Das Diyar-Tanztheater aus Bethlehem überrascht Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule West Flashmob für die Völkerverständigung

Gröpelingen. So viel Energie und Lebensfreude, so viel Kraft und Selbstbewusstsein: Auch wer kein Wort der Liedtexte verstand, begriff die Botschaft doch unmittelbar. Eine Woche lang überraschten die jungen Tänzerinnen und Tänzer des Diyar Dance Theatre die Bremer auf ihren Straßen und Plätzen.
01.06.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

Gröpelingen. So viel Energie und Lebensfreude, so viel Kraft und Selbstbewusstsein: Auch wer kein Wort der Liedtexte verstand, begriff die Botschaft doch unmittelbar. Eine Woche lang überraschten die jungen Tänzerinnen und Tänzer des Diyar Dance Theatre die Bremer auf ihren Straßen und Plätzen. Am Montagvormittag gab es eine exklusive Performance speziell für die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule West.

Das junge Ensemble stammt aus Bethlehem, das natürlich jeder kennt, der schon einmal die biblische Weihnachtsgeschichte gehört hat. Was aber viele nicht wissen, erklärte Anette Klasing, die selbst einige Jahre in der Stadt mit dem legendären Namen gelebt hat und die jungen Gäste in Bremen betreute.

Der Geburtsort Jesu gehört zu den palästinensischen Autonomiegebieten des Westjordanlands und wird im Norden von einer bis zu acht Meter hohen Mauer von Jerusalem und den umliegenden Dörfern abgetrennt, so die Bildungsreferentin der Bremer Jugendbildungsstätte. Was Spaltung, Unfrieden und Unfreiheit bedeuten, das wissen die knapp 30 000 Einwohner also ganz genau. 1995 wurde das „International Center of Bethlehem“ (ICB) gegründet, das „inmitten der Verzweiflung Leben schaffen“ will, wie es in der ICB-Chronik heißt. Initiator war der junge lutherische Pastor Mitri Raheb, der für sein Engagement weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde.

Teil seiner Kultur- und Bildungsstätte sind unter anderem das einzige Frauensportzentrum Palästinas sowie die „Diyar Academy for Children and Youth“, die palästinensische Jugendliche nach ihren Talenten fördern, ihnen Raum für Sport und Kreativität geben will, damit sie ihre eigene Identität finden und Selbstwertgefühl aufbauen können. Das Diyar Dance Theatre wurde 2009 gegründet.

Zurzeit sind die sieben jungen Tänzerinnen und Tänzer aus Bethlehem auf Tour als Botschafter der Völkerverständigung, erzählte Anette Klasing. Ihr Kommunikationsmittel ist der traditionelle arabische Folkloretanz Dabkeh, der von Generation zu Generation weitergegeben wird und in der Choreografie von Osama Awwad, Mitgründer des Diyar Dance Theatre, ziemlich modern und cool daherkommt. Das fanden offensichtlich auch die Gröpelinger Schülerinnen und Schüler, die das tänzerische Geschenk aus Palästina mit begeistertem Applaus belohnten.

Ermöglicht wurde die Tournee vom Institut für Auslandsbeziehungen (Ifa). Den publikumsträchtigsten Auftritt im Rahmen seiner „Cross Culture Tour“ hatte das Ensemble gerade auf der großen Bühne des Evangelischen Kirchentags in der Bundeshauptstadt Berlin. Eine Woche lang wurde dann das Bremer Lidice-Haus in der Neustadt zu ihrer Herberge. An jedem Vormittag führte das Ensemble an Bremer Schulen Workshops durch, nachmittags gab es Tanzvorführungen inspiriert von „Flashmobs“ auf Bremer Straßen und Plätzen.

Dem Überraschungseffekt wird es nicht schaden, wenn dies verraten wird: Die vorerst letzte Gelegenheit, in Bremen dem Dabkeh-Tanz aus Palästina zuzuschauen, mit den jugendlichen Gästen ins Gespräch zu kommen und sich von ihrer Energie anstecken zu lassen, gibt es an diesem Donnerstag, 1. Juni, um 16 Uhr vor dem Bremer Hauptbahnhof.

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