise Scherf (links) und Angelika Brückner hängen an der Rembertistraße ein Banner an Scherfs privates Wohnhaus.

Roland Scheitz

Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal waren gerade auf dem Heimweg, als sie der staatlichen Mördertruppe in die Hände fielen. Sie wurden am 25. November 1960 brutal umgebracht, weil sie es gewagt hatten, sich gegen das diktatorische Regime aufzulehnen. In ihrem Heimatland - der Dominikanischen Republik – wurden die drei Mirabal-Schwestern zu Ikonen des Widerstands gegen Unrecht und Unterdrückung. Ihr Todestag wurde vor 20 Jahren von den Vereinten Nationen zum internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen erklärt. Auch in Bremen soll in diesem Jahr wieder daran erinnert werden: Auf der ganzen Welt müssen Frauen leiden, weil sie Frauen sind. Der gemeinnützige Verein „Terre des Femmes“ wirft in diesem Jahr das Schlaglicht auf ein Thema, über das vor allem in Deutschland mehr geredet werden sollte, wie die Findorffer Aktivistin Angelika Brückner erklärt.

Die Organisation mit derzeit rund 2000 Mitgliedern setzt sich für das gleichberechtigte und selbstbestimmte Leben von Mädchen und Frauen ein, und meldet sich zu Wort, wo sie diese Rechte gefährdet sieht – in Deutschland und auf der ganzen Welt. Frühehen, Genitalverstümmelung, Menschenhandel, häusliche Gewalt, Zwangsprostitution und –verheiratung sind die Themen, die Terres des Femmes bewegen, seit der Verein im Jahr 1981 von einer Gruppe engagierter Hamburgerinnen gegründet wurde. Mit der Forderung, das „Kinderkopftuch" an deutschen Kitas und Schulen zu verbieten, sorgte der Verein für kontroverse Reaktionen. Und rege Debatten verspricht auch der aktuelle Schwerpunkt: Terre des Femmes fordert eine Welt ohne Prostitution.

Insider dabei

Für Dienstag, 26. November, 18.30 Uhr, lädt die Bremer Städtegruppe zum Vortrag mit anschließender Diskussion ins Bürgerhaus Weserterrassen, Osterdeich 70b. Für den Abend mit dem Titel „Die Ware Frau – Das Millionengeschäft mit der Prostitution“ konnte der Verein zwei bundesweit bekannte Insider gewinnen, die die Szene aus entgegengesetzten Perspektiven kennen. Kriminalhauptkommissar Manfred Paulus leitete 25 Jahre lang das Dezernat zur Bekämpfung von Sexualdelikten und Rotlichtkriminalität der Kripo Ulm, engagiert sich seit seinem Ruhestand in der Präventionsarbeit, und ist als Berater unter anderem für die EU-Kommission tätig. Paulus hält die deutsche Prostitutionsgesetzgebung für „realitätsfremd und naiv“.

„Frei leben ohne Gewalt“: So steht es auf den Bannern von Terre des Femmes, die am 25. November bundesweit zu sehen sein werden. Die Menschenrechtsorganisation hat wieder im ganzen Land öffentliche Institutionen, Unternehmen, Vereine und Privatleute gebeten, zu dieser Forderung Flagge zu zeigen. In der Hansestadt hat sich unter anderem Werder Bremen dazu bereit erklärt, zwei Banner vor dem Stadion zu hissen. An der Rembertistraße wird das Banner am privaten Wohnhaus einer stadtbekannten Mitstreiterin hängen: Luise Scherf sei nach einem Telefongespräch „sofort bereit“ gewesen, die Aktion zu unterstützen, erzählt Brückner. Zum Bedauern der Vereinsvertreterin hält sich die „große Politik“ der Hansestadt auch in diesem Jahr wieder heraus – anders als in vielen anderen deutschen Kommunen, auch in der Bundeshauptstadt Berlin und in Hamburg, wo wieder Flaggen von den Rathäusern wehen, und die Aktionen von viel lokaler Prominenz und medialer Aufmerksamkeit begleitet werden. Man begrüße wohl die Aktion und ihren Hintergrund, erfuhr Brückner – doch mitmachen könne man „aus formalen Gründen“ leider nicht. Enttäuschend, findet die Findorffer Aktivistin – doch man kann davon ausgehen: Auch im nächsten Jahr wird sie wieder hartnäckig nachfragen.

Weitere Informationen

Infos zu Terre des Femmes: www.frauenrechte.de. Kontakt zur Bremer Städtegruppe: bremen@frauenrechte.de.

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